Viel zu selten schafft es der Berufsstand der Hebamme in die täglichen Nachrichten. Tragischerweise sind aber die Zeitungen seit Wochen voll mit Berichten, welche sich nicht mit der wundervollen Arbeit der Hebammen beschäftigen. Es geht dabei um das Überleben oder Aussterben des freiberuflichen Teils einer gesamten Berufsgruppe. 

Es klingt dramatisch. Und so wird es wohl auch für viele Hebammen sein. Der Grund der öffentlichen Debatte ist der Haftplichtschutz für freiberufliche Hebammen. Dieser ohnehin kaum noch bezahlbare Versicherungsschutz, bricht gerade vor den Augen aller Beteiligten, beinahe zusammen.

Anlass zur Sorge ist der Ausstieg der Nürnberger Versicherung, aus den beiden zuletzt verbliebenen Versicherungskonsortien für Hebammen, zum 01. Juli 2015. Damit scheint im Moment der gesamte Haftpflichtschutz freiberuflicher Hebammen gefährdet.

Warum ist dieser Versicherungsschutz so wichtig?

Die Haftpflichtversicherung der freiberuflichen Hebammen ist per Gesetz absolut verpflichtend, damit sie ihren Beruf ausüben dürfen. Wäre eine Hebamme nicht versichert, dürfte sie weder als Beleghebamme arbeiten, eine Hausgeburt durchführen, noch die Wochenbettphase einer frischgebackenen Mutter begleiten. Sie könnte allenfalls noch ausgefeilte Geburtsvorbereitungskurse, mit anschließendem Nachmittags-Tee anbieten. Ein faktisches Berufsverbot.

Festangestellte Hebammen – z.B. durch Krankenhäuser – sind von dieser Ohnmacht zurzeit eher selten betroffen, da in den meisten Fällen die Versicherung vom Arbeitgeber übernommen wird. Da diese Hebammen allerdings in festen Schichten arbeiten, hätte keine werdende Mutter die Chance, eine feste Beleghebamme im Kreißsaal bei der Geburt zu haben.

Warum springen die Versicherer ab?

Der Berufsstand der Hebamme ist ein recht kleiner und exklusiver Kreis. Das bedeutet für die Versicherer ein teils enormes finanzielles Risiko. Es gibt nur wenige Einzahler, auf teils enorm gestiegene Kosten im Schadensfall.

Vor etwa 10 Jahren zahlte eine Hebamme in etwa einen monatlichen Versicherungsbeitrag von 450 Euro. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich dieser Betrag knapp verzehnfacht. Heute liegt er im Schnitt bei ca. 4200 Euro. Und ab Juli soll er auf fast 5100 Euro ansteigen.

Im Schadensfall sind unter anderem Geburtsschäden abgedeckt. Da auch die Kosten für Therapien und Pflege in den letzten Jahren enorm explodiert sind, stehen sich beide Seiten mit einem hohen finanziellen Risiko gegenüber. Die Kosten eines Versicherungsfalls können schnell in die Millionenhöhe gehen. Und die Beiträge zur Haftpflichtversicherung können auch nicht auf Dauer ins unermessliche gesteigert werden. Für beide Seiten ist es längst zu einem unbezahlbaren Unterfangen geworden.

Hilfe aus der Politik erhofft

Der deutsche Hebammenverband (DHV) fordert deshalb dringendst schnelle Hilfe von der Politik. Die Versicherungsbeiträge sprengen das monatliche Budget von unzähligen Hebammen. Im Schnitt verdient eine Hebamme, laut Verband, um die 8,50 Euro in der Stunde.

Karl Lauterbach (SPD Gesundheitsexpterte) kommentiert laut „Bild“: „Das Problem ist erkannt. Wir greifen da ein, denn das Anliegen ist völlig berechtigt. Die freiberuflichen Hebammen sind unentbehrlich und leisten eine vorzügliche Arbeit.“

Wie intensiv sich die Große Koalition mit diesem Thema beschäftigen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar. Und die Uhr tickt …

Über den Autor

Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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