Dr.Oetker Titandioxid Foodwatch
Bild zur Verfügung gestellt durch © foodwatch

Berlin, 4. September 2019. Im Streit um Titandioxid hat foodwatch Dr. Oetker vorgeworfen, die Öffentlichkeit zu täuschen. Die Verbraucherorganisation forderte den Backzutatenhersteller auf, ein Kuchen-Deko-Produkt, das nachweislich zu 100 Prozent Titandioxid in Nanopartikel-Form enthalte, sofort zurückzurufen. Zudem müsse das Unternehmen ein konkretes Ausstiegsdatum für die Verwendung des umstrittenen Farbstoffes nennen.

Laut Studie könnte Titandioxid krebserregend sein

Dr. Oetker hatte behauptet, der Einsatz sei „gesundheitlich unbedenklich“, weil in dem verwendeten Titandioxid „keine Nanopartikel enthalten“ seien. Unabhängige Laboruntersuchungen, die foodwatch vergangene Woche öffentlich gemacht hatte, zeigen jedoch, dass in allen getesteten Oetker-Produkten Titandioxid in Nanopartikel-Größe enthalten war – teilweise bis zu 100 Prozent. Titandioxid (E171) dient in Lebensmitteln als weißer Farbstoff und wird insbesondere in Kaugummis, Backzutaten und Backwaren verwendet. Die gesundheitlichen Risiken sind umstritten. Frankreich hat als erstes europäisches Land den Stoff ab 2020 vorerst verboten, da E171 die Darmflora schädigen und in seiner allerkleinsten Form im Nanometerbereich möglicherweise Krebs auslösen kann, wie wissenschaftliche Studien nahelegen.

„Von Zucker-Streusel bis Kuchen-Deko: Viele typische Kindergeburtstag-Produkte von Dr. Oetker enthalten den potenziell krebsauslösenden Zusatzstoff Titandioxid – teilweise zu 100 Prozent im besonders umstrittenen Nanometer-Bereich. Wenn Dr. Oetker behauptet, seine Produkte sind unbedenklich und es ist kein Nano enthalten, dann ist das zu 100 Prozent gelogen. Ein renommiertes Traditionsunternehmen wie Dr. Oetker sollte endlich auf Titandioxid verzichten. Andere Hersteller zeigen, wie es geht“, sagte Patrick Müller von foodwatch.

Die Verbraucherorganisation forderte Dr. Oetker in einem offenen Brief auf, ein konkretes Ausstiegsdatum für die Verwendung des Zusatzstoffes zu nennen und zudem sein Produkt „Dekor Kreation Rosa Mix“, das laut Laboranalysen zu 100 Prozent Nano-Titandioxid enthält, sofort vom Markt zu nehmen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch unter www.aktion-titandioxid.foodwatch.de fordern bereits mehr als 26.000 Verbraucherinnen und Verbraucher von dem Unternehmen, die Verwendung des umstrittenen Zusatzstoffes zu stoppen.

foodwatch warf Dr. Oetker in mehreren Fällen eine Täuschung der Öffentlichkeit vor:


1. Dr. Oetker behauptet, in dem verwendeten Titandioxid seien „keine Nanopartikel enthalten“. Das ist nachweislich falsch: foodwatch hat in einem unabhängigen Labor exemplarisch vier Produkte des Bielefelder Unternehmens testen lassen – in allen vier Proben wurden erhebliche Anteile von Nanopartikeln nachgewiesen. Das in der „Backmischung Streuselkuchen“ enthaltene Titandioxid bestand zu 22 Prozent aus Partikeln in Nanogröße, in den „Lustigen Zuckeraugen“ zu 33 Prozent, im „Fix & Fertig Zuckerguss Classic“ zu 42 Prozent. Das in der „Dekor Kreation Rosa Mix“ enthaltene Titandioxid bestand sogar zu 100 Prozent aus Nanopartikeln. Zudem ist wissenschaftlich unbestritten, dass Titandioxid herstellungsbedingt praktisch immer Nanopartikel enthält. Das belegt beispielsweise auch ein Test der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA), der in allen untersuchten Produkten Nanopartikel gefunden hatte.

2. Dr. Oetker behauptet, der Lebensmittelzusatz Titandioxid in seinen Produkten sei „gesundheitlich unbedenklich“. Tatsächlich jedoch sind die gesundheitlichen Gefahren zumindest umstritten. Laut der französischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (ANSES) kann die Sicherheit aktuell nicht belegt werden. In Frankreich darf der Stoff Lebensmitteln ab 2020 vorerst nicht mehr zugesetzt werden. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) vertritt hingegen die Auffassung, dass die verfügbaren Daten „keine Hinweise“ auf Gesundheitsbedenken für Verbraucherinnen und Verbraucher geben. Allerdings räumen sowohl die EFSA als auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein, dass weiterer Forschungsbedarf bestehe.

3. Dr. Oetker erweckt den Eindruck, das Unternehmen müsse noch an Alternativen zu E171 arbeiten. Dabei ist der Zusatzstoff komplett verzichtbar, andere Hersteller produzieren schon heute ohne Titandioxid. Zudem gibt es unbedenkliche Ersatzstoffe wie etwa Reisstärke. In Bio-Lebensmitteln ist Titandioxid grundsätzlich verboten.

4. Dr. Oetker behauptet, seine Lieferanten hätten versichert, das verwendete Titandioxid enthalte keine Nanopartikel. Belege für diese Zusicherung legt das Unternehmen jedoch nicht vor. Eigene Kontrollen hat Dr. Oetker offenbar nicht durchgeführt. Ohnehin ist eine Herstellung von E171 im industriellen Maßstab ohne Nanopartikel technisch gar nicht möglich.

5. Dr. Oetker hatte gegenüber foodwatch behauptet, man verfolge „die wissenschaftliche Diskussion um den Einsatz des Farbstoffes E171, Titandioxid, sehr aufmerksam“ und erwarte das Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde zu dem Thema. Dabei lag das EFSA-Gutachten zu diesem Zeitpunkt bereits vor und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass E171 für die industrielle Verwendung nicht ohne Nanopartikel hergestellt wird.

„Sind Dr. Oetker die puddingweichen Ausflüchte gegenüber seinen Kundinnen und Kunden eigentlich kein bisschen unangenehm? Wenn Dr. Oetker den vorbeugenden Gesundheitsschutz ernst nimmt, kann es nur eines geben: Schluss mit Titandioxid! E171 hat keinerlei Nutzen für die Verbraucherinnen und Verbraucher“, so Patrick Müller von foodwatch.

Weitere Hersteller nutzen Titandioxid

Neben Dr. Oetker verwenden auch weitere Backzutatenhersteller wie Ruf und Günthart sowie Süßwarenproduzenten wie Mars und Dunkin Donuts Titandioxid in ihren Produkten. Außer in Backzutaten kommt der Weißmacher vor allem in Kaugummis und Dragee-Umhüllungen zum Einsatz. Auf Nachfrage von foodwatch kündigten die Hersteller Reinhardt Lolly Spezialitäten und McDonald‘s an, zukünftig auf Titandioxid zu verzichten. Auch Mars will kein Titandioxid mehr verwenden.

Außerhalb des Lebensmittelbereiches findet der Stoff vor allem in Farben und Lacken Verwendung. Auch in Medikamenten, Zahnpasta und Kosmetika wird der Stoff eingesetzt, dann wird er als CI 77891 bezeichnet.


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