Bisher drehte sich die kleine Welt des Kindes nur um seine eigene Familie. Doch mit wachsender Selbstständigkeit werden die Nachbarskinder, oder die Kinderfreunde, immer interessanter und wichtiger. Nun stehen die ersten Spielverabredungen ins Haus und Freundschaften unter Kindern können wachsen. 

Spätestens im Alter von drei Jahren wecken andere Kinder das Interesse eines Kindes. Die Welt dreht sich nicht mehr nur um die vertrauten Bezugspersonen. Der Horizont der Kinder erweitert sich deutlich. Jetzt sind Nachbarskinder, Kindergartenfreunde und die Spielplatzbekanntschaft potenzielle Spielkameraden, die gerne nach Hause eingeladen werden wollen. Diese Spielverabredungen sind wichtig für die Entwicklung der Kleinkinder. Nur so lernen sie, zu teilen, sich zu behaupten, und gemeinsame Lösungen bei Streitigkeiten zu finden.

Zu mir oder zu dir?

Kaum zu glauben, dass diese Frage schon im Kleinkindalter eine Rolle spielt. Doch bei dieser Entscheidung brauchen die Kleinen noch etwas Hilfe von ihren Eltern. Im gemeinsamen Gespräch können die Eltern entscheiden, wo die Spielverabredung stattfinden soll. Schön ist es, wenn es im Wechsel geschehen kann. So haben die Kinder abwechselnde Spielmöglichkeiten und können sich gegenseitig stolz ihre Spielsachen präsentieren. Bei den ersten Verabredungen kann es hilfreich sein, wenn die Mutter noch auf einen Kaffee bei der Gastfamilie bleibt, um zu schauen, ob das gemeinsame Spiel funktioniert.

Eine schöne Alternative zu den eigenen vier Wänden kann eine Verabredung auf dem Spielplatz sein. Gerade wenn die Kleinen das teilen der eigenen Spielsachen noch lernen müssen, bietet der Spielplatz eine gute Gelegenheit dazu. Dort können sie üben, die Schaufeln und Förmchen zu teilen und gemeinsam zu spielen. Auch gegenseitiges abwechseln beim rutschen oder schaukeln fördert die soziale Kompetenz der Kinder.

Der richtige Zeitpunkt

Desto jünger die Kinder, desto kürzer sollten die Spielverabredungen dauern. Denn gerade Kleinkinder spielen nur für kurze Zeit miteinander und wenden sich dann dem eigenem Spiel zu. Zu Beginn reicht eine Spieldauer von 60 – 90 Minuten völlig aus. Danach wird den Kindern schnell langweilig und sie beginnen zu streiten. Nach der Spielzeit sollte das Gastkind abgeholt werden, oder aber die Gastmutter bindet sich in das Spiel der Kinder ein, und vereint es so wieder. So kann zum Beispiel ein Memory-Spiel die Freude am gemeinsamen Spiel wieder wecken.

Der Zeitpunkt für eine Verabredung sollte gut bedacht sein. Kinder müssen ausgeruht und fit sein. Daher eignet sich die Zeit nach dem Mittagsschlaf häufig am besten. Braucht ein Kind jedoch eine Weile, um richtig wach zu werden, sollte man ihm diese Zeit gewähren, und erst danach zum Spielkameraden aufbrechen.

Andere Familien – andere Regeln

Ist ein Kind bei einer anderen – neuen – Familie zu Besuch, gelten dort deren Regeln. Die wichtigsten sollten dem „Besuchskind“ mitgeteilt werden. Zum Beispiel, „Bei uns wird nur am Tisch getrunken.„, oder „Toben auf dem Bett ist bei uns verboten.„. Die Regeln sollten kurz gehalten werden, denn sonst vergisst das Kind sie schnell.

Eltern sollten die Gastkinder immer gut im Blick haben, denn ihre Neugierde lässt sie alles Neue sofort begutachten und ausprobieren.

Besonderes Augenmerk sollten die Gastgeber auf die Sicherheit ihrer Wohnung legen: Das eigene Kind kennt alle Regeln und wird nicht in die Steckdose fassen. Doch das kann beim Gastkind anders sein. Daher sollte der Blick vor dem ersten Spielbesuch, nochmals durch die Wohnung schweifen, um potentielle Gefahrenquellen auszumachen.

Das ganze Fußball-Team zu Hause

Eine ganze Rasselbande zu Hause, mag für den einen schön sein, doch Kinder sind mit zu vielen Spielkameraden überfordert. Ein bis zwei Besuchskinder am Tag reichen völlig aus. Desto mehr Kinder zu Besuch sind, desto schneller kommt es zu Streitigkeiten. Außerdem wird das gemeinsame Spielen durch viele Kinder erschwert. Lieber jeden Tag eine Spielverabredung, anstatt einmal die Woche mit mehreren Kindern.

LESETIPP: Es gibt übrigens auch Spielregeln für Erwachsene, wenn sie mit Kindern spielen.

Streit unter Kindern

Spielen Kinder gemeinsam, gibt es ab und an die Situation, in der sie sich uneinig sind und sogar streiten. Eltern sollten sich zu Beginn aus diesem Konflikt heraus halten. Wie sonst sollen Kinder lernen, Konflikte gemeinsam zu lösen? Wenn die Kinder jedoch körperlich streiten, sich prügeln, angreifen, oder bittere Tränen fließen, ist es Zeit dazwischen zu gehen. Gemeinsam kann man dann eine Lösung für die Situation finden.

Damit den Kindern nicht zu viel Potential für Streitigkeiten geboten wird, sollte vielleicht das Lieblingsspielzeug, dass das Kind nicht gerne teilen mag, außer Reichweite platziert werden. Angeboten werden können dagegen Spielsachen, mit denen ein gemeinsames Spiel gut gelingen kann. Dazu eignen sich besonders Duplos, Spielzeugautos oder das Bällebad.


Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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