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Kinder: Warum das Habenwollen zur Entwicklung dazu gehört

von Jacqueline Esser
Veröffentlicht: Letztes Update
Kinder Warum das Habenwollen zur Entwicklung gehört

Schon Babys greifen beherzt zu 

Bereits wenn Babys gelernt haben zu greifen, wollen sie alles was sich in ihrer Reichweite befindet, anfassen, erkunden und entdecken. Dabei kann es sich um buntes Spielzeug, Papas Zeitung, oder auch das schmutzige Küchentuch handeln. Nichts ist vor ihnen sicher. Einfach alles weckt ihre Neugierde und wird als potenzielles Spielzeug auserkoren. Dabei steht nicht das Besitzen eines Gegenstandes im Vordergrund. Dem Baby geht es darum, seine Welt durch das Ergreifen von Dingen, besser Begreifen zu können. Doch Kinder verteidigen ihre Beute vehement, bis sie es ausgiebig erkundet haben. Wollen Eltern ihnen den Gegenstand vorher abnehmen, geschieht das nur unter lautem Protest.

Habenwollen als Kontaktaufnahme 

Besonders beobachten kann man dieses Verhalten, wenn Kleinkinder aufeinander treffen. Ob auf dem Spielplatz, oder in der Krabbelgruppe, Kinder finden das Spielzeug der anderen Kinder immer äußerst interessant und wollen es unbedingt haben. So kann man beobachten, wie Mia zu Valentin krabbelt, um seine tolle Rassel zu bekommen, und Leonard, Ben die rote Schaufel abnimmt. Die Reaktion der kleinen Beraubten lässt nicht lange auf sich warten. Die einen wehren sich mit lautem Gebrüll und Gegenwehr gegen den Spielzeug-Verlust und die anderen geben bereitwillig ihre Besitztümer weiter.

Das „klauen“ des Spielzeugs von anderen Kindern ist jedoch viel mehr, als das bloße Verlangen etwas haben zu wollen. Es dient vielmehr zur Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Kind. Denn bereits mit 10 Monaten nutzen Kleinkinder das Geben und Nehmen von Gegenständen als übliche Art der Verständigung und des Kennenlernens.

Ein weiterer Aspekt unter dem der ständige Drang etwas haben zu wollen gesehen werden sollte, ist dass Kinder die Gegenstände anderer Kinder dazu nutzen, diese nachzuahmen. Das wegnehmen von Spielzeug und Co, ist also keine böswillige Absicht, sondern ein befriedigen ihrer Neugierde. Auch die Reaktion des beraubten Kindes, welche mitunter mit Schlagen und Hauen einher geht, entspricht dem Entwicklungsstand eines Kleinkindes. Denn ihm geht es letztendlich nicht um die Verteidigung seines Besitzes, sondern eines interessanten Spiels, mit dem es sich gerade beschäftigt hat. Schimpfen und moralische Wertungen, wie «Das war jetzt aber nicht nett von dir», können Kinder bis 2 Jahren noch nicht verstehen. Besser sind hier tröstende Worte und geschickte Ablenkungsmanöver.

Vom Habenwollen zum besitzen wollen 

Der Weg vom Habenwollen zum besitzen wollen ist fließend. Mit der wachsenden Ich-Entwicklung, die zwischen dem 18. und 24. Monat stattfindet, erwacht bei den Kindern der Wunsch, Dinge besitzen zu wollen. Spielzeug gehört von nun an nur noch ihnen und wird mit aller Macht erobert und verteidigt. Das Wort, das ein Kind in dieser Altersgruppe am häufigsten nutzt ist daher „Meins!“. Immer und überall schallt es anderen entgegen.

So wird auch schnell mal Mamas Kochtopf in Beschlag genommen, oder die Puppe der großen Schwester als Eigentum angesehen. Teilen – absolut unerwünscht und unvorstellbar. Nun wird das Eigentum auch vehement verteidigt, und das vor allem auch mit körperlichen Mitteln, denn ihre Gefühle haben Kinder in diesem Alter nur schwer unter Kontrolle. So schlagen, schubsen, kneifen und beißen die Kleinen, um ihrer Wut freien Lauf zu lassen. So sind Eltern und Erzieherinnen von nun an als Schiedsrichter und Vermittler dringend gefragt.

Eltern sind Vorbilder 

Kinder müssen nun erfahren, dass sie mit Gewalt ihr Ziel nicht erreichen. Ob im Kindergarten, bei den Großeltern oder zu Hause, überall müssen ihnen nun ruhig aber bestimmt Grenzen gesetzt werden. So darf Paul, der gerade Fynn gebissen hat, um sein Feuerwehrauto zu bekommen, das Spielzeug nicht behalten, und muss fünf Minuten bei seiner Mutter bleiben, bevor er weiter spielen darf.

Wichtig sind jetzt auch Vorbilder, an denen sich die Kinder orientieren können. Sie müssen sich zum Beispiel bei den Eltern abschauen können, wie Teilen funktioniert. Dazu beobachten sie genau, wie andere mit ihrem persönlichen Besitz, sowie dem Besitz anderer, umgehen. Daher können Eltern viel dazu beitragen, dass ihre Kinder das Teilen lernen. Indem sie es ihrem Kind vorleben, übernimmt es die Verhaltensmuster der Eltern automatisch. 

Schon kleine Erfolge beim Teilen lernen, gehören gelobt. Die positive Bestärkung durch das Lob der Eltern, lässt Kinder das Teilen schneller lernen. Sie spüren, dass sie etwas „Richtig“ gemacht haben und behalten dieses Verhalten bei. 


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