Eine Zecke am Kind sorgt schnell für Unruhe. In den meisten Fällen bleibt der Stich ohne Folgen. Trotzdem sollte die Zecke zügig entfernt und die Hautstelle in den nächsten Wochen beobachtet werden. Denn Zecken können sowohl Borreliose-Bakterien als auch FSME-Viren übertragen.
FSME und Borreliose werden oft in einem Atemzug genannt. Es sind aber zwei unterschiedliche Erkrankungen. Sie werden anders behandelt, kommen nicht in denselben Gebieten gleich häufig vor und nur gegen eine von beiden gibt es eine Impfung. Hier erfahrt ihr, worauf es nach einem Zeckenstich wirklich ankommt.
FSME und Borreliose auf einen Blick
- Borreliose wird durch Bakterien verursacht und kann überall in Deutschland übertragen werden.
- FSME wird durch Viren verursacht. Das Risiko ist vor allem in ausgewiesenen FSME-Risikogebieten erhöht.
- Gegen FSME gibt es eine Impfung. Gegen Borreliose steht in Europa keine Impfung zur Verfügung.
- Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden. Gegen FSME gibt es keine gezielte Behandlung.
- Entfernt eine Zecke möglichst schnell und beobachtet anschließend die Stichstelle und den Allgemeinzustand eures Kindes.
Wo können Kinder Zecken bekommen?
Zecken sitzen nicht nur im Wald. Sie kommen auch in Gärten, Parks, auf Wiesen, im hohen Gras, in Gebüschen und im Laub vor.
Dort warten sie auf Tiere oder Menschen, von denen sie im Vorbeigehen abgestreift werden. Sie springen nicht und lassen sich nicht von Bäumen fallen. Auf Kleidung oder Haut suchen sie häufig noch eine Weile nach einer geschützten Stelle.
Bei Kindern findet man Zecken besonders häufig am Kopf und Haaransatz, hinter den Ohren, am Hals, unter den Armen, am Bauchnabel, in der Leistengegend und in den Kniekehlen. Kontrolliert nach einem Aufenthalt im Grünen deshalb nicht nur Arme und Beine.
Was ist der Unterschied zwischen FSME und Borreliose?
FSME ist eine Virusinfektion. Borreliose wird durch Bakterien ausgelöst. Dieser Unterschied entscheidet über Vorbeugung und Behandlung.
| FSME | Borreliose | |
|---|---|---|
| Erreger | Viren | Bakterien |
| Vorkommen | vor allem in ausgewiesenen Risikogebieten | in ganz Deutschland möglich |
| Übertragung | kann schon früh beim Saugen erfolgen | Risiko steigt mit der Saugdauer |
| Behandlung | Beschwerden werden behandelt | Antibiotika |
| Impfung | vorhanden | in Europa nicht vorhanden |
| Ansteckung von Mensch zu Mensch | nein | nein |
Die FSME-Impfung schützt nicht vor Borreliose. Umgekehrt verhindert das schnelle Entfernen einer Zecke eine FSME-Infektion nicht sicher, weil die Viren bereits zu Beginn des Saugvorgangs übertragen werden können. Für den Schutz vor Borreliose ist rasches Handeln besonders wichtig.
Wie entfernt man eine Zecke beim Kind richtig?
Entfernt die Zecke so bald wie möglich. Wartet nicht auf einen Arzttermin, wenn ihr sie selbst sicher greifen könnt.
- Nehmt eine feine Pinzette, Zeckenzange, Zeckenkarte oder ein anderes geeignetes Zeckenwerkzeug.
- Greift die Zecke möglichst nah an der Haut im Bereich ihrer Mundwerkzeuge.
- Zieht sie langsam und möglichst gerade aus der Haut. Vermeidet es, den Körper der Zecke zu quetschen.
- Desinfiziert die kleine Stichstelle anschließend.
- Notiert das Datum und die Körperstelle. Ein Foto kann helfen, spätere Veränderungen zu vergleichen.
Bitte nicht mit Öl, Klebstoff, Creme, Alkohol oder anderen Hausmitteln beträufeln. Solche Mittel töten die Zecke nicht zuverlässig ab und können die Abgabe von Erregern begünstigen.
Für Ausflüge und Reisen ist ein kleines Zeckenwerkzeug eine sinnvolle Ergänzung. Weitere praktische Dinge findet ihr in unserer Übersicht zur Reiseapotheke für Babys und Kinder.
Was tun, wenn ein Teil der Zecke stecken bleibt?
Bleibt ein kleiner Rest in der Haut, ist das meist kein Notfall. Dabei handelt es sich normalerweise um Teile der Mundwerkzeuge und nicht um einen vollständigen „Zeckenkopf“.
Die Haut kann den Rest wie einen kleinen Fremdkörper abstoßen. Versucht nicht, mit einer Nadel tief in der Haut zu bohren. Lasst die Stelle ärztlich anschauen, wenn sie sich deutlich entzündet, schmerzt oder ihr unsicher seid. Zurückgebliebene Teile erhöhen nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit das Borreliose-Risiko nicht.
Welche Rötung ist nach einem Zeckenstich normal?
Eine kleine Rötung direkt nach dem Entfernen kann eine normale Reaktion der Haut sein. Verdächtig wird es, wenn sich die Rötung nach einigen Tagen vergrößert und nach außen wandert.
Diese sogenannte Wanderröte kann wenige Tage bis mehrere Wochen nach dem Stich entstehen. Häufig ist sie größer als fünf Zentimeter und in der Mitte blasser. Sie muss aber nicht immer wie ein perfekter roter Ring aussehen. Markiert den Rand nicht mit einem Stift auf gereizter Haut, sondern macht lieber täglich ein Foto bei ähnlichem Licht.
Eine sich ausbreitende Rötung sollte zeitnah ärztlich beurteilt werden. Das gilt auch, wenn ihr euch an keinen Zeckenstich erinnert. Eine typische Wanderröte kann ärztlich meist anhand ihres Aussehens erkannt und direkt behandelt werden.
Welche Symptome kann Borreliose bei Kindern verursachen?
Das häufigste erkennbare Frühzeichen ist die Wanderröte. Zusätzlich oder unabhängig davon können Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten.
Unbehandelt können Borrelien später das Nervensystem, die Gelenke und sehr selten das Herz betreffen. Bei Kindern kann eine Neuroborreliose unter anderem starke Kopfschmerzen oder eine plötzlich einseitig hängende Gesichtshälfte verursachen. Auch ein deutlich geschwollenes Knie ohne passende Verletzung sollte ärztlich abgeklärt werden.
- sich vergrößernde Hautrötung
- Fieber und ausgeprägte Müdigkeit
- Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen
- starke Kopfschmerzen oder Nackenbeschwerden
- eine plötzlich auftretende Gesichtslähmung
- wiederkehrende Schwellung eines großen Gelenks, besonders am Knie
Bei Fieber hilft euch unser Ratgeber Fieber bei Babys und Kindern bei der ersten Einschätzung. Nach einem Zeckenstich sollte Fieber aber nicht nur zu Hause beobachtet werden, wenn weitere auffällige Beschwerden hinzukommen.
Wie wird Borreliose festgestellt und behandelt?
Eine frühe Borreliose lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Welche Behandlung nötig ist, hängt von den Beschwerden, dem Alter des Kindes und dem betroffenen Organsystem ab.
Ein Bluttest direkt nach einem Zeckenstich ist nicht sinnvoll, weil Antikörper erst mit Verzögerung entstehen. Eine typische Wanderröte wird deshalb anhand des Hautbildes beurteilt. Bei anderen Beschwerden entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob Blut, Nervenwasser oder weitere Untersuchungen nötig sind.
Ohne Krankheitszeichen werden nach einem Zeckenstich normalerweise keine vorbeugenden Antibiotika gegeben. Auch eine überstandene Borreliose schützt nicht vor einer erneuten Infektion.
Welche Symptome kann FSME bei Kindern verursachen?
Die meisten FSME-Infektionen verursachen keine Beschwerden. Wenn Kinder erkranken, beginnt FSME häufig mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen, Schwindel und einem allgemeinen Krankheitsgefühl.
Die ersten Beschwerden können wie ein gewöhnlicher Infekt wirken. Unser Vergleich Grippe, Erkältung oder grippaler Infekt erklärt die Begriffe. Bei vielen Betroffenen ist die FSME-Erkrankung nach dieser ersten Phase vorbei.
Bei einem Teil folgt nach einigen beschwerdefreien Tagen eine zweite Phase. Dann können sich die Hirnhäute, das Gehirn oder das Rückenmark entzünden. Mögliche Warnzeichen sind erneut hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Erbrechen, ausgeprägte Schläfrigkeit, Krampfanfälle oder Lähmungen.
Eine Hirnhautentzündung wird medizinisch Meningitis genannt. Das Wort beschreibt die Entzündung, nicht ihren Auslöser. Bei FSME sind Viren die Ursache. In unserem Beitrag über Meningokokken bei Kindern erklären wir eine andere, bakterielle Ursache für eine Meningitis.
FSME verläuft bei jüngeren Kindern meist leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Schwere Verläufe und länger anhaltende Folgen sind aber auch im Kindesalter möglich. Eine gezielte Behandlung gegen das Virus gibt es nicht. Ärztinnen und Ärzte behandeln die Beschwerden und überwachen schwere Verläufe im Krankenhaus.
Wann muss ein Kind nach einem Zeckenstich zum Arzt?
Lasst euer Kind zeitnah untersuchen, wenn sich die Hautrötung ausbreitet oder in den Tagen und Wochen nach dem Stich neue Beschwerden auftreten.
Ärztliche Hilfe ist besonders wichtig bei:
- einer größer werdenden oder wandernden Rötung
- Fieber, starken Kopf- oder Gliederschmerzen nach einem Zeckenstich
- Nackensteifigkeit oder wiederholtem Erbrechen
- einer plötzlich hängenden Gesichtshälfte
- ungeklärten Lähmungen, Gefühlsstörungen oder einem Krampfanfall
- starker Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
Bei Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Atemproblemen oder einem lebensbedrohlich wirkenden Zustand ruft ihr sofort die 112.
Wo liegen die FSME-Risikogebiete?
Das FSME-Risiko ist in Deutschland regional unterschiedlich. Das Robert Koch-Institut weist die Risikogebiete jedes Frühjahr neu aus.
Stand 2026 gelten 185 Kreise als FSME-Risikogebiete. Sie liegen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und im östlichen Sachsen-Anhalt. Einzelne Risikogebiete gibt es außerdem in weiteren Bundesländern.
Die Einstufung bedeutet nicht, dass jede Zecke dort FSME-Viren trägt. Umgekehrt sind einzelne Infektionen auch außerhalb der ausgewiesenen Gebiete möglich. Prüft deshalb vor Reisen immer die aktuelle FSME-Karte des Robert Koch-Instituts.
Für welche Kinder wird die FSME-Impfung empfohlen?
Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung für Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort aufhalten und mit Zecken in Kontakt kommen können.
Das betrifft auch Kinder, die häufig draußen spielen, im Garten sind, campen oder wandern. Eine Empfehlung kann außerdem für Reisen in Risikogebiete im Ausland bestehen. Kinder können ab dem ersten Geburtstag geimpft werden.
Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen nötig. Die genauen Abstände hängen vom verwendeten Impfstoff ab. Wenn eine Reise kurzfristig ansteht, kann unter Umständen ein Schnellschema infrage kommen. Für einen länger anhaltenden Schutz sind später Auffrischungen erforderlich.
Bei Kindern unter drei Jahren kann nach der Impfung häufiger Fieber auftreten. Besprecht in diesem Alter mit der Kinderarztpraxis, wie hoch das tatsächliche Risiko ist. Wichtig bleibt: Die Impfung schützt nicht vor Borreliose. Auch geimpfte Kinder sollten nach dem Aufenthalt im Freien gründlich nach Zecken abgesucht werden.
Gut zu wissen: Eine Impfung nach einem bereits erfolgten Zeckenstich kann eine mögliche FSME-Infektion durch diesen Stich sehr wahrscheinlich nicht mehr verhindern. Besteht auch künftig ein Risiko, kann der Aufbau des Impfschutzes trotzdem sinnvoll sein.
Wie lassen sich Zeckenstiche bei Kindern vermeiden?
Kein einzelner Schutz ist perfekt. Mehrere einfache Maßnahmen senken das Risiko aber deutlich.
- lange Hosen, lange Ärmel und geschlossene Schuhe tragen
- Hosenbeine in die Socken stecken
- helle Kleidung wählen, auf der Zecken leichter zu sehen sind
- geeignete Zeckenschutzmittel nach Altersangabe und Herstellerhinweisen verwenden
- nach dem Spielen im Grünen Kleidung und Körper absuchen
- auch Kopf, Haaransatz, Ohren, Achseln, Bauchnabel, Leisten und Kniekehlen kontrollieren
- getragene Kleidung ausschütteln und kontrollieren
Schaut bei dieser Gelegenheit auch in den Impfpass. Unser Beitrag über Tetanus bei Kindern erklärt, warum ein aktueller Wundschutz grundsätzlich wichtig ist.
Darf ein Kind nach einem Zeckenstich in die Kita oder Schule?
Ein Zeckenstich allein ist kein Grund, zu Hause zu bleiben. Auch FSME und Borreliose werden normalerweise nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Fühlt sich euer Kind gut, kann es die Einrichtung besuchen. Bei Fieber oder anderen deutlichen Beschwerden sollte es zu Hause bleiben und ärztlich abgeklärt werden. Für die Rückkehr gelten dann der Gesundheitszustand und die ärztliche Einschätzung.
Fazit: Ruhig bleiben, Zecke entfernen und gut beobachten
Eine entdeckte Zecke sollte zügig entfernt werden. Danach reicht es meist, die Stelle und den Allgemeinzustand des Kindes aufmerksam im Blick zu behalten.
Eine wachsende Hautrötung, Fieber, starke Kopfschmerzen, eine Gesichtslähmung oder neurologische Auffälligkeiten gehören ärztlich abgeklärt. Wer in einem FSME-Risikogebiet lebt oder dorthin reist, sollte den Impfschutz frühzeitig mit der Kinderarztpraxis besprechen.
Der beste Alltagsschutz besteht aus drei Schritten: Zeckenstiche möglichst vermeiden, den Körper nach Aufenthalten im Grünen gründlich absuchen und gefundene Zecken sofort entfernen.
Quellen
Wir hoffen sehr, dass dir unser Artikel gefallen hat. Vielleicht hat er dir geholfen, eine Frage zu beantworten. Oder er hat dich nachdenklich, traurig oder fröhlich gestimmt. Wir freuen uns jederzeit über deine Rückmeldung oder Anregung per Kommentar, Email oder Social-Media. Gerne kannst du uns auf Facebook, Pinterest oder Flipboard folgen. Wir freuen uns auch dich! 🤗
Wichtiger Hinweis zu Gesundheits-Themen:
Wir recherchieren und prüfen unsere Beiträge intensiv und sorgfältig. Dabei nutzen wir ausschließlich vertrauenswürdige Quellen. Trotzdem seid euch bitte bewusst, dass letztlich weder gute Ratschläge oder Informationen, eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal ersetzen können. In akuten medizinischen Situationen, oder bei Verdacht darauf, wendet euch bitte an einen Arzt / eine Ärztin, an eure Hebamme / euren Entbindungspfleger, oder an eure Apothekerin / euren Apotheker des Vertrauens, damit man euch ganz individuell unterstützen kann.