“Ihre Plazenta zeigt Verkalkungen” – dieser Satz beim Frauenarzt lässt wohl jede werdende Mutter erst einmal zusammenzucken. Tatsächlich ist eine verkalkte Plazenta aber in den allermeisten Fällen völlig harmlos und gehört zum ganz normalen Verlauf einer Schwangerschaft dazu.
Habt ihr diese Diagnose bei der letzten Ultraschalluntersuchung bekommen? Dann geht es euch vermutlich wie vielen anderen Schwangeren auch – die Sorge um das Baby steht plötzlich im Raum. Dabei handelt es sich bei der Verkalkung schlichtweg um einen natürlichen Alterungsprozess des Mutterkuchens.
Der Grund für die Verkalkung liegt in der Biologie selbst: Die Plazenta ist von Natur aus nur auf etwa 40 Schwangerschaftswochen ausgelegt. Wie schnell dieser Alterungsprozess voranschreitet, ist allerdings von Frau zu Frau völlig unterschiedlich. Manche Plazenten zeigen schon früh leichte Verkalkungen, andere bleiben bis kurz vor der Geburt weitgehend unverändert.
Was genau hinter der Plazentaverkalkung steckt, welche verschiedenen Schweregrade es gibt, und ob wirklich Grund zur Sorge besteht – all das erfahrt ihr in diesem Artikel. Wir schauen uns auch an, was die Verkalkung für den weiteren Verlauf eurer Schwangerschaft bedeutet.
Was ist eine verkalkte Plazenta?
Die Plazenta – im Volksmund Mutterkuchen genannt – ist während der Schwangerschaft euer Versorgungszentrum für das Baby. Sie kümmert sich um den kompletten Nährstoffaustausch zwischen euch und eurem Baby, filtert Schadstoffe heraus und produziert lebenswichtige Hormone. Wenn der Frauenarzt nun von einer verkalkten Plazenta spricht, klingt das erst einmal alarmierend. Doch was steckt eigentlich dahinter?
Der Mutterkuchen wird älter – ganz normal
Die Verkalkung der Plazenta ist nichts anderes, als ein natürlicher Alterungsprozess. Ein Organ, das auf gerade mal neun Monate Laufzeit ausgelegt ist, zeigt irgendwann Verschleißerscheinungen. Ab einem bestimmten Punkt erneuern sich die Zellen nicht mehr vollständig, altes Gewebe wird nur noch unvollständig abgebaut. Die Folge sind kleine Kalkablagerungen, die im Ultraschall als helle, weißliche Flecken sichtbar werden.
Interessant dabei: Jeder Körper tickt anders. Während manche Plazenten bis zum Schluss fast unverändert bleiben, bilden andere schon früh deutliche Verkalkungsherde aus.
Die Ursachen der Verkalkung
Der Hauptgrund liegt schlicht in der Vergänglichkeit des Organs. Die Plazenta hat eine Art eingebaute Selbstzerstörung – nach etwa 40 Wochen hat sie ihre Schuldigkeit getan. Dann verändert sich ihre Struktur, Gewebe stirbt ab und hinterlässt die typischen Kalkablagerungen.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gene mitbestimmen, wann und wie stark die Verkalkung einsetzt. Daneben beeinflussen aber auch äußere Faktoren den Prozess:
- Rauchen (Raucherinnen entwickeln oft frühere und stärkere Verkalkungen)
- Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck
- Schwangerschaftsinfektionen
- Hormonstörungen
Normal oder bedenklich? Der entscheidende Unterschied
Eine Verkalkung in den letzten Schwangerschaftswochen ist der absolute Normalfall. Fast jede Schwangere hat sie, und das Baby bekommt trotzdem alles, was es braucht.
Anders verhält es sich bei vorzeitigen oder besonders ausgeprägten Verkalkungen. Diese können tatsächlich die Versorgung des Ungeborenen beeinträchtigen und gehen häufig mit Grunderkrankungen einher. Euer Frauenarzt wird dann zu engmaschigeren Kontrollen raten.
Wichtig zu verstehen: Starke Verkalkungen und eine schwächelnde Plazenta (Plazentainsuffizienz) können zusammen auftreten, müssen aber nicht ursächlich miteinander verknüpft sein. Der Ultraschall zeigt eurem Arzt, ob die Verkalkung noch im grünen Bereich liegt, oder Grund zur näheren Beobachtung gibt.
Verkalkungsgrade und ihre Bedeutung
Sobald euer Frauenarzt eine verkalkte Plazenta diagnostiziert, kommt das Grannum-Klassifikationssystem ins Spiel. Dieses System geht auf Dr. Peter Grannum zurück, einen Gynäkologen, der sich intensiv mit dem Alterungsprozess der Plazenta beschäftigt hat. Seine Forschungsarbeit führte zu einer Einteilung, die heute noch Standard ist.
Grad I Grannum: Leichte Verkalkung
Grad I Grannum steht für die mildeste Form der Verkalkung. Diese tritt gegen Ende der Schwangerschaft bei fast jeder Frau auf – es ist schlichtweg ein natürlicher Prozess. Wer diese Diagnose bekommt, kann also beruhigt sein. Der Mutterkuchen zeigt hier lediglich normale Alterserscheinungen, die absolut zu erwarten sind.
Grad II Grannum: Mittelstarke Verkalkung
Bei Grad II sprechen Mediziner von einer “prominenteren” Verkalkung. Auch das ist in fortgeschrittenen Schwangerschaftswochen völlig unbedenklich. Dieser Grad hat normalerweise keinen Krankheitswert und erfordert keine besonderen Maßnahmen. Die Plazenta funktioniert trotz sichtbarer Verkalkungen weiterhin einwandfrei.
Grad III Grannum: Starke Verkalkung
Grad III bezeichnet die ausgeprägteste Form der Verkalkung. Hier wird euer Frauenarzt die Schwangerschaft genauer im Blick behalten. Aber auch das bedeutet nicht automatisch Gefahr – am Ende der Schwangerschaft kann selbst ein Grad III noch völlig normal sein.
Problematisch wird es erst, wenn dieser Grad bereits früh in der Schwangerschaft auftaucht. Dann könnte eine Grunderkrankung, wie Diabetes oder eine Schwangerschaftsvergiftung, dahinterstecken. Der Arzt wird in solchen Fällen die Plazentafunktion engmaschiger überwachen, um rechtzeitig zu erkennen, ob die Versorgung des Babys beeinträchtigt ist.
Wie zeigt sich die Verkalkung im Ultraschall?
Im Ultraschallbild erscheinen Verkalkungen als charakteristische weißliche Flecken im Plazentagewebe. Diese sind für geschulte Augen deutlich erkennbar und ermöglichen die Zuordnung zu den verschiedenen Grannum-Graden.
Ein wichtiger Punkt: Ihr selbst werdet von der Verkalkung nichts spüren. Weder Schmerzen noch andere Symptome deuten darauf hin. Erst die regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen bringen ans Licht, ob und in welchem Ausmaß Verkalkungen vorliegen – und ob diese Anlass zu genauerer Beobachtung geben.
Ursachen und Risiken einer frühzeitigen Verkalkung
Eine Verkalkung der Plazenta zeigt sich nicht bei jeder Schwangeren zur gleichen Zeit. Während Verkalkungen gegen Ende der Schwangerschaft völlig normal sind, gibt es Fälle, in denen sie deutlich früher auftreten. Wann wird es problematisch? Und welche Faktoren können dazu führen, dass die Plazenta schon vorzeitig altert?
Vorerkrankungen als Hauptauslöser
Oft stecken Grunderkrankungen hinter einer frühen oder besonders ausgeprägten Verkalkung. Die häufigsten Verursacher sind:
- Diabetes mellitus
- Präeklampsie oder Bluthochdruck
- Hormonstörungen
- Autoimmunerkrankungen
- Infektionen während der Schwangerschaft
Diese Erkrankungen beeinflussen die Durchblutung der Plazenta. Der Mutterkuchen bekommt nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe – und beginnt vorzeitig zu verkalken. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Plazentainsuffizienz, bei der der lebenswichtige Stoffaustausch zwischen euch und eurem Baby, nicht mehr richtig funktioniert.
Rauchen schadet der Plazenta massiv
Rauchen gilt als einer der größten Risikofaktoren für vorzeitige Verkalkung. Die rund 4.800 chemischen Substanzen im Tabakrauch landen nicht nur in eurer Lunge – sie erreichen auch die Plazenta und euer ungeborenes Kind.
Bei Raucherinnen zeigen sich daher Verkalkungen oft schon deutlich früher, als bei Nichtraucherinnen. Das Nikotin verengt die Blutgefäße, die Plazenta wird schlechter durchblutet, und altert schneller. Die Folge: eine mögliche Unterversorgung des Babys.
Gene und Veranlagung spielen mit
Auch eure Gene haben ein Wörtchen mitzureden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch die genetische Veranlagung bestimmt, wie schnell die Plazenta altert. Bei manchen Frauen setzt dieser Prozess früher ein, bei anderen später – ganz unabhängig vom Lebensstil.
Stress macht auch die Plazenta krank
Eine Studie der Universität Basel untersuchte über 75.000 schwangere Frauen. Das Ergebnis: Dauerstress durch belastende Lebensumstände, kann tatsächlich zu Veränderungen der Plazenta führen. Ob diese direkt mit Verkalkungen zusammenhängen, wird noch erforscht.
Tierstudien zeigen bereits eindeutige Belege für den Zusammenhang zwischen Stress und Plazentaschäden. Auch Umweltfaktoren, wie mangelnde Magnesiumversorgung, stehen im Verdacht, den Verkalkungsprozess zu beeinflussen.
Mögliche Folgen und ärztliche Maßnahmen
Nachdem wir uns jetzt mit den Grundlagen einer verkalkten Plazenta beschäftigt haben, steht für die meisten werdenden Mütter eine zentrale Frage im Raum: Welche Auswirkungen kann die Verkalkung haben? Und wann muss der Arzt handeln?
Ist eine verkalkte Plazenta gefährlich?
Eine verkalkte Plazenta ist in den allermeisten Fällen harmlos. Die Verkalkungen sorgen zwar dafür, dass einzelne Bereiche des Plazentagewebes weniger gut durchblutet werden. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass euer Baby schlechter versorgt wird.
Der Grund dafür ist simpel – sie verfügt über enorme Reservekapazitäten. Selbst wenn Teile des Gewebes durch Verkalkungen beeinträchtigt sind, können andere Bereiche diese Funktion übernehmen. Euer Baby bekommt also in den allermeisten Fällen, weiterhin alles, was es braucht.
Plazentainsuffizienz: Was steckt dahinter?
Eine Plazentainsuffizienz beschreibt eine Funktionsstörung des Mutterkuchens. Dabei ist der Stoffaustausch zwischen euch und eurem Kind gestört. Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Formen. Die chronische Variante kann tatsächlich mit stärkeren Verkalkungen einhergehen.
Wichtig zu wissen ist aber: Verkalkung und Insuffizienz können zusammenhängen, müssen es aber nicht zwangsläufig. Eine vermehrte Verkalkung ist nicht automatisch die Ursache für eine Plazentainsuffizienz.
Falls es doch zu einer Insuffizienz kommt, können sich langfristige Auswirkungen auf euer Baby ergeben:
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Gefäßprobleme im späteren Leben
Kündigt eine verkalkte Plazenta die Geburt an?
Das ist ein weit verbreiteter Mythos, den wir hier aufklären können: Eine verkalkte Plazenta ist kein zuverlässiges Anzeichen für einen baldigen Geburtsbeginn. Auch wenn Verkalkungen zum Ende der Schwangerschaft zunehmen, gibt es keinen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen dem Verkalkungsgrad und dem Einsetzen der Wehen.
Wann wird medizinisch eingegriffen?
Eine Geburtseinleitung kommt normalerweise erst nach der 37. Schwangerschaftswoche in Frage – und auch nur dann, wenn tatsächlich eine Unterversorgung oder Wachstumsprobleme festgestellt werden. Ein Kaiserschnitt ist bei verkalkter Plazenta nicht automatisch erforderlich. Solange alle Werte stimmen, kann die Schwangerschaft auch mit verkalkter Plazenta normal verlaufen.
Überwachung und medizinische Betreuung
Hat euer Arzt eine frühe oder starke Verkalkung festgestellt, wird er die Schwangerschaft engmaschiger überwachen. Das bedeutet häufigere Ultraschalltermine, bei denen Wachstum und Versorgung eures Babys kontrolliert werden. Manchmal kommt auch eine Doppler-Sonographie zum Einsatz – damit lassen sich die Durchblutung der Plazenta und der Gefäße genauer beurteilen.
Bei Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, ist eine optimale Einstellung der Werte besonders wichtig. Hier arbeitet euer Frauenarzt eng mit anderen Fachärzten zusammen, um die bestmögliche Betreuung zu gewährleisten.
Fazit
Die Diagnose “verkalkte Plazenta”, klingt zunächst bedrohlich, entpuppt sich aber fast immer als ganz normaler Teil des Schwangerschaftsverlaufs. Euer Körper macht genau das, was die Natur für ihn vorgesehen hat.
Sollte euer Frauenarzt bei der nächsten Untersuchung Verkalkungen feststellen, ist das noch lange kein Grund zur Panik. Die allermeisten Verkalkungen sind völlig harmlos und zeigen lediglich, dass die Plazenta ihren Job macht. Nur in seltenen Fällen – besonders bei sehr frühen oder sehr ausgeprägten Verkalkungen – sind zusätzliche Kontrollen nötig.
Was könnt ihr selbst tun? Verzichtet auf das Rauchen, falls ihr das noch nicht getan habt. Achtet bei Vorerkrankungen, wie Diabetes oder Bluthochdruck, auf eine gute Einstellung eurer Werte. Ansonsten gilt: Vertraut eurem Körper und eurem Baby, und eurem Geburtsteam.
Die Plazenta ist ein echtes Wunderorgan mit enormen Reserven. Selbst wenn Teile davon nicht mehr ganz so frisch sind, wie am Anfang der Schwangerschaft, funktioniert sie meist bis zur Geburt einwandfrei. Die Natur hat schließlich 40 Wochen eingeplant – und das aus gutem Grund.
FAQs zur verkalkten Plazenta:
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