Nach der aktuellen Zulassung der EU, von zwei Insektenarten als Lebensmittel, wird man sich künftig wohl an den Gedanken gewöhnen müssen, seine Proteinzufuhr teilweise in Insektenform zu sich zu nehmen. Die Reaktionen fallen zumindest bisher sehr unterschiedlich aus. Dabei ist das Insekt auf dem Teller keine echte Neuheit. In den meisten Fällen ist uns nur nicht bewusst, was wir da essen. Denn in einigen Lebensmitteln verstecken sich schon seit Jahren (unbemerkt) Bestandteile von Insekten.

Eine gut gemeinte Warnung vorweg: Wer bereits bei der Erkenntnis um die Bestandteile von Gelatine das Schaudern bekam, sollte nicht (sonderlich) weit über diesen Punkt hier hinaus lesen. Wo Gummibärchen seither zum kulinarischen Tabu erklärt wurden, möchte man eventuell gar nicht wissen, auf welche Überraschungen man noch so treffen könnte.

Es ist also beschlossene Sache. Die Hausgrille und die Larven des Getreideschimmelkäfers sind nun offiziell als Lebensmittel in der Europäischen Union zugelassen. Tatsächlich warten aktuell noch knapp 10 weitere Anträge auf Zulassung. Man kann also von einer klaren Tendenz sprechen. Wo wir an anderer Stelle versuchen, Insekten aus dem Haus zu treiben, landen sie hier mit Ansage auf dem Teller. Zumal bereits seit 2021 Wanderheuschrecken und Mehlkäfer für die Herstellung von Lebensmitteln verarbeitet werden dürfen.

Wer aber ein wenig tiefer gräbt, der wird einige Beispiele finden, in denen bereits seit vielen Jahren Bestandteile bestimmter Insekten enthalten sind. Und das in keinem Fall nur in eher unbekannten Nischenprodukten. Nein, wir alle essen und naschen diese Dinge ganz sicher sehr regelmäßig. Neugierig? 🤗🙈

Schellack stammt von Insekten

Wer das Wort “Schellack” hört, wird sicherlich zuerst an den berühmten Vorläufer der Schallplatte denken. Das ist natürlich richtig. Aber darüber hinaus findet man den Stoff gar nicht so selten in der Lebensmittelindustrie. Schellack ist eine harzartige Ausscheidung der Gummilackschildlaus. Der Stoff wird vor allen Dingen in der Süßwarenindustrie überall da eingesetzt, wo es einen glänzenden, leicht knackigen, Überzug braucht.

In diesen Produkten befindet sich Schellack:

  • Kinder-Schoko-Bons von Ferrero
  • Bunte Kakaolinsen von Milka
  • Mentos Kaugummi “Pure-White”

Aber auch in Kosmetik, Haarspray, als Überzug von Tabletten und Nahrungsergänzungsmitteln, ist Schellack ein sehr gebräuchlicher Stoff. Man kommt also im Alltag kaum an ihm vorbei.

Der Farbstoff E120 wird aus Insekten gewonnen

Überall wo es schön rot leuchtet, könnte der Farbstoff E120 der Grund sein. Schaut man auf die Zutatenliste unzähliger Lebensmittel, wird man das Kürzel entdecken. Gewonnen wird der rote Farbstoff aus befruchteten und getrockneten Weibchen der Scharlachschildlaus. Ein ziemlich gruseliger Gedanke, der seinen Weg in Süßwaren, Getränke, Lippenstifte und vegetarischen Wurstersatz findet. Mahlzeit. 🙈

Das Vergleichsportal Codecheck hat sich einmal auf die Suche gemacht, um einige Produkte aufzählen zu können, die diesen Farbstoff verwenden. Hier ein Auszug der Ergebnisse:

  • Kinder “Riegel-Mini”
  • Kinder “Pinguin Schoko-Schnitte Karamell”
  • m&m’s Crisp
  • Trolli “Saure Glühwürmchen”
  • Ehrmann “Obstgarten Erdbeere”, “Obstgarten Heidelbeere”, Obstgarten Himbeere”, “Obstgarten Rote- und Schwarze Johannisbeere”

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Wie man sieht, kommt man bereits heute kaum daran vorbei, auch ohne es gewusst zu haben, zumindest Bestandteile von Insekten zu verzehren. Und tatsächlich gibt es ernstzunehmende Studien und Fachleute, die sich sehr positiv dazu äußern, künftig auch in der Lebensmittelindustrie verstärkt auch auf Insekten zu setzen. Aber auch wenn es vielleicht gute Gründe (z.B. in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz) gibt, darf man sich bei dem Gedanken, sich künftig daran gewöhnen zu müssen, kurz schütteln.


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