Jeder kennt Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Doch wie machen das Eltern? Kann man die Kindererziehung auch rein intuitiv entscheiden? Wann ihr euch auf euer Bauchgefühl verlassen solltet, und wann nicht, könnt ihr hier lesen. 

Intuition benötigt nur wenige Sekunden

Viele Mütter und Väter haben schon einmal die Erfahrung gemacht, aus einem Gefühl heraus eine Entscheidung getroffen zu haben, die sich als die bessere Wahl herausstellte. Vielleicht hat man eine liebe Babysitterin, oder den richtigen Nachhilfelehrer ausgewählt, ohne lange über die Vor- und Nachteile nachzudenken. Während sich das lange Grübeln, eher als suboptimal erwiesen hat.

Tätowierte Eltern mit Babys kuschelnd im Bett.
Bild: © Oleksandr / Adobe Stock

Auch in der Erziehung lassen sich viele Elternpaare rein durch ihre Instinkte leiten. Erziehungsratgeber und Expertentipps sind längst out. Viele Mütter und Väter gehen lieber den schnellen und einfach Weg über ihre Gefühle, anstatt den Umweg über den „Verstand“. Innerhalb weniger Sekunden entscheidet das Bauchgefühl über das Handeln. Und das ist nicht immer das schlechteste.

Wie entsteht ein Bauchgefühl?

Doch was ist eigentlich „Intuition“ und wie entsteht sie? Eines ist klar, Intuition hat nichts mit einem sechsten Sinn zu tun. Sie führt nicht auf geheimnisvolle Weise zur richtigen Entscheidung. Eingebungen können nur dann entstehen, wenn man sich schon einmal mit einem Problem intensiv beschäftigt hat. Das muss nicht bewusst geschehen sein.

Das menschliche Gehirn arbeitet unaufhaltsam. Rund 11 Millionen Sinneswahrnehmungen rasen pro Sekunde durch das Gehirn. Doch schon nach 40 Sinneseindrücken wird der Input zu viel und im Unterbewusstsein gespeichert. Wenn jedoch ein Fetzten dieser Wahrnehmungen ins Bewusstsein gelangt, entsteht sie – die Intuition, unser Bauchgefühl.

Doch damit die Intuition funktioniert, greift sie auch auf Erfahrungen zurück. Selbst wenn Eltern also zum Beispiel noch nicht viel über den neuen Kinderarzt wissen: Das Gehirn kann Informationslücken über ihn rasch mit Erfahrungswissen füllen, ohne dass dies bemerkt wird. Und so spüren sie vielleicht schon beim allerersten Besuch, ob die Chemie zwischen ihnen und dem Kinderarzt zukünftig stimmen wird, oder nicht.


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Wichtige Entscheidungen „Überschlafen“

Die Intuition stellt sich zwar binnen Sekunden ein, doch sollte man sich bei wichtigen Entscheidungen eine Bedenkzeit gönnen. Die richtige Wahl der Schule oder der Kita, sollte man also überschlafen, und das Für und Wider abwägen. Ist ein Überschlafen nicht möglich, sollte die Auszeit mindestens 20 Minuten währen. In dieser Zeit sollte man sich möglichst mit etwas völlig anderem beschäftigen und nicht über das Thema nachdenken.

Bauchgefühl = Einfühlungsvermögen

Kindererziehung kann oft aber nicht warten, sondern muss spontan entschieden werden. Um dort auf das Bauchgefühl hören zu können, braucht es Einfühlungsvermögen. Eltern müssen sich in die Lage des Kindes versetzten können, um eine Entscheidung zu treffen, die dem Kind gerecht wird.

 „Wenn Paul und ich einen Konflikt haben, handle ich instinktiv, aber versuche ihn zu verstehen, bevor ich etwas entscheide. Ich versuche zu filtern, welche Situation zu seinem Handeln führt, und reagiere dementsprechend.“, erklärt eine Verfechterin der Intuitiven-Erziehung.

Sind Erziehungsratgeber nun unnötig?

Brauchen Eltern nun die Erziehungsratgeber, die man unzählig in den Regalen findet nicht mehr? Nicht alle Bereiche kann man alleine aus dem Bauchgefühl heraus entscheiden und abdecken. Es ist sicherlich sinnvoll über die Entwicklung eines Kindes Bescheid zu wissen, um angemessen zu handeln. Zum Einen hat die Intuition nur eine Erfolgsquote von etwa 60 Prozent, so die Beobachtung von Wissenschaftlern. Zum Anderen profitiert die Intuition auch von Wissen. Dieses erhöht die Trefferquote der Entscheidungen.

Ob mit oder ohne Bauchgefühl erzogen wird, entscheidet oftmals auch der Charakter und das persönliche Temperament der Eltern. Denken sie eher rational, werden sie mehr auf ihren Verstand hören, als auf ihren Bauch. Wohingegen gefühlsbetonte Menschen eher aus Instinkt handeln. „Den“ richtigen Weg gibt es aber nicht. Eltern müssen für sich und ihre Kinder einen eigenen Weg finden, mit dem alle glücklich sind. Ob aus dem Bauch heraus, oder nach Erziehungsratgebern zu handeln, ist am Ende auch wieder eine Bauchentscheidung.

Darüber hinaus ist es sicher immer auch ganz spannend zu erfahren, wie andere Elternpaare in ähnlichen Situationen gehandelt haben – und warum. Alles zu Entwicklungsphasen und Elternerfahrungen in der Kindererziehung, findet ihr in unserem Magazin.


Wer hat's geschrieben?

Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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