Als Mental Load bezeichnet man all die unsichtbaren Aufgaben im Familienalltag, die meistens enorme Zeitfresser sind, also eine gehörige Portion Organisation benötigen. All die typischen Dinge, bei denen man den Durchblick und den Überblick, über die ganze Familie behalten muss. Wisst ihr welche Aufgaben ich damit meine? Ich bin mir sicher, dass wenn ihr am Ende des Artikels angelangt seid, ihr häufig zustimmend mit dem Kopf genickt habt. Vielleicht, weil ihr ähnlich wie ich, ab und an, in einer Metal-Load-Falle festsitzt.

Bitte was ist Mental Load?

Mental Load. Mal wieder so ein hipper, neuer „Mode-Mami-Begriff“. Das las ich vor kurzem als großen Aufhänger in einer renommierten Zeitschrift. Mein erster Gedanke war: „Was soll das denn jetzt wieder sein?“ Aber irgendwie ließ es mich nicht los. Also beschäftigte ich mich intensiver mit dem Thema. Der Begriff Mental Load kann ins Deutsche grob mit „psychische Belastung“ übersetzt werden. Gemeint sind jedoch speziell Belastungen, die durch all die unsichtbaren Aufgaben, das Organisieren des Alltags, innerhalb der Familie entstehen. All das, was einfach so „nebenher“ läuft und gerne als „nicht der Rede wert“ übersehen wird.

Eine lange Liste füllt den Mental-Load-Speicher

Als ich die Definition las, sah ich vor meinem inneren Auge eine sehr lange Liste, mit folgenden Aufgaben. Angefangen bei den Kleinigkeiten des Alltags:

Mental Load Liste
Bild: © Good Studio / Adobe Stock
  • Welches Kind hat wann Sportunterricht und sind die Sachen schon gepackt?
  • Reicht das Brot noch für morgen Früh?
  • Sind noch genügend Wechselsachen in der Kita?
  • Das Wetter wird wärmer. Passt die Übergangsjacke noch, oder muss eine Neue her?
  • u.s.w.

Ihr seht, alleine diese typischen Kleinigkeiten benötigen eine gute Übersicht über die Familie. Dazu kommt die terminliche Organisation der einzelnen Familienmitglieder. So muss geklärt werden, wie Kind 1 zum Kindergeburtstag kommt, weil Kind 2 eigentlich gleichzeitig noch zum Reiten gefahren werden muss. Darüber hinaus hat der Hund direkt im Anschluss einen Termin beim Tierarzt. Und natürlich ist das Geschenk für den Kindergeburtstag völlig durchgerutscht!

Ist der Mental Load eine Belastung?

Die Liste dieser „unsichtbaren“ Aufgaben ist wirklich lang. Die meisten davon sind uns gar nicht mehr bewusst und laufen tatsächlich einfach so „nebenher“. Dieses Gefühl ständig an alles denken zu müssen, einfach alles auf dem „Schirm“ haben zu müssen, genau das ist der Punkt, der zur Überbelastung führt. Oft sind es die Mütter, die die meisten Mental Load Aufgaben im Alltag bewältigen. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass ich das hier platt verallgemeinern will. In vielen Familien ist es auch der Vater, der sich vermehrt um den Familienalltag kümmert und die meisten Dinge organisiert.

In allen Fällen ist es jedoch so, dass die vielen unsichtbaren Aufgaben eine Überforderung auslösen können. Es ist schlichtweg zu viel, zu viele „kleine“ Aufgaben, die neben der Arbeit, neben dem Alltag mit den Kindern, noch zu erledigen sind. Die Mental-Load-Falle schlägt dann erbarmungslos zu.

Der Ausweg sind offene Gespräche

Mental Load Familie
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Als ich mir bewusst machte, wie viele dieser kleinen Aufgaben mich wirklich täglich begleiten, verstand ich sofort, warum ich mich oft so getrieben fühle. Dieses Gefühl, an alles denken zu müssen, stresste mich enorm. Diese Aufgaben einfach auf meine To-Do-Liste, und damit aus meinem Kopf zu packen, machte es einfach nicht besser. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich beim Anblick der Liste sogar sauer wurde. Denn ich hatte das Gefühl, nur ich übernehme so viele Aufgaben und der Rest der Familie verlässt sich zu 100% darauf, dass ich das schon schaffen werde.

Es musste sich etwas ändern. Eine echte Lösung musste her. Also suchte ich das Gespräch mit meinem Mann. Und was sich dann herausstellte, hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht.

Bei diesem offenen Gespräch zählte ich viele der Aufgaben auf, die mich in ihrer Masse wirklich belasteten. Dabei kam heraus, dass meinem Mann die Wucht der Masse, die ich im Kopf hatte, überhaupt nicht bewusst war. Viele der Mental Load Aufgaben sind für das eigene Umfeld tatsächlich so unsichtbar, dass der Partner sie nicht wahrnimmt. Denn in der Tat erledigen wir Aufgaben oft, ohne weiter darüber gesprochen zu haben. So sind (und werden) sie dem Partner (oder dem Rest der Familie) nicht präsent. Und was unsichtbar bleibt, kann nicht auf Unterstützung hoffen.

Auch der Partner hat seinen eigenen mentalen Speicher

Mental Load in der Partnerschaft
Bild: © pathdoc / Adobe Stock

Auch mein Mann konnte mir seine Mental Load Aufgaben näher bringen. Denn auch ich musste mir eingestehen, dass ich SEINE unsichtbaren Aufgaben nicht wirklich wahrgenommen hatte. Das Auffüllen des Benzins für den Rasenmäher zum Beispiel, den Briefverkehr mit der Steuerberaterin, das Kontrollieren des Wasserdrucks der Heizung, oder die Entlüftung der einzelnen Heizkörper im Haus. Ganz viele Kleinigkeiten, die irgendwann mal geklemmt oder gequietscht haben, waren ab einem gewissen Punkt für mich wieder unsichtbar und vergessen, weil er sie nebenbei (ohne weiteren Kommentar) repariert hatte.

Auch sein persönliches Mental-Load-Drama hatte also bereits Geschichte. Alleine durch dieses tiefe Gespräch, haben wir beide gegenseitige Einsicht in die tägliche Überladung unserer jeweiligen Köpfe bekommen. Damit war der erste Schritt aus der mentalen Falle des gefühlt überbordenden Familienalltags getan. Man glaubt kaum, wie viel Druck man aus einer Situation rausnehmen kann, wenn man einfach nochmal redet, und bemerkt, dass man an vielen Punkten vielleicht zu Unrecht sauer auf den Partner (oder die Partnerin) war.

Geteilter Mental-Load ist guter Mental-Load

Mit dem gegenseitigen Bewusstsein eines stark angespannten Mental-Loads, bedarf es dann trotzdem noch einer Lösung. In unserem Fall haben wir uns für eine sonntägliche Familienplanung entschieden. Jeden Sonntag setzen wir uns zusammen und planen mit Hilfe des Familienkalenders die kommende Woche.

Dabei wird jede noch so kleine anstehende Aufgabe angesprochen. Hat eines der Kinder einen Ausflug, wird genau geklärt, was noch besorgt und erledigt werden muss. Danach legen wir fest, wer von uns welche Aufgabe erledigt. Wir teilen die Mama/Papa Taxi-Fahrten auf und übernehmen auch mal Aufgaben, die sonst immer der/die jeweils Andere gemacht hätte. Auf diese Weise bekommen wir die meisten Dinge gut ausgeglichen.

Natürlich werden unsere Wochen dadurch nicht zum reinen Selbstläufer. Jede Woche hält so ihre ganz eigenen Überraschungen bereit. Sei es die Schule, die spontan etwas umwirft, oder Kollegen, die krank werden. Solche Dinge füllen im Laufe der Woche dann auch den Mental-Load-Speicher wieder ordentlich auf. Wenn er jedoch durch gute Sonntagsplanung generell entlastet wurde, läuft er auch in etwas chaotischeren Wochen, nicht maßlos über.

Copy & Paste – Load aktiv vermeiden

Mental Load Copy Paste
Bild: © primipil / Adobe Stock

Schon in unserem ersten Gespräch sind uns viele Aufgaben aufgefallen, die beiden Partnern den mentalen Speicher parallel gefüllt haben. So kommt mitunter das Gefühl auf, dass man neben all den Dingen, an die man denken muss, auch noch für den Partner bzw. die Partnerin mitdenkt. Dabei geschieht das Gleiche auch auf der „Gegenseite“. Erst wenn man regelmäßig (offen) anstehende Aufgaben kommuniziert und verteilt, nimmt man den negativen Druck aus diesem Gefühl. Denn eigentlich ist es ja nicht ungewöhnlich, dass einem Dinge auffallen. Und eigentlich macht man Dinge auch mal ganz gerne selber, wenn es gerade passt, oder dem ebenfalls recht ausgelasteten Partner, ein wenig Mental-Load abnehmen will.

Auch der Job leidet unter Mental-Load

In erster Linie habe ich diesen Beitrag hier natürlich mit Blick auf Familienleben und Partnerschaft geschrieben. Aber wenn man sich bewusst macht, was ein überfüllter Mental-Load anstellen kann, dann wird einem schnell klar, dass sich ein fortwährender Zustand von Dauerüberlastung, auf alle Lebensbereiche auswirken kann. Damit kommt dann auch das Berufsleben ins Spiel. Wenn der mentale Arbeitsspeicher im Kopf voll ist, dann ist man auch im Job nicht in der Lage, immer zu 100 Prozent bei der Sache zu sein.

Es lohnt sich also, solche Sachen konsequent und vertrauensvoll anzusprechen. Es hängt viel davon ab!


Wer hat's geschrieben?

Jacqueline Esser

Erzieherin, Mutter, Autorin

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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