FSME, Borreliose & Co – Zecken als Krankheitsüberträger Wie beugt man einem Zeckenbiss vor - und wie wird man die Sauger wieder los?

Gefahr durch Zecken
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Sommer, Sonnenschein, ein Ausflug ins Grüne. Was kann man sich Schöneres vorstellen, als den Tag mit Kind und Kegel in der Natur zu verbringen? Um sich den sommerlichen Freizeitspaß nicht verderben zu lassen, sollte man jedoch auch auf Zecken vorbereitet sein. Denn diese blutsaugenden Parasiten sind nicht einfach nur lästig, sondern auch Überträger von gefährlichen Krankheitserregern.

Sommerzeit ist auch Zeckenzeit!

Kinder auf einer Sommerwiese
Nach einem tollen Tag in der Natur sollten Kinder gründlich nach den kleinen Blutsaugern abgesucht werden … (Bild: © Robert Kneschke / Fotolia)

Wenn endlich der Sommer kommt, gibt es unzählige Möglichkeiten, den Tag mit der Familie im Freien zu verbringen. Egal ob ein Picknick im Stadtpark, ein Ausflug an den Badesee oder eine Fahrradtour durch den Wald – unter freiem Himmel gibt es für Kinder jeder Altersklasse etwas zu entdecken und für Eltern die Gelegenheit, vom stressigen Alltag abzuschalten.

Dennoch ist auch beim verlockendsten Ausflug Vorsicht geboten. Denn mit dem schönen Wetter sind auch Zecken wieder im Anmarsch und warten auf die beste Gelegenheit, sich einen Wirt zu suchen und zuzustechen. Gerade Kinder sind häufig von Zeckenstichen (umgangssprachlich als Zeckenbisse bekannt) betroffen, weil sie unbekümmert durch den Wald rennen, sich im Gestrüpp verstecken oder über die Wiese krabbeln.

Dabei sind Zecken nicht einfach nur unangenehm und lästig, sondern können während des Blutsaugens auch verschiedene Krankheiten übertragen. Hierzulande ist vor allem die Übertragung von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borreliose ein Problem, aber auch die Erreger des Q-Fiebers (Coxiella burnetii) und parasitäre Babesien (Babesia canis canis) können in seltenen Fällen von Zecken auf den Menschen übertragen werden.

Borreliose-Erreger sind in Deutschland weit verbreitet

Das Erregerbakterium der Lyme-Borreliose (Borellia burgdorferi) wird durch Zecken, insbesondere durch den Gemeinen Holzbock, auf Menschen, aber auch auf verschiedene andere Säugetiere und Vögel übertragen. Es kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre, zum Beispiel in Deutschland, den USA oder Russland, vor. Laut Robert Koch Institut kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland bis zu 35% der Zecken Überträger des Erregers sind. Tatsächlich kommt es allerdings nur nach 0,3 bis 1,4% aller Zeckenstiche zu einer tatsächlichen, manifesten Erkrankung mit Borreliose.

Die Lyme-Borreliose ist eine Multisystemerkrankung, das heißt, dass sich die Erkrankung auf verschiedene Organe (vor allem Haut, Nervensystem und Gelenke) auswirkt und sich dabei durch vielfältige Symptome äußert. Es kann unter anderem zu Muskelschmerzen, Lähmungen oder Arthritis kommen.

Eine Infektion mit dem Erreger ist meist nach wenigen Tagen bis Wochen an der Stelle des Zeckenstichs zu erkennen. Hier entsteht rund um die Einstichstelle ein scharf abgegrenztes Erythem, also eine Hautrötung, die durch die Infektion und eine verstärkte Durchblutung  der Haut entsteht. Dieses Erythem verursacht keine Schmerzen und breitet sich mit der Zeit kreisrund aus. In diesem frühen Stadium können auch erste Symptome wie Fieber, Kopfschmerz oder Lymphknotenschwellungen auftreten. Da die typischen Hautrötungen meist leicht zu erkennen und ein eindeutiges Zeichen für Borreliose sind, sollte die Stelle des Einstichs gut beobachtet werden und gegebenenfalls ein Arzt aufgesucht werden.

Eine FSME-Infektion kann schwere Folgen haben

Eine Infektion mit dem Virus führt bei etwa einem Drittel der Betroffenen zu klinischen Symptomen. Diese treten gewöhnlich ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich auf und äußern sich zunächst durch Fieber, Kopfschmerz oder Erbrechen. Im weiteren Verlauf kann es zu neurologischen Beeinträchtigungen, epileptischen Anfällen, Empfindungsstörungen, Starre (Stupor) oder sogar Koma kommen. Bei ersten Anzeichen einer FSME-Erkrankung sollte daher dringend ein Arzt aufgesucht werden. Dabei ist FSME nur symptomatisch behandelbar, die virale Erkrankung selbst kann nicht therapiert werden.

Umso wichtiger ist daher die geeignete Prophylaxe. Eine Impfung gegen FSME verhindert eine Infektion mit dem Erreger und ist besonders in FSME-Risikogebieten empfehlenswert. Gerade bei der Impfung von Kindern sollte jedoch der Risiko-/Nutzenfaktor aufgrund der möglichen Impfnebenwirkungen vorher mit einem Arzt besprochen werden.

Zeckenstichen vorbeugen und im Akutfall richtig handeln

Um einem Zeckenstich von vornherein vorzubeugen, empfiehlt es sich, im Freien helle und lange Kleidung zu tragen. Hier lassen sich die kleinen, schwarzen Parasiten leichter erkennen und gegebenenfalls schon vor einem Stich entfernen. Gerade wenn Kinder in hohem Gras oder Sträuchern spielen, lohnt sich eine anschließende Kontrolle der Haut und Kleidung nach umher krabbelnden Zecken. Auch geeignete Insektenrepellents beispielsweise mit dem Wirktsoff DEET, Icaridin oder Citriodiol können vor einem Zeckenbefall schützen. Insbesondere bei kleinen Kindern sollten dabei unbedingt die Anwendungshinweise beachtet werden.

Ist es allerdings zu spät und eine Zecke hat sich bereits festgesaugt, sollte der Parasit umgehend entfernt werden. Hierfür gibt es speziell entwickelte Zeckeninstrumente, doch auch die Entfernung mit einer normalen Pinzette ist notfalls möglich. Die Zecke sollte möglichst komplett und am Stück entfernt werden. Dafür muss der Parasit nahe der Mundwerkzeuge (niemals am vollgesogenen Körper) langsam herausgezogen werden.

Entfernung: Ein Drehen der Zecke ist ebenso wenig ratsam wie das früher empfohlene beträufeln mit Öl oder Klebstoff. Darüber hinaus ist es ratsam, die Einstichstelle im Anschluss gründlich zu desinfizieren.

Um für den Fall einer Krankheitsübertragung vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich darüber hinaus, das Datum und die genaue Einstichstelle im Kalender zu vermerken. Die Stelle des Zeckenstichs sollte im Folgenden regelmäßig kontrolliert werden, um die Anzeichen einer Borreliose schnell zu erkennen. Treten spezifische oder unbestimmte Krankheitssymptome auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Trotz Zecken und anderer Plagegeister wie Stechmücken oder Bremsen, sollte man sich den Familienausflug ins Freie nicht verderben lassen. Dafür ist ein entspannter, gemeinsamer Sommertag in der Natur einfach viel zu schön. Durch eine geeignete Vorsorge lässt sich ein Zeckenbiss oft schon im Vorhinein verhindern.

 


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