Ob die Puppe, die Schaufel im Sandkasten, oder die geliebten Kuscheltiere: Kleinkinder teilen nicht gerne. Sollen Kinder ihre Sachen mit Anderen teilen, fließen nicht selten Tränen. Warum Kinder nicht gerne teilen, und wie sie es doch noch lernen, lest ihr hier. 

Wenn Helene und Mia zusammen spielen, will ständig die Eine das Spielzeug der Anderen. Immerzu hört man Geschrei. Dabei ist es egal, ob Helene noch vor einer Sekunde hingebungsvoll mit den Bausteinen gespielt hat. Sieht sie, dass Mia den Puppenwagen für sich entdeckt hat, will auch sie ihn sofort bespielen. Wieder fängt das Geschrei von vorne an: „Meins. Das ist Meins!„.

Ganz ähnliche Situationen erleben Eltern immer wieder. Doch wie Reagieren? Welcher Wahnsinns-Erziehungstipp hilft in solch einer Situation? Und warum reagieren Kinder immer gleich so vehement?

Fakt ist: Kein Kleinkind teilt gerne!

Auch wenn wir es nur kleinlaut zugeben möchten – unsere Kinder teilen alle nicht gerne. Sie rangeln jeden Tag darum, möglichst Alles für sich alleine zu beanspruchen. Für Kleinkinder ist ihr Besitz, ihr Spielzeug und ihre Habseligkeiten, wie ein Heiligtum. Es ist das Einzige, über das sie alleine entscheiden können. Und viele Kinder haben Angst, ihre Dinge auf irgendeine Weise zu verlieren. Entweder weil andere Kinder sie kaputt machen könnten, oder eventuell sogar mit Nachhause nehmen. Je wichtiger also das Spielzeug, desto vehementer wird es dann auch verteidigt.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind nicht teilen möchte?

Es ist ein wenig schwer verdaulich, aber dennoch der beste Tipp, den man Eltern geben kann: Am besten tut man erstmal gar nichts.

Kinder lernen grundsätzlich durch Erfahrungen, die sie aktiv durchleben. Es ist also wichtig, dass sie sich mit Situationen auseinandersetzen, in denen sie und ein anderes Kind gleichzeitig das selbe Spielzeug haben wollen. Durch solche Streitigkeiten nehmen sie wichtige Dinge für sich mit. Dabei muss man wissen, dass Kinder grundsätzlich lösungsorientiert sind. Sie haben also ein echtes Interesse daran, eine Lösung für das jeweilige „Problem“ zu finden. So durchlaufen sie einen stetigen Lernprozess, der am Ende dazu führt, dass sie „beinahe“ sogar gerne teilen.

Nicht zuletzt übrigens, weil das Teilen oft echte Vorteile mit sich bringt. Denn wenn Helene freimütig ihre Süßigkeiten mit Mia teilt, könnte es ja sein, dass Mia ihr am Ende ein paar Runden auf dem flammneuen Laufrad gönnt.

Natürlich sollte man nicht stummer Zuschauer bleiben, wenn eine lautstarke Streitigkeit um ein Spielzeug, in einem knackigen Gewaltexzess zu enden droht. Wenn ein Streit physisch wird, sollte man beruhigend einzugreifen. Meist hat dann eines der Kinder das Gefühl, mit Worten unterlegen zu sein – und zu bleiben. Wenn die Sprachgewandtheit an Grenzen stößt, ist ein Schubser oft nicht weit entfernt.

Wenn Eltern es in solchen Situationen schaffen, die Kinder ganz ruhig und wohlwollend zurück auf den Pfad der Problemlösung zu führen, haben sie alles richtig gemacht. Machen sie jedoch Vorgaben, oder erzwingen durch ein Basta das Teilen, ist die Situation zwar geregelt, aber für die Kinder nicht geklärt. Für die nächste potenzielle Situation, in der man sogar davon ausgehen muss, dass es wesentlich schneller unter den Kindern eskaliert, ist der Ärger dann quasi hausgemacht.

Auch Eltern sollten vorbildlich teilen

Kinder orientieren sich sehr stark an Vorbildern. Wie in vielen anderen Lebenslagen, ist es auch beim Teilen wichtig, ein gutes Vorbild für sein Kind zu sein. Sehen Kinder, dass auch Mama und Papa mit Freude und Spaß teilen, werden sie schneller Interesse an diesem Konzept zeigen. Wer den Entwicklungsprozess unterstützen möchte, sollte den Kindern außerdem seine Freude zeigen, wenn es selbst etwas teilt.


Wer hat's geschrieben?

Jacqueline Esser

Erzieherin, Mutter, Autorin

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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