Hat man ein Baby, bekommt man ständig diese eine Frage gestellt: „Schläft es denn schon durch?“ Wer darauf nicht mit Ja antworten kann, hört oft allerlei Ratschläge. Dabei brauchen Babys unterschiedlich lange, bis sie nachts längere Schlafphasen schaffen. Und auch die Eltern brauchen Unterstützung, wenn die Nächte anstrengend bleiben.
„Du musst es einfach schreien lassen“ oder „Nachts braucht es keine Mahlzeit mehr“: Solche pauschalen Tipps helfen wenig. Sinnvoller ist es, zu verstehen, warum Babys nachts aufwachen und wie ihr eurem Kind beim Einschlafen helfen könnt. Ruhige Abläufe können den Abend erleichtern. Ein bestimmtes Alter, ab dem jedes Kind durchschlafen muss, gibt es aber nicht.
Kann ein Baby durchschlafen?
Ja, manche Babys schlafen schon früh mehrere Stunden am Stück. Andere brauchen länger – und auch nach ruhigeren Nächten können wieder unruhige Phasen kommen.
Mit „Durchschlafen“ ist oft ein längerer Schlafblock von etwa sechs bis acht Stunden gemeint. Das ist keine einheitliche medizinische Definition und auch keine Vorgabe, die euer Baby erfüllen muss. Vor allem bedeutet es nicht unbedingt, dass es von eurem Zubettgehen bis zu eurem Wecker schläft.
Wird euer Baby mitten in der Nacht wach, ist es deshalb noch nicht automatisch für den nächsten Tag ausgeschlafen. Nach dem Trinken oder etwas Begleitung kann es wieder weiterschlafen. Kurze Wachphasen gehören ohnehin zum Schlaf dazu. Manche Kinder finden danach selbst zurück in den Schlaf, andere melden sich und brauchen Hilfe.
Wann kommt ein Schlafrhythmus?
In den ersten Wochen verteilen sich Schlafen und Wachsein noch auf Tag und Nacht. Bei vielen Babys entstehen im Laufe des ersten halben Jahres längere zusammenhängende Schlafphasen. Andere brauchen mehr Zeit. Nach und nach ist das Baby tagsüber mehr wach. Auch Kleinkinder können nachts noch aufwachen.
Dass euer Kind nachts noch Begleitung braucht, bedeutet nicht, dass ihr zu wenig konsequent seid. Ruhige Abläufe und verlässliche Zuwendung können ihm helfen, sich sicher zu fühlen.
Der sanfte Weg zu mehr Schlaf
Ein Schlaftagebuch kann euch helfen, den Rhythmus eures Kindes besser zu verstehen. So seht ihr, wie sich sein Schlaf über Tag und Nacht verteilt.
Notiert einige Tage lang, wann euer Kind einschläft, wie lange es tagsüber schläft und wann es nachts wach wird. Auch Mahlzeiten und Situationen, in denen es besonders unruhig ist, können aufschlussreich sein. Es geht dabei nicht darum, jede Minute zu kontrollieren. Ihr sucht nach Mustern, die euch im Alltag weiterhelfen.
Vielleicht zeigt sich, dass euer Baby abends schon sehr müde ist, bevor ihr mit dem Zubettbringen beginnt. Oder euer Kleinkind ist nach einem langen, späten Mittagsschlaf abends noch nicht schläfrig. Solche Beobachtungen helfen euch, die Schlafenszeiten passend zu verändern.
Tagesschlaf nicht pauschal kürzen: Gerade junge Babys brauchen auch tagsüber ausreichend Schlaf. Sie länger wach zu halten, macht die Nacht nicht zuverlässig ruhiger. Übermüdung kann das Einschlafen erschweren. Bei einem Kleinkind, das abends regelmäßig nicht müde ist, kann dagegen ein früherer oder kürzerer Mittagsschlaf sinnvoll sein. Achtet darauf, wie es eurem Kind damit geht.
Schlafen Flaschenkinder schneller durch?
Abzustillen oder auf Säuglingsnahrung umzusteigen, garantiert keine ruhigeren Nächte.
Viele Eltern können von einem Baby, das nachts fünf bis sechs Stunden am Stück schläft, nur träumen. Bei einem Gespräch mit einer anderen Mutter erzählte sie mir: „Meine Tochter, ist 10 Monate alt und wird noch gestillt. Sie möchte zeitweise jede Stunde trinken. Früher lag der Abstand bei drei oder vier Stunden.“ Sie war am Ende ihrer Kräfte und überlegte schon abzustillen, um endlich nachts mehr schlafen zu können.
Dieser Wunsch nach Schlaf ist sehr verständlich. Untersuchungen zum Stillen und zur Flaschennahrung kommen je nach Alter und untersuchter Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Baby kann zum Beispiel insgesamt viel schlafen und trotzdem häufig aufwachen. Die Studien können nicht vorhersagen, ob euer Baby nach einem Wechsel ruhiger schlafen würde.
Nicht jedes Aufwachen bedeutet Hunger
Babys können beim Wechsel zwischen Schlafphasen kurz wach werden. Manchmal brauchen sie Nähe oder Hilfe beim Weiterschlafen, manchmal haben sie Hunger oder fühlen sich unwohl. Gerade junge Babys brauchen auch nachts Nahrung. Nicht jede unruhige Bewegung verlangt aber sofort nach einer Mahlzeit. Schaut zunächst, ob euer Kind wirklich wach ist und was es gerade braucht.
Pucken kann beruhigen – was ist dabei zu beachten?
Pucken kann Babys spürbar beruhigen. Manche werden dadurch deutlich entspannter und schlafen ruhiger.
Beim Pucken wird ein Baby in ein Tuch oder eine Decke eingewickelt. Studien haben beobachtet, dass gepuckte Babys ruhiger schlafen und seltener zwischen Schlafphasen wechseln können. Das erklärt, warum Eltern das Pucken als große Hilfe erleben können. Die Ergebnisse sind aber nicht bei allen Babys und in allen Untersuchungen gleich.
Gerade die Wirkung auf den Schlaf wird auch kritisch diskutiert: Wenn ein Baby weniger leicht aufwacht, ist das nicht automatisch ein Vorteil für seine Sicherheit. Die Studien zum ruhigeren Schlaf belegen keinen Schutz vor dem plötzlichen Kindstod. Welche Wirkung das Pucken hat, hängt außerdem davon ab, wie es angewendet wird und ob ein Baby daran gewöhnt ist.
Die aktuelle deutsche Empfehlung: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) raten davon ab, Babys zum Schlafen fest einzuwickeln. Empfohlen werden Rückenlage, ein passender Schlafsack und eine feste, freie Schlaffläche im eigenen Babybett im Elternschlafzimmer.
Wenn ihr nach einer Möglichkeit sucht, euer sehr unruhiges Baby zu beruhigen, besprecht mit eurer Hebamme oder der Kinderarztpraxis, was ihm helfen kann. Hintergründe zur Debatte findet ihr auch in unserem Beitrag über das Pucken von Babys.
Rituale geben Babys und Kleinkindern Sicherheit
Wiederkehrende Abläufe helfen eurem Kind, sich auf den Abend einzustellen. Das Ritual muss weder aufwendig noch jeden Tag auf die Minute gleich sein.
Waschen, Schlafanzug anziehen, stillen oder füttern, etwas kuscheln und ein ruhiges Lied: Eine vertraute Reihenfolge macht das Zubettgehen vorhersehbar. Bei einem Kleinkind passen vielleicht eine kurze Geschichte und ein Gespräch über den Tag besser. Wichtig ist, dass der Ablauf zu euch passt und ihr ihn auch an einem anstrengenden Abend gut begleiten könnt.
Für einen ruhigeren Abend könnt ihr ausprobieren:
- Den Tag langsam ausklingen lassen: Vor dem Schlafengehen eher kuscheln, vorlesen oder ruhig spielen, statt noch viel Neues anzubieten.
- Auf Müdigkeit achten: Beginnt mit dem Zubettbringen, wenn euer Kind müde wird. Weder besonders frühes Hinlegen noch langes Wachhalten sorgen automatisch für mehr Nachtschlaf.
- Die Nacht ruhig halten: Sprecht leise, nutzt nur so viel Licht wie nötig und vermeidet Spielen. Eine frische Windel ist nicht nach jeder nächtlichen Mahlzeit nötig.
Weitere Ideen findet ihr in unserem Beitrag über Einschlafrituale für Kinder. Nicht jede Idee passt zu jedem Alter – sucht euch aus, was eurem Kind und euch guttut.
Das Einschlafen braucht oft Begleitung der Eltern
Manche Kinder finden leicht in den Schlaf, andere brauchen dabei mehr Unterstützung. Nähe und ruhige Begleitung können helfen.
Liegt euer Baby entspannt im Bett und brabbelt ein wenig, könnt ihr in seiner Nähe bleiben und ihm Zeit lassen. Auch bei leichter Unruhe müsst ihr es nicht sofort herausnehmen. Vielleicht reichen eure Stimme, eine Hand auf seinem Körper oder sanftes Streicheln.
Wenn es weint oder sich nicht beruhigen lässt, reagiert auf seine Signale. Prüft, ob es Hunger hat, eine frische Windel braucht oder ob ihm etwas anderes fehlt. Dann kann auch Hochnehmen und Beruhigen auf dem Arm genau die Unterstützung sein, die es gerade braucht.
Wenn die Nächte euch zu viel werden
Der Wunsch nach mehr Schlaf ist berechtigt. Ihr müsst nicht erst völlig erschöpft sein, bevor ihr euch Unterstützung holt.
Wenn ihr zu zweit seid, besprecht möglichst konkret, wer welche Aufgabe übernehmen kann. Auch wenn ihr stillt, kann euer Partner oder eure Partnerin zum Beispiel das Wickeln übernehmen oder morgens mit dem Baby aufstehen. Wer allein für sein Kind sorgt, braucht andere verlässliche Entlastung – etwa jemanden, der tagsüber mit eurem Kind spazieren geht, während ihr euch ausruht.
Wenn euch das Schlafen dauerhaft stark belastet, wendet euch an eure Kinderarztpraxis oder Hebamme. Gemeinsam könnt ihr nach möglichen Ursachen und passenden Hilfen schauen. Auch die Frühen Hilfen und Beratungsstellen für Eltern mit sehr unruhigen Babys können unterstützen. Anhaltende Schlafprobleme sollten ärztlich abgeklärt werden.
Einige Kinder schlafen früh länger am Stück, andere brauchen dafür mehr Zeit. Bis dahin geht es darum, dass euer Kind gut begleitet wird und auch ihr genügend Entlastung bekommt. Ihr müsst die anstrengenden Nächte nicht einfach allein aushalten.
Quellen und fachliche Grundlagen
- BIÖG: Schlaf und Schlafrhythmus im ersten Lebensjahr
- BIÖG: Tipps für das Ein- und Durchschlafen
- BIÖG: Wann ein Baby beim Aufwachen Unterstützung braucht
- BIÖG: Schlafbedarf und Mittagsschlaf bei Kindern
- DGKJ: Mein Kind schläft nicht – Schlafbedarf und Schlaftagebuch
- Dixley und Ball, 2022: Systematischer Review zu Pucken, Schlaf und Weckbarkeit
- DGKJ: Sicherer Schlaf für mein Baby
- BIÖG: Empfehlungen zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods
- Fu und weitere, 2021: Systematischer Review zu Ernährung und Babyschlaf
- Olson und weitere, 2026: Beobachtungsstudie zu Ernährung und Nachtschlaf
- BIÖG: Entlastung bei elterlichem Schlafmangel
- BIÖG: Hilfe bei anhaltenden Schlafproblemen
Fachlich geprüft am 23. Oktober 2026.
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