In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.000 Frauen an Eierstockkrebs – doch über Symptome und Risikofaktoren wissen viele nicht Bescheid.1 Worauf Frauen achten sollten und wann ärztliche Abklärung ratsam ist, erfahrt ihr im Beitrag.
Eierstockkrebs – die stille Erkrankung
Völlegefühl, allgemeine Müdigkeit oder häufiges Wasserlassen – diese Symptome kennen viele Frauen. Doch dass die alltäglich wirkenden Beschwerden Symptome von Eierstockkrebs sein können, vermuten die wenigsten. Das hat zur Folge, dass die Erkrankung häufig erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird.
Gerade deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen: „Eierstockkrebs verursacht lange Zeit keine eindeutigen Symptome, sondern eher unspezifische Beschwerden, die auch mit anderen Dingen im Leben verbunden sein können. Umso wichtiger ist es, diesen eher harmlos anmutenden Symptomen nachzugehen, insbesondere dann, wenn sie längere Zeit bestehen bleiben“, bestätigt Prof. Dr. Beyhan Ataseven.
Prof. Dr. Beyhan Ataseven ist Direktorin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Bielefeld am Klinikum Lippe/Detmold. Als Gynäkologin mit onkologischem Schwerpunkt ist sie vor allem in der Behandlung von Frauen-Krebserkrankungen wissenschaftlich und klinisch tätig.
Warnzeichen kennen – auch im jungen Alter
„Zum Hintergrund muss man beim Eierstockkrebs wissen, dass in den allermeisten Fällen, also bei gut 85 bis 90 %, Frauen über 50 Jahre betroffen sind. Das heißt: Es ist zunächst nicht das Wahrscheinlichste, dass man bei jungen Frauen von Eierstockkrebs ausgehen muss, wenn entsprechende Beschwerden auftreten“, erklärt Prof. Ataseven.
Doch obwohl das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, mit dem Alter steigt, sollten auch jüngere Frauen die möglichen Warnzeichen kennen – denn etwa jede 10. Betroffene ist unter 45 Jahre alt.
So war es auch bei Jennifer, die mit 35 Jahren die Diagnose Eierstockkrebs erhielt. „Bei Jennifer war es so, dass die Beschwerden in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Entbindung standen. Deshalb lag die Vermutung näher, dass es sich bei ihr eher um Beschwerden im Zusammenhang mit der Rückbildung, mit Verdauungsproblemen oder auch mit hormonellen Veränderungen handeln könnte“, erinnert sich die Expertin.
Umso wichtiger ist es, auf Warnzeichen zu achten und Beschwerden rechtzeitig fachärztlich abklären zu lassen. Diese Beschwerden sollten ernst genommen werden, insbesondere dann, wenn sie über Wochen oder gar Monate anhalten:
- Verdauungsbeschwerden (z. B. anhaltendes Völlegefühl, Blähungen)
- Verstopfung
- Zunahme des Bauchumfangs
- Unerklärliche Gewichtsabnahme
- Blutungen außerhalb der Regel oder Blutungen nach den Wechseljahren
- Anhaltende Schmerzen im Becken/Unterleib
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Häufiges Wasserlassen
- Allgemeine Müdigkeit/Erschöpfung
Jennifer war 35 Jahre alt, als die Diagnose Eierstockkrebs ihre Welt erschütterte. Lest hier ihre Geschichte.
Was tun, wenn Beschwerden nicht ernst genommen werden
Viele Frauen haben schon erlebt, dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden oder sie sich mehrfach an Ärzte wenden mussten, um Beschwerden abklären zu lassen.
Hier empfiehlt Prof. Ataseven: „Wenn die betreuenden Haus- oder Frauenärzte dem Ganzen nicht weiter nachgehen können oder wollen, kann man sich selbstverständlich eine zweite Meinung einholen. Wichtig ist auch, sich in dieser Zeit selbst noch einmal zu vergegenwärtigen: Hängen die Symptome mit einer bestimmten Situation zusammen? Treten sie nach einer bestimmten Nahrungsaufnahme auf? Könnte es damit zu tun haben? Oder sind sie ganz unabhängig davon, sodass eigentlich gar keine klare Verbindung zu erkennen ist?“
Das persönliche Erkrankungsrisiko einschätzen
Über mögliche Symptome von Eierstockkrebs Bescheid zu wissen, ist wichtig – mindestens genauso hilfreich kann es sein, die Risikofaktoren zu kennen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Denn Eierstockkrebs lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen.
Bekannte Risikofaktoren sind:
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren.1
- Familiäre Vorbelastung: Wenn nahe Verwandte (z. B. Mutter, Schwester) Eierstock-, Brust-, Gebärmutterkörper- oder Darmkrebs haben oder hatten, kann das Risiko erhöht sein.1
- Genetische Veranlagung (erbliche Faktoren): Eine Veränderung (Mutation) der BRCA1/2-Gene kann das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, deutlich erhöhen.1-3 Bei entsprechenden Hinweisen kann eine genetische Beratung in spezialisierten Zentren helfen, das individuelle Risiko besser einzuschätzen.
- Endometriose: Endometriose wird in Studien mit einem erhöhten Risiko bestimmter Eierstockkrebsarten in Verbindung gebracht.1,3
- Keine Schwangerschaften / Unfruchtbarkeit: Frauen, die nie schwanger waren oder nicht schwanger werden können, haben ein erhöhtes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken.1,2,4
- Hormonersatztherapie nach der Menopause: Es gibt Hinweise, dass die Einnahme von weiblichen Geschlechtshormonen (Hormonersatztherapie) zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden vor, während und nach der Menopause das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, erhöhen kann.1,4 Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung mit der Ärztin/dem Arzt ist entscheidend.
- Übergewicht (Adipositas): Übergewicht im Erwachsenenalter wird mit einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs in Zusammenhang gebracht.1,4
Hinweis: Studien zeigen auch, dass bestimmte Faktoren das Risiko für Eierstockkrebs senken können. Dazu gehören Schwangerschaften, Stillzeiten und eine längere Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, da sie die Anzahl der Eisprünge reduzieren.1
Wissen auffrischen – für die eigene Gesundheit
Aktuell gibt es für den Eierstockkrebs noch keine Früherkennungsuntersuchung, doch eine frühzeitige Diagnose kann oft bessere Therapiechancen ermöglichen. Deshalb ist es so wichtig, dass Frauen sich über die Erkrankung informieren.
Das rät auch Prof. Ataseven: „Der wichtigste Rat ist eigentlich Aufmerksamkeit. Man sollte das eigene Körpergefühl kennen, Veränderungen und vor allem persistierende, also anhaltende Veränderungen ernst nehmen und versuchen, diese ärztlich abklären zu lassen.“
Verlässliche, verständliche Informationen rund um Eierstockkrebs – u. a. zu möglichen Warnzeichen, Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Unterstützungsangeboten – findet ihr auf: www.wegweiser-eierstockkrebs.de.
Referenzen
1 Robert Koch-Institut. Krebs in Deutschland: Eierstöcke (Kap. 3.21). Online unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2025/kid_2025_c56_eierstoecke.pdf?__blob=publicationFile [zuletzt abgerufen: 25.03.2026].
2 Leitlinienprogramm Onkologie. Patientinnenleitlinie. Eierstockkrebs: Ein Ratgeber für Patientinnen. (April 2018). Online unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Eierstockkrebs-1920010.pdf [zuletzt abgerufen: 09.03.2026].
3 Kvaskoff M et al. Endometriosis and cancer: a systematic review and meta-analysis. Hum Reprod Update. 2021 Feb 19;27(2):393-420. doi: 10.1093/humupd/dmaa045. PMID: 33202017.
4 Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren. Langversion 6.1. Januar 20026, AWMF-Registernummer: 032-035OL, Online unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/032-035OLl_S3_Diagnostik-Therapie-Nachsorge-maligne-Ovarialtumoren_2026-02.pdf. [zuletzt abgerufen: 09.03.2026].
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