Pneumokokken kommen besonders bei kleinen Kindern häufig vor. Meist bleibt das unbemerkt. Manchmal lösen die Bakterien jedoch eine Infektion aus, die ärztlich behandelt werden muss.
Ein einzelnes typisches Pneumokokken-Symptom gibt es nicht. Die Beschwerden hängen davon ab, welcher Bereich des Körpers betroffen ist. Hier erfahrt ihr, welche Krankheitszeichen wichtig sind, wann medizinische Hilfe nötig ist und wie die Impfung schützt.
Pneumokokken auf einen Blick
- Erreger: Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae
- Übertragung: über Speichel und Sekrete aus dem Nasen-Rachen-Raum
- Mögliche Erkrankungen: unter anderem Mittelohr-, Lungen- und Hirnhautentzündung sowie Sepsis
- Besonders gefährdet: Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen
- Schutz: die von der STIKO empfohlene Impfserie im Säuglingsalter
- Notfallzeichen: Atemnot, bläuliche Lippen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder eine schnelle Verschlechterung
Was sind Pneumokokken und wie werden sie übertragen?
Der medizinische Name der weltweit verbreiteten Pneumokokken lautet Streptococcus pneumoniae. Es gibt zahlreiche Varianten, die als Serotypen bezeichnet werden.
Viele Menschen tragen Pneumokokken zeitweise im Nasen-Rachen-Raum, ohne krank zu sein. Das kommt besonders bei Kindern häufig vor. Auch beschwerdefreie Personen können die Erreger über Speichel oder Nasen-Rachen-Sekret weitergeben, etwa beim Husten, Niesen oder bei engem Kontakt.
Eine Übertragung führt nicht automatisch zu einer Erkrankung. Ob ein Kind krank wird, hängt unter anderem von seinem Alter, seinem Immunsystem und möglichen Vorerkrankungen ab. Auch nach einer Virusinfektion der Atemwege können sich Pneumokokken leichter ausbreiten.
Wie lange dauert die Inkubationszeit?
Eine einheitliche Inkubationszeit lässt sich für Pneumokokken-Erkrankungen nicht angeben. Bei einer durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündung können die Beschwerden nach etwa ein bis drei Tagen beginnen. Für andere Krankheitsbilder ist nicht zuverlässig bekannt, wie viel Zeit zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden vergeht.
Häufig lässt sich im Nachhinein nicht feststellen, wann oder bei wem sich ein Kind angesteckt hat.
Welche Erkrankungen und Symptome können auftreten?
Pneumokokken können örtlich begrenzte Infektionen und sogenannte invasive Erkrankungen auslösen. Invasiv bedeutet, dass die Bakterien in normalerweise keimfreie Bereiche wie das Blut, das Nervenwasser oder die Gelenkflüssigkeit eindringen.
Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung
Bei Kindern ist die Mittelohrentzündung eine häufige Erkrankungsform. Mögliche Anzeichen sind:
- Ohrenschmerzen
- Fieber
- schlechteres Hören
- Unruhe
- Schlafprobleme
Babys können oft noch nicht zeigen, wo es ihnen wehtut. Manche weinen auffällig viel oder greifen sich häufiger ans Ohr. Dieses Verhalten allein beweist allerdings keine Mittelohrentzündung.
Eine Nasennebenhöhlenentzündung kann unter anderem mit einer verstopften Nase, eitrigem Nasensekret, Druckschmerzen im Gesicht, Kopfschmerzen und Fieber einhergehen.
Lungenentzündung
Bei einer Lungenentzündung können folgende Beschwerden auftreten:
- Fieber
- Husten
- schnelle oder angestrengte Atmung
- Schmerzen im Brustkorb
- ein deutliches Krankheitsgefühl
- Kinder klagen mitunter auch über Bauchschmerzen.
Bei Säuglingen sind die Beschwerden manchmal weniger eindeutig. Sie trinken möglicherweise schlecht, wirken ungewöhnlich still oder atmen schneller als sonst. Beim Atmen können sich die Bereiche zwischen den Rippen oder unterhalb des Brustkorbs sichtbar einziehen.
Hirnhautentzündung und Sepsis
Gelangen Pneumokokken zu den Hirn- und Rückenmarkshäuten, können sie eine bakterielle Hirnhautentzündung verursachen. Dringen die Bakterien in die Blutbahn ein, kann daraus eine Sepsis entstehen. Dabei gerät die Reaktion des Körpers auf die Infektion außer Kontrolle. Lebenswichtige Organe können geschädigt werden.
Ruft sofort die 112, wenn ein Kind:
- deutliche Atemnot oder bläuliche Lippen hat
- schwer weckbar, bewusstlos oder nicht richtig ansprechbar ist
- plötzlich verwirrt wirkt
- einen Krampfanfall bekommt
- hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und eine ausgeprägte Nackensteifigkeit zeigt
- deutliche Kreislaufprobleme entwickelt
- innerhalb kurzer Zeit immer schwerer krank wirkt
Eine ausgeprägte Nackensteifigkeit kann bei älteren Kindern auf eine Hirnhautentzündung hinweisen. Bei Babys zeigt sich die Erkrankung jedoch häufig weniger eindeutig. Ihr Nacken muss trotz einer Hirnhautentzündung nicht steif sein. Achtet bei Säuglingen daher auch auf ungewöhnliche Schläfrigkeit, eine schlaffe Körperhaltung, schrilles Schreien, Trinkverweigerung oder eine vorgewölbte Fontanelle.
Nicht alle Warnzeichen müssen gleichzeitig auftreten. Wartet bei einem schwer kranken Eindruck nicht ab.
Pneumokokken sind nur eine mögliche Ursache einer bakteriellen Hirnhautentzündung oder Sepsis. Auch Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b, kurz Hib, können solche Erkrankungen auslösen.
Wann benötigt ein Kind medizinische Hilfe?
Lasst euer Kind zeitnah untersuchen, wenn es auffällig schnell atmet, schlecht trinkt, starke Schmerzen hat oder ungewöhnlich schlapp wirkt.
Bei Beschwerden ohne akute Notfallzeichen könnt ihr die Kinderarztpraxis kontaktieren. Außerhalb der Sprechzeiten erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Ein Baby unter drei Monaten sollte bereits ab einer rektal gemessenen Temperatur von 38,0 Grad Celsius ärztlich untersucht werden. Weitere Hinweise findet ihr in unserem Ratgeber über Fieber bei Babys und Kindern.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf?
Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kinder in den ersten beiden Lebensjahren. Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem bei bestimmten gesundheitlichen Voraussetzungen. Dazu gehören:
- eine angeborene oder erworbene Immunschwäche
- eine fehlende oder nicht richtig arbeitende Milz
- schwere chronische Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Leber oder der Nieren
- bestimmte Erkrankungen des Nervensystems
- ein Cochlea-Implantat
- eine Liquorfistel, durch die Nervenwasser austreten kann
Ob ein Kind zu einer medizinischen Risikogruppe gehört, sollte die behandelnde Praxis beurteilen.
Wie werden Pneumokokken-Erkrankungen festgestellt und behandelt?
Die Untersuchung richtet sich nach den Beschwerden. Bei Ohrenschmerzen wird unter anderem das Trommelfell untersucht. Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung werden die Lunge abgehört sowie Atmung und Sauerstoffversorgung beurteilt.
Je nach Krankheitsbild können weitere Untersuchungen notwendig sein. Dazu gehören beispielsweise:
- Blutuntersuchungen
- ein Röntgenbild der Lunge
- die Untersuchung von Blut oder Nervenwasser
- die Untersuchung anderer Körperflüssigkeiten
Wird der Erreger nachgewiesen, kann das Labor zusätzlich prüfen, welche Antibiotika wirksam sind.
Ob ein Antibiotikum benötigt wird, hängt von der Erkrankung, dem Alter des Kindes und der Schwere der Beschwerden ab. Eine invasive Pneumokokken-Erkrankung muss sofort mit Antibiotika behandelt werden.
Bei einer Hirnhautentzündung oder Sepsis geschieht das im Krankenhaus, meist direkt über eine Vene. Abhängig vom Zustand des Kindes können weitere Behandlungen nötig sein. Dazu gehören Sauerstoff, Infusionen, eine Unterstützung der Atmung oder eine intensivmedizinische Überwachung.
Welche Folgen kann eine invasive Erkrankung haben?
Viele Kinder erholen sich nach einer rechtzeitigen Behandlung vollständig. Eine Pneumokokken-Hirnhautentzündung kann jedoch beispielsweise zu Hörverlust, Krampfanfällen oder anderen neurologischen Beeinträchtigungen führen. Eine schwere Sepsis kann unterschiedliche Organe schädigen.
Nach einer überstandenen invasiven Erkrankung sind ärztliche Nachkontrollen wichtig. Nach einer Hirnhautentzündung gehört dazu häufig auch eine Überprüfung des Hörvermögens.
Was gilt für Kita und Schule?
Eine Pneumokokken-Erkrankung wird in Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes nicht als eigenständige Krankheit mit einem automatischen Besuchsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen aufgeführt.
Ein erkranktes Kind sollte trotzdem zu Hause bleiben, bis es sich ausreichend erholt hat und wieder am normalen Alltag teilnehmen kann. Bei einer schweren Erkrankung entscheidet die behandelnde Praxis, wann die Rückkehr sinnvoll ist.
Treten in einer Einrichtung mehrere gleichartige schwere Erkrankungen auf, kann das Gesundheitsamt zusätzliche Maßnahmen festlegen.
Sind Pneumokokken meldepflichtig?
Nicht jede Mittelohr- oder Lungenentzündung durch Pneumokokken wird dem Gesundheitsamt gemeldet.
Nach Paragraf 7 des Infektionsschutzgesetzes ist der direkte Erregernachweis bei einer invasiven Pneumokokken-Infektion meldepflichtig. Das betrifft unter anderem Nachweise aus Blut, Nervenwasser oder Gelenkpunktat.
Die Meldung übernimmt normalerweise das untersuchende Labor. Eltern müssen den Erregernachweis nicht selbst beim Gesundheitsamt melden.
Welche Pneumokokken-Impfung empfiehlt die STIKO für Kinder?
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für alle Säuglinge. Reif geborene Babys sollen drei Impfungen erhalten:
- erste Impfung: im Alter von 2 Monaten
- zweite Impfung: im Alter von 4 Monaten
- dritte Impfung: im Alter von 11 Monaten
Zwischen der zweiten und dritten Dosis muss ein Abstand von mindestens sechs Monaten eingehalten werden.
Für Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, gilt ein 3+1-Schema. Sie erhalten jeweils eine Dosis im Alter von:
- 2 Monaten
- 3 Monaten
- 4 Monaten
- 11 Monaten
Für die Grundimmunisierung von Säuglingen empfiehlt die STIKO derzeit die Konjugatimpfstoffe PCV13 oder PCV15. Die Zahlen geben an, gegen wie viele Pneumokokken-Serotypen der jeweilige Impfstoff gerichtet ist.
Können versäumte Pneumokokken-Impfungen nachgeholt werden?
Wie viele Dosen ein Kind bei einem verspäteten Impfstart benötigt, hängt von seinem Alter und den bereits erhaltenen Impfungen ab.
Ungeimpfte Kinder im Alter von 12 bis 23 Monaten sollen zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens acht Wochen erhalten.
Bei gesunden Kindern wird eine Nachholimpfung ab dem zweiten Geburtstag normalerweise nicht mehr allgemein empfohlen. Kinder mit bestimmten Risikofaktoren benötigen dagegen möglicherweise auch später noch eine Impfung.
Den individuellen Impfbedarf sollte die Kinderarztpraxis anhand des Impfpasses und der gesundheitlichen Situation prüfen.
Welche Empfehlung gilt für Kinder mit erhöhtem Risiko?
Für Kinder und Jugendliche von 2 bis einschließlich 17 Jahren mit erhöhtem Risiko empfiehlt die STIKO den Konjugatimpfstoff PCV20.
Der nötige Abstand zu früheren Pneumokokken-Impfungen hängt von den bereits verwendeten Impfstoffen ab. Das sollte individuell in der behandelnden Praxis geklärt werden.
Welche Impfreaktionen können auftreten?
Nach der Impfung kann die Einstichstelle vorübergehend schmerzen, gerötet oder geschwollen sein. Manche Kinder reagieren außerdem mit:
- Fieber
- Müdigkeit oder Schläfrigkeit
- unruhigem Schlaf
- weniger Appetit
- leichten Magen-Darm-Beschwerden
Diese Reaktionen klingen gewöhnlich innerhalb von ein bis drei Tagen wieder ab. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Bei ungewöhnlich starken oder anhaltenden Beschwerden solltet ihr ärztlichen Rat einholen.
Kann ein geimpftes Kind trotzdem erkranken?
Ja. Die Impfstoffe schützen vor einer bestimmten Auswahl besonders wichtiger Pneumokokken-Serotypen.
Da mehr als 100 Varianten bekannt sind, kann die Impfung nicht jede Pneumokokken-Erkrankung verhindern. Sie senkt jedoch das Risiko, durch die abgedeckten Serotypen schwer zu erkranken.
Auch eine überstandene Infektion schützt nicht zuverlässig vor allen Varianten. Eine spätere Pneumokokken-Erkrankung ist deshalb grundsätzlich möglich.
Quellen
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber zu invasiven Pneumokokken-Infektionen, aktualisiert im Februar 2026
- Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission 2026
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Pneumokokken-Impfung bei Kindern
- gesund.bund.de: Sepsis
- Centers for Disease Control and Prevention: Pneumokokken – Krankheitsbilder und Symptome
- Infektionsschutzgesetz: Paragraf 7 – meldepflichtige Erregernachweise
- Infektionsschutzgesetz: Paragraf 34 – Gemeinschaftseinrichtungen
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