Wenn es stürmisch wird: Umgang mit Krisen in der Familie

Umgang mit Krisen in der Familie

Bild: © 1-2-family.de


Manchmal kommt alles auf einmal. Ein Streit in der Schule, Sorgen um den Job, eine Krankheit oder einfach zu viele kleine Baustellen im Alltag. Plötzlich fühlt sich das Familienleben nicht mehr leicht an, sondern angespannt und unsicher. Solche Phasen treffen jede Familie. Sie bringen Euch aus dem Rhythmus, stellen Gewohntes infrage und fordern Euch emotional heraus. Dabei geht es nicht nur um das eigentliche Problem, sondern auch um die Frage: Wie gehen wir jetzt miteinander um?

Es geht bei der positiven Bewältigung von Krisen nicht darum, sofort für jede Situation eine Lösung zu haben. Viel wichtiger ist, dass Ihr als Familie im Gespräch bleibt, Gefühle ernst nehmt und Euch gegenseitig Halt gebt. Wie das gelingen kann und worauf Ihr in schwierigen Zeiten besonders achten solltet, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Warum Herausforderungen Teil des Familienlebens sind

Krisen gehören zum Leben dazu. Sie fordern Euch heraus und verändern Euch. Und sie betreffen nie nur eine Person, sondern immer das Miteinander. In einer Familie steht jedes Mitglied in einer bestimmten Rolle:

  • Eltern tragen Verantwortung, geben Orientierung und sollen Sicherheit vermitteln, auch wenn sie selbst unsicher sind.
  • Kinder erleben Situationen oft unmittelbarer und intensiver, ihnen fehlen manchmal noch Worte oder Strategien, um ihre Gefühle einzuordnen.
  • Größere Geschwister spüren häufig, dass von ihnen mehr erwartet wird, während kleinere stärker Schutz und Nähe brauchen.
  • Auch Ihr als Paar steht in einer besonderen Verantwortung zueinander, denn Eure Stabilität wirkt sich direkt auf Eure Kinder aus.

Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie diese Rollen zusammenspielen. Wer übernimmt Verantwortung, wer braucht gerade Unterstützung, wer zieht sich zurück? Solche Dynamiken sind normal. Wichtig ist, sie wahrzunehmen und bewusst zu gestalten.

Krisen können Beziehungen belasten, aber sie können sie auch vertiefen. Wenn Ihr offen miteinander umgeht, Verantwortung teilt und Euch gegenseitig stärkt, lernen Eure Kinder, dass Herausforderungen nicht trennen müssen, sondern auch verbinden können.

Erste Hilfe bei emotionaler Überforderung

In akuten Krisensituationen reagiert ihr oft spontan. Das ist völlig normal, denn schnelle Fürsorge vermittelt Sicherheit. Gleichzeitig kann es helfen, kurz innezuhalten und bewusst zu handeln, statt sofort Lösungen anzubieten. Wenn Euer Kind zum Beispiel weinend aus der Schule kommt, weil es Streit hatte, oder wenn es abends plötzlich Angst entwickelt, braucht es nicht zuerst eine Analyse. Es braucht Euch.

Statt sofort zu trösten oder zu erklären, was „richtig“ oder „falsch“ ist, reicht häufig schon:

  • in ruhiger Stimme sprechen, auch wenn Ihr selbst innerlich angespannt seid
  • einfach da sein, zuhören, ohne gleich zu unterbrechen
  • körperliche Nähe anbieten, etwa eine Umarmung oder eine Hand auf der Schulter
  • Gefühle spiegeln, zum Beispiel: „Du bist gerade richtig wütend“ oder „Das hat Dich sehr getroffen, oder?“

Vielleicht sitzt Ihr einfach nebeneinander auf dem Sofa. Vielleicht dauert es ein paar Minuten, bis Worte kommen. Das ist in Ordnung. Allein Eure ruhige Präsenz signalisiert: Du bist nicht allein, ich halte das mit Dir aus.

Solche kleinen Gesten können in einem emotionalen Moment mehr bewirken, als jede schnelle Lösung. Sie schaffen Sicherheit und helfen Eurem Kind, die eigenen Gefühle Schritt für Schritt einzuordnen.

Mit Kindern über Gefühle reden

Wenn Herausforderungen länger anhalten oder viele Fragen im Raum stehen, brauchen Eure Kinder Worte für das, was sie fühlen. Vielleicht kommen Fragen wie: „Warum ist das so?“ oder „Geht das wieder weg?“ Manchmal reagieren Kinder auch mit Rückzug, Wut oder ungewöhnlichem Verhalten, weil sie ihre Gefühle noch nicht benennen können.

Viele Eltern fragen sich in solchen Momenten: Wie erklären wir das, ohne Angst zu machen? Wie ehrlich dürfen wir sein, wenn wir selbst noch unsicher sind?

Hilfreich ist es, altersgerecht und klar zu sprechen. Ihr müsst keine perfekten Antworten haben. Ein Satz wie „Wir wissen gerade noch nicht alles, aber wir kümmern uns darum“ kann schon Sicherheit geben. Wichtig ist, Gefühle nicht kleinzureden, sondern sie ernst zu nehmen. Wenn Euer Kind sagt „Ich habe Angst“, dann darf diese Angst da sein.

Praktische Impulse und Formulierungsbeispiele findet Ihr in diesem Artikel „Mit Kindern über Krisen sprechen“ der BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER. Dort bekommt ihr auch konkrete Anregungen, wie einfühlsame Gespräche in schwierigen Situationen gelingen können. Außerdem findet Ihr in diesem Interview noch weitere Strategien, worauf es bei der Bewältigung von Krisen ankommt.

Alltagsroutinen geben Sicherheit

Wenn außen vieles wackelt, brauchen Kinder innen Stabilität. Routinen wirken wie ein Anker. Auch wenn vieles unsicher ist, manches bleibt verlässlich, so wie die Erziehung.

Feste Abläufe wie ein gemeinsames Frühstück oder das abendliche Vorlesen, geben Orientierung und beruhigen. Nicht jeder Tag läuft perfekt, das muss er auch nicht. Entscheidend ist die Wiederholung. Schon einfache Rituale können viel bewirken:

  • Ein fester Wochenplan mit bewusst eingeplanten Familienzeiten
  • Gemeinsames Abendessen ohne Medien, auch wenn es nur 20 Minuten sind
  • Eine ruhige Kuschelzeit oder ein Gespräch vor dem Schlafengehen
  • Ein wöchentlicher „Check-in“, bei dem jeder erzählen darf, was ihn beschäftigt

LESETIPP: Rituale schaffen Sicherheit im Familienalltag

Solche Gewohnheiten stärken nicht nur Struktur. Sie schaffen Verbindung. Und genau diese Verbindung hilft Kindern, schwierige Phasen besser zu verarbeiten.

Eigene Gefühle anerkennen und teilen

Viele Eltern haben das Gefühl, sie müssten in schwierigen Zeiten vor allem stark wirken. Unsicherheit zu zeigen, fällt nicht leicht. Doch Kinder spüren sehr genau, wie es Euch geht. Wenn zwischen dem, was ihr fühlt, und dem, was ihr zeigt, eine große Lücke entsteht, verunsichert das eher.

Das bedeutet nicht, dass ihr Eure Sorgen ungefiltert weitergeben sollt. Aber eine ehrliche, altersgemäße Einordnung hilft. Wenn ihr eigene Gefühle benennen könnt, lernen Eure Kinder, dass Unsicherheit zum Leben dazugehört und dass man mit ihr umgehen kann.

Ihr könnt zum Beispiel sagen:

  • „Ich finde die Situation gerade auch schwierig.“
  • „Ich bin unsicher, aber wir überlegen gemeinsam, was wir tun können.“
  • „Ich mache mir Gedanken, aber ich bin für Euch da.“

Solche Sätze vermitteln zweierlei: Gefühle dürfen da sein und gleichzeitig bleibt Ihr handlungsfähig. Genau diese Kombination aus Ehrlichkeit und Verlässlichkeit gibt Kindern Stabilität, auch wenn außen vieles unsicher wirkt.

Unterstützung suchen und annehmen

In schwierigen Phasen entsteht schnell das Gefühl, alles selbst tragen zu müssen. Gerade Eltern denken oft: Wir sollten das alleine schaffen. Doch Familie bedeutet nicht, isoliert zu funktionieren. Auch starke Familien brauchen manchmal ein Netz.

Manchmal reicht schon ein offenes Gespräch mit vertrauten Menschen. Großeltern, Freunde oder Nachbarn können entlasten, zuhören oder ganz praktisch unterstützen, etwa bei der Kinderbetreuung oder im Alltag. In anderen Situationen tut es gut, eine neutrale Perspektive einzubeziehen. Pädagogische Beratungsstellen, Familienberatungen oder psychologische Fachkräfte, helfen dabei, Gedanken zu sortieren und neue Wege zu entwickeln. Das bedeutet nicht, dass etwas „schiefgelaufen“ ist. Es zeigt vielmehr, dass Ihr Verantwortung übernehmt, bevor Belastungen größer werden.

Gemeinsam stärker aus Krisen hervorgehen

Krisen sind keine Prüfungen, die man bestehen oder „überstehen“ muss. Sie sind Erfahrungen, die Euch als Familie prägen. Manches wird dadurch anstrengender. Manches wird klarer. Und oft wächst im Rückblick etwas, das vorher nicht da war: mehr Verständnis füreinander, mehr Zusammenhalt, mehr Vertrauen.

Wenn Ihr Eure Kinder ehrlich begleitet und zugleich Orientierung gebt, entsteht Sicherheit, auch wenn nicht sofort alles gelöst ist. Entscheidend ist, dass Ihr im Gespräch bleibt und füreinander da seid. Das macht Familien langfristig stark.


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