Babywalker Lauflernhilfe
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Trotz jahrzehntelanger Warnungen vor den Gefahren von Lauflernhilfen, Gehfrei bzw. Babywalker werden diese immer noch angeboten, gekauft und führen oft zu schweren Verletzungen.

Diese Gestelle auf Rollen mit eingebautem Sitz sind für Kinder gedacht, die noch nicht laufen können. „Bereits 2009 forderte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ein Verbot von Lauflernhilfen bzw. Gehfrei-Geräten. Und 2010 haben die European Child Safety Alliance und die ANEC, ein Zusammenschluss mehrerer europäischen Gesellschaften, die sich mit Unfallprävention befassen, Eltern und Betreuern von Kindern dringend vom Gebrauch von Lauflernhilfen abgeraten.

Doch manche Eltern unterschätzen immer noch das Sicherheitsrisiko dieser Geräte“, bedauert Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Kanada hat schon im Jahre 2004 Lauflernhilfen verboten. Auch die amerikanische Vereinigung von Pädiatern, die American Academy of Pediatrics (AAP), hat nun anlässlich der Veröffentlichung aktueller Zahlen wiederholt ein Verbot in den Vereinigten Staaten gefordert. Der BVKJ schließt sich den ‚Mahnrufen‘ an.

Gehfrei Lauflernhilfe
Bild Gehfrei;:© Christian / Adobe Stock

Eltern kaufen Gehfrei-Geräte in dem Glauben, dass sie bei ihrem Kind das Gehenlernen fördern. Doch können Lauflernhilfen das Gegenteil bewirken und die motorische Entwicklung verzögern. „Die meisten Verletzungen treten auf, wenn ein Baby in einem Babywalker die Treppe hinunterfällt. Da die Kinder damit schneller sind, höher sitzen und so eine größere Reichweite erlangen, ermöglicht die ‚Gehilfe‘ Kindern auch Zugang zu gefährlichen Dingen, die sie sonst nicht erreichen könnten, wie ein heißes Getränk oder giftige Haushaltssubstanzen.

Vor allem Kopfverletzungen, wie Schädelfrakturen und Gehirnerschütterungen, gehören neben Verbrennungen, Vergiftungen und Ertrinken zu den Folgen, die Unfälle mit den Lauflernhilfen nach sich ziehen“, warnt Dr. Kahl. Mit Lauflernhilfen können sich kleine Kinder mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Stundenkilometern fortbewegen. Stürze in Lauflernhilfen sind tendenziell gefährlicher, weil ein Baby meist mit dem Kopf voran umfällt und es sich nicht aus dem Gerät befreien kann.

Selbst Wohnungen ohne Treppen können riskant sein, da herumliegenden Gegenstände, der Zusammenstoß mit Möbeln oder eine Unebenheit im Boden den Babywalker umkippen lassen können.

Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder geht in Deutschland jährlich von etwa 6.000 Unfällen durch Lauflernhilfen aus. „Wir hoffen, dass die Eltern unsere Warnungen endlich ernst nehmen, um weitere Unfälle zu verhindern“, so Dr. Kahl.

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2 KOMMENTARE

  1. Ohne irgendjemanden angreifen zu wollen.
    Gefrei mit 6 Rollen, die in jegliche Richtung fährt, sind absolut beschissen. Und ja genau da können Unfälle passieren.
    Aber den, den wir als Kinder und mein kleiner Schatz hatte, der nur 4 Rollen und nur nach vorne und hinten „gerollt“ ist, hatte unten an der Leiste extra stoppers damit er nicht über absätze kommt.

    Und wer Kinder mit so etwas fahren lässt, wo treppen sind oder überhaupt gefahren sind, sind eindeutig selber schuld.

    Also sorry ich würde mein Kind niemals fahren lassen wo Treppen sind o.ä.

    Ansonsten müsste man nämlich alles was fahrbar wäre verbieten.

    Größter Schwachsinn überhaupt

    • Hallo liebe Tamara,

      wie du sicherlich gesehen hast, ist dies eine Meldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Wir haben sie hier in ungekürzter Form veröffentlicht. Uns ist bewusst, dass diese Lauflernhilfen wirklich überaus beliebte Produkte sind. Wir sind uns aber auch recht sicher, dass die genannte Zahl der Unfälle nicht einfach aus der Luft gegriffen ist.

      Es ist schwer zu sagen, warum die Unfallstatistik ausgerechnet bei relativ offensichtlicher Gefahr einer Treppe, so hoch ausfällt. Aber es scheint – ob man es für „Schwachsinn“ hält, oder nicht – so zu sein. Dabei werden noch genügend andere Gefahrenquellen genannt, welche sicherlich ebenfalls offensichtlich sind, und trotzdem zu Unfällen führen.

      Dir muss bewusst sein, dass die Sicherheit von Produkten – darüber hinaus – eben auch an POTENZIELLEN GEFAHREN fest gemacht wird. So ist es bei jedem Spielzug, bei jedem Kleidungsstück – sogar bei Lebensmitteln.

      Aber abgesehen von diesen Gefahren, ist die Körperhaltung der Kinder (in vielen Modellen) entweder überstreckt oder gedrungen. Die Wirbelsäule und viele Gelenke werden im Wachstum unnötig belastet. Natürlich wird an diesem Punkt recht hitzig diskutiert. Nehmen wir also das offensichtlichste Beispiel, bei dem niemand streiten würde: Solange das Baby sein Köpfchen noch nicht selber halten kann, muss es gestützt werden. Man würde niemals riskieren, den Nacken unnötig zu belasten, um künstlich einen Entwicklungsschritt zu erzwingen. Die Gefahr scheint jedem – logischerweise – als schier lebensgefährlich.

      Nun geht es bei den Lauflernhilfen sicherlich nicht in jedem Fall direkt um Leben und Tod. Wenn es aber um potenzielle Spätfolgen im Laufapparat geht, kann man bei diesen Produkten nicht vorsichtig genug sein. Es ist halt ein wenig wie beim Roulette: nur weil es bei vielen Kindern gut geht, heißt es nicht, dass es immer gut geht. Es gibt ein realistisches Potenzial, bei dem eventuell nicht erkannte Schwächen am Laufapparat, nachhaltig verschlimmert werden können. Ein Risiko, welches man offenen Auges eigentlich nicht eingehen möchte …

      Mit ganz lieben Grüßen!
      Torsten

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