Die australische Beziehungs-Expertin und Sexualtherapeutin Deanne Carson, hat bereits vor einer ganzen Weile, mit einer bizarr wirkenden Aussage, die Welt in Aufruhr versetzt, welche auch heute noch in den sozialen Netzwerken und Medien heiß diskutiert wird. Darin fordert sie, dass Eltern ihr Baby um Erlaubnis zu fragen haben, bevor sie eine Windel wechseln. Aber was steckt hinter dieser Forderung? Ist sie völlig bizarr, oder gibt es einen tieferen Sinn? Hier findet ihr die Antwort.

„Wenn es müffelt, dann muss es weg!“, ist sicherlich der erste Gedanke, der Müttern und Vätern in den Kopf schießt, wenn sie an volle Windeln denken. Und das soll nun anders sein? Was wäre denn nun, wenn das Baby ein beherztes NEIN trällert? Lass ich das Stinkerchen dann einfach drin? Wie verrückt wäre das denn? Und Moment – das Baby kann ja gar nicht reden? Und jetzt? Die spinnt! 🙈😊

Haben Experten eigentlich manchmal Langeweile? 🤔

So abstrakt die Aussage von Deanne Carson auf den ersten Blick wirken mag, hat sie dennoch einen ernsten Hintergrund. Natürlich geht es am Ende nicht darum, dass man mit seinem Baby in einen Dialog einsteigen sollte, ob es nun sinnvoll wäre, eine Windel zu wechseln. Mit ihrer Forderung spricht sie aber schon über die grundsätzliche Wahrung körperlicher Integrität. Eine Sache, die übrigens die meisten Eltern bereits heute beim Wickeln meisterlich umsetzen. Aber was heißt das jetzt? Was ist damit gemeint?

Springen wir in Gedanken einmal zu wesentlich älteren Kindern. Der typische Erziehungsstil, den wir heute bei Kindern umsetzen, beinhaltet eine große Portion Partizipation. Man spricht von „bedürfnisorientierter Erziehung“. Im wesentlichen geht es darum, Kinder in bestimmte Entscheidungen mit einzubeziehen. Und es geht um die Wahrung von Grenzen, die auch Kinder im Alltag ziehen dürfen. In den allermeisten Familien gilt das als völlig normal. Und naja – mit diesen Grenzen sind auch körperliche Erfahrungen gemeint.

Wir alle können uns sicher an diesen EINEN lustigen „Onkel“ aus unserer Kindheit erinnern, der eigentlich immer ganz nett war, manchmal aber weit über unsere Wohlfühlgrenze ging. Er war auf jeder Familienfeier dabei, und hatte so doofe Angewohnheiten: Ständiges Haarewuscheln, mit den Fingern in unsere Backen kneifen und dabei lustige Geräusche machen. Vielleicht mochte man es aber als Kind auch nicht, ständig über den Kopf in die Luft geworfen zu werden, oder schlicht auf den Schultern getragen zu werden, weil man Angst hatte, herunterzufallen. All das sind eigentlich kleine Übergriffigkeiten, die so nicht passieren sollten, wenn ein Kind sich klar und deutlich dagegen äußert.

Um „Wickelerlaubnis“ zu fragen, macht einfach Sinn

Und da tasten wir uns langsam aber sicher an die Aussage von Deanne Carson heran. Natürlich wird man mit einem Säugling kein eindringliches Gespräch über das Für und Wider einer frisch gewechselten Windel führen. Das hat sie mit ihrer Aussage nicht gemeint. Ihr geht es als Beziehungs-Expertin darum, Säuglinge auf dem Weg zu Grundvertrauen und Grundbindung, nicht einfach in (vielleicht) unangenehmen Situationen physisch zu „überfahren“. Denn tatsächlich können auch Säuglinge schon mal einen schlechten Tag erwischen. Sie sind dann nicht gut gelaunt und meckrig. Sie wollen in dem Moment, in denen ihr die schmutzige Windel zum Staatsfeind Nr.1 erklärt habt, vielleicht alles Andere, als auf dem Wickeltisch abzuhängen. Und das ist ihr gutes Recht.

Baby lacht beim Wickeln
Bild: © Rido / Adobe Stock

Carson plädiert also dafür, dass man beim Wickeln von Babys auch immer aktiv in Kontakt tritt. Eltern sollen zeigen, dass sie ein Meckern (oder auch ein Lächeln) wahrgenommen haben, und entsprechend reagieren. Fakt ist, dass wir das Alle in den meisten Fällen tun. Nur wenn es mal hektisch wird, und das Baby noch schnell gewickelt werden muss, bevor man aus dem Haus geht, passiert es mitunter, dass man in einen Automatismus verfällt, in dem man mit dem Kopf schon im Termin steckt, anstatt dem Baby voll und ganz seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Und wenn dieser seltene Fall eingetreten ist, spürt man schlimmstenfalls noch den ganzen Tag lang, dass das eigene Baby nicht so gut auf einen zu sprechen ist. Ja, die Aussage von Deanne Carson klingt auf den ersten Blick abstrakt. Aber auch ein Säugling bemerkt schnell, wenn ihr nicht bei der Sache seid. Wenn ein Baby also mal keine Lust auf das Windelwechseln hat, sollte man besonders aufmerksam und liebevoll agieren. Bestenfalls redet und spielt ihr eine kurze Weile mit eurem Baby, bis es euch ein fröhlich glucksendes Lachen schenkt. Dann könnt ihr mit dem Wickeln beginnen.

So bekommt man dann auch in Zukunft immer wieder die offizielle Baby-Erlaubnis, das Stinkerchen zu entfernen. 😇


Wer hat's geschrieben?

Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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