Startseite » Beitragsarchiv » Gesundheit » Zu jung für diese Diagnose? Jennifer spricht über Eierstockkrebs mit 35

Zu jung für diese Diagnose? Jennifer spricht über Eierstockkrebs mit 35

Zu jung für diese Diagnose? Jennifer spricht über Eierstockkrebs mit 35

Nur etwa ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter erhält Jennifer die Diagnose, die ihr Leben von einem Moment auf den anderen verändert: fortgeschrittener Eierstockkrebs. Lange fühlte sie sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Heute setzt sie sich für Aufklärung über die „stille Erkrankung“ ein und möchte mit ihrer Geschichte anderen Frauen Mut machen – mehr dazu erfährst Du im Interview.


Jacqueline: Du warst erst 35 Jahre alt, als bei Dir Eierstockkrebs festgestellt wurde. Wann hast Du zum ersten Mal gespürt, dass etwas nicht stimmt?

Jennifer: Im Juni 2022 brachte ich meine Tochter zur Welt. Kurz danach traten immer wieder Unterleibsschmerzen auf, die zunächst als Folgen der Geburt abgetan wurden. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass „etwas“ in meinem Unterleib wächst. Im November wurde dann erstmals Bauchwasser im Ultraschall festgestellt, doch auch das wurde von meiner Gynäkologin als harmlos eingeordnet.

Jacqueline: Welche Beschwerden hattest Du damals und warum wurden diese zunächst nicht als Warnzeichen erkannt?

Jennifer: Ich vermute, dass mein Alter eine Rolle spielte und ich deshalb nicht ernst genommen wurde. Das war sehr belastend und hat dazu geführt, dass ich mich und meine Wahrnehmung infrage gestellt habe. Die Beschwerden begannen damals mit Unterleibsschmerzen, später kamen Rückenschmerzen, starker Harndrang, Bauchschmerzen und ausbleibende Periode hinzu. Bereits im November war im Ultraschall Bauchwasser zu sehen, auch auffällige Eierstöcke wurden festgestellt. Dennoch wurden die Symptome zunächst als Folgen von Geburt, PCO-Syndrom oder einer möglichen Entzündung eingeordnet.

Im Sommer tastete ich dann einen schmerzhaften Knoten am Bauch, fühlte mich zunehmend erschöpft und bekam schließlich Fieber sowie starke Schmerzen im Leberbereich. Doch auch der Rettungsdienst, den mein Mann gerufen hatte, riet mir bloß, mich auszuruhen und nochmal zum Hausarzt zu gehen. Dort wurde ich diesmal von einer anderen Ärztin untersucht, die im Ultraschall etwas Auffälliges sah. Sie überwies mich umgehend ins Krankenhaus. Dort erhielt ich dann die Diagnose Eierstockkrebs im Endstadium.

Jacqueline: Wie hast Du den Moment der Diagnose erlebt?

Jennifer: Zunächst war ich erstaunlich gefasst. Ich dachte, man würde einfach den betroffenen Eierstock entfernen, und dann wäre alles vorbei. Als der Arzt mir sagte, dass es so nicht sei, ahnte ich bereits, was das bedeutete. Bei den Ultraschalluntersuchungen waren viele vergrößerte Lymphknoten zu sehen, daher war mir klar, dass der Krebs gestreut hatte. Mein Mann war mit unserer einjährigen Tochter noch im Zimmer. Ich schickte beide nach Hause, aß erst einmal zu Mittag und sortierte meine Gedanken. Danach fragte ich meinen Arzt, ob ich daran sterben werde. Er antwortete nicht, doch ich sah den Schmerz in seinen Augen – und brach daraufhin zusammen.

Als ich verstand, dass die Erkrankung nicht mehr heilbar ist und meine Überlebenschancen gering sind, war das für mich ein K.-o.-Schlag. Ich dachte an meine Tochter, die womöglich ohne Mutter aufwachsen müsste. Dieser seelische Schmerz war unerträglich. Deshalb suchte ich nach anderen jungen Menschen mit ähnlichem Schicksal – und fand sie. Menschen, die mit einer Endstadium-Diagnose noch viele Jahre lebten oder noch leben. Das gab mir Hoffnung und nahm mir einen großen Teil meines Schmerzes.

Jacqueline: Wie war die Therapie für Dich?

Jennifer: Die Operation war für meinen Körper sehr belastend, da viele Metastasen, etwa an Blase, Darm, Leber und Bauchmuskel, entfernt werden mussten. Nur vier Wochen später begann bereits die Chemotherapie, die für mich sehr schwer war, und vor allem mit starken Schmerzen verbunden war. Mental musste ich über mich hinauswachsen, entwickelte eigene Strategien und konnte die vierte Gabe schließlich etwas besser verkraften. Danach folgten zwei Erhaltungstherapien, eine davon nehme ich noch heute.

Auch im Alltag mit meiner Tochter war vieles anfangs kaum möglich: Nach der OP durfte ich sie nicht hochheben und Bewegung fiel mir schwer. Ein weinendes Kind nicht trösten zu können, hat mich oft sehr belastet. Gleichzeitig war meine Tochter in dieser Zeit mein größter Halt.

Jacqueline: Heute bist Du krebsfrei, aber die Angst vor einem Rückfall bleibt. Wie gehst Du damit im Alltag um?

Jennifer: Die Unsicherheit rückt für mich immer mehr in den Hintergrund. Mein Fokus liegt darauf, zu leben und meiner Tochter ein normales Leben zu ermöglichen. Am Anfang habe ich oft sogar überlegt, ob sich noch kleine Anschaffungen lohnen. Heute plane ich meist nicht weiter als sechs Monate im Voraus, und auch Urlaube bleiben für mich eine Herausforderung. Dennoch führe ich ein glückliches und erfülltes Leben und bin dankbar für jeden Tag mit meinem Kind.

Jacqueline: Warum hast Du Dich entschieden mit Deiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen?

Jennifer: Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen – so, wie mir die Geschichten anderer geholfen haben. Auch mit oder nach Krebs kann das Leben erfüllend sein. Damals fühlte ich mich sehr allein, erst der Austausch mit anderen gab mir Halt. Deshalb empfehle ich Selbsthilfegruppen und Angebote für junge Krebspatientinnen.

Gleichzeitig möchte ich Ärztinnen und Ärzte sensibilisieren: Auch junge Menschen können schwer erkranken. Bei anhaltenden Beschwerden sollte genauer hingeschaut werden. Frauen würde ich raten, auf ihr Körpergefühl zu hören und sich im Zweifel eine zweite Meinung einzuholen.

Weitere Informationen rund um das Thema Eierstockkrebs findest Du auf www.wegweiser-eierstockkrebs.de


Wir hoffen sehr, dass dir unser Artikel gefallen hat. Vielleicht hat er dir geholfen, eine Frage zu beantworten. Oder er hat dich nachdenklich, traurig oder fröhlich gestimmt. Wir freuen uns jederzeit über deine Rückmeldung oder Anregung per Kommentar, Email oder Social-Media. Gerne kannst du uns auf Facebook, Pinterest oder Flipboard folgen. Wir freuen uns auch dich! 🤗

Wichtiger Hinweis zu Gesundheits-Themen:

Wir recherchieren und prüfen unsere Beiträge intensiv und sorgfältig. Dabei nutzen wir ausschließlich vertrauenswürdige Quellen. Trotzdem seid euch bitte bewusst, dass letztlich weder gute Ratschläge oder Informationen, eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal ersetzen können. In akuten medizinischen Situationen, oder bei Verdacht darauf, wendet euch bitte an einen Arzt / eine Ärztin, an eure Hebamme / euren Entbindungspfleger, oder an eure Apothekerin / euren Apotheker des Vertrauens, damit man euch ganz individuell unterstützen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen