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Eine reife Leistung!

Mit Rathaus, Jobs und eigenem Geld: In Mini-LA regieren die Kinder

Mit Rathaus, Jobs und eigenem Geld: In Mini-LA regieren die Kinder

Wie wäre es, wenn Kinder in den Sommerferien nicht einfach nur beschäftigt werden, sondern gleich eine ganze Stadt am Laufen halten? Genau das passiert jedes Jahr in Langenargen am Bodensee. In der Kinderspielestadt Mini-LA suchen sich Kinder ihren eigenen Job, verdienen eine eigene Währung, wählen eine Bürgermeisterin und sprechen gemeinsam darüber, was in ihrer Stadt passiert.

2026 öffnete Mini-LA vom 16. bis 21. August im Schlosspark von Langenargen. Anmelden konnten sich Kinder aus dem Ort, die acht Jahre alt sind oder im Laufe des Jahres noch acht werden – bis zu ihrem 13. Geburtstag. Mini-LA ist dabei keine klassische Ferienbetreuung, bei der Erwachsene den kompletten Tagesablauf vorgeben. Die Erwachsenen schaffen einen sicheren Rahmen, innerhalb dessen die Kinder möglichst viel selbst ausprobieren und entscheiden können.

Erst zum Arbeitsamt, später zur Bank

Ein Tag in Mini-LA beginnt tatsächlich mit dem Gang zum Arbeitsamt. Dort wählen die Kinder selbst aus, wo sie arbeiten möchten. In der Kinderstadt gibt es unter anderem eine Bäckerei, ein Rathaus und einen eigenen Radiosender. Passt ein Beruf doch nicht, dürfen die jungen Beschäftigten kündigen, sich bei der Bank ihren Lohn abholen und anschließend nach einem neuen Job suchen.

Bezahlt wird natürlich nicht in Euro, sondern in „Montis“. Was mit dem verdienten Geld passiert, entscheiden die Kinder selbst. Sie können sich davon zum Beispiel etwas zu essen kaufen. So wird der Umgang mit eigenem Geld nicht in einer trockenen Unterrichtsstunde erklärt, sondern direkt erlebt: Erst arbeiten, dann überlegen – ausgegeben oder lieber noch etwas behalten?

Demokratie wird hier nicht nur erklärt

Auch politisch hat Mini-LA einiges zu bieten. Die Kinder wählen eine eigene Bürgermeisterin, Stimmen werden ausgezählt und zur kleinen kommunalen Struktur gehören auch Gemeinderäte. Jeder Tag endet außerdem mit einer Bürgerversammlung an der Mini-LA-Bühne.

Damit wird Demokratie für Kinder erstaunlich konkret. Sie erleben, dass man seine Meinung sagen, andere überzeugen und gemeinsam Lösungen finden kann. Und sie merken: Auch eine Bürgermeisterin kann eine Stadt nicht einfach allein regieren. Es braucht Menschen, die mitmachen und Verantwortung übernehmen.

Mehr als 200 Freiwillige machen Mini-LA möglich

So selbstständig die Kinder ihre Stadt gestalten: Ganz ohne Erwachsene funktioniert ein solches Projekt natürlich nicht. Nach Angaben eines lokalen Berichts von AGORA-LA waren 2026 mehr als 200 freiwillige Helferinnen und Helfer dabei – so viele wie noch nie. Manche von ihnen konnten nur halbe Tage übernehmen, doch gerade dadurch kamen offenbar besonders viele Menschen zusammen.

Die Betreuenden kümmern sich vor allem um die einzelnen Stände. Nach Rücksprache mit dem Leitungsteam organisieren sich diese weitgehend selbst und können auch eigene Ideen einbringen. Örtliche Gastronomiebetriebe versorgen Kinder und Helfende während der Mittagspause mit Essen. Mini-LA ist deshalb nicht nur eine schöne Kinderidee, sondern auch ein beeindruckendes Gemeinschaftsprojekt.

Das Unwetter blieb eine Randnotiz

Ganz nach Plan verlief die Woche nicht. Wegen Wind und Regen musste das Gelände geräumt werden; am Ende wurde Mini-LA erstmals vorzeitig beendet. Die Kinder und Betreuenden kamen sicher in einer Kirche unter. Dass die Räumung ruhig und gut organisiert funktionierte, zeigt nebenbei, wie viel Vorbereitung hinter der scheinbar so spielerischen Kinderstadt steckt.

Ein Ferienprojekt, das Kindern wirklich etwas zutraut

Mini-LA wirkt so besonders, weil Kinder hier nicht nur zuschauen oder vorbereitete Stationen abarbeiten. Sie wählen, wechseln Jobs, verdienen Geld, diskutieren und gestalten ihren Tag mit. Genau solche Erfahrungen können Kindern zeigen, dass ihre Entscheidungen etwas bewirken. Auch im Familienalltag gilt schließlich: Verantwortung lernen Kinder vor allem, wenn sie selbst etwas übernehmen dürfen.

Lässt sich das Konzept einfach auf andere Städte übertragen? Die Grundidee ganz sicher. Mini-LA zeigt aber auch, was dafür nötig ist: ein engagiertes Organisationsteam, einen geeigneten Ort, Unterstützung durch die Gemeinde, lokale Partner und vor allem sehr viele freiwillige Helfende. Zur genauen Finanzierung des Projekts macht die Gemeinde auf ihrer Projektseite keine Angaben. Als günstiger Ersatz für reguläre Ferienbetreuung sollte die Kinderstadt deshalb nicht missverstanden werden.

Die vielleicht schönste Botschaft dieser Ferienwoche ist ohnehin eine andere: Wenn Erwachsene für Sicherheit sorgen und dann ein Stück zur Seite treten, können Kinder oft erstaunlich viel selbst. Aus einem Job in der Spielbäckerei, ein paar verdienten Montis und einer gemeinsamen Abstimmung wird so ganz nebenbei eine Lektion fürs Leben.

Quellen: Gemeinde Langenargen, ARD/tagesschau, AGORA-LA zur Bürgermeisterinnenwahl und AGORA-LA zum Abschluss.


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