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Die Windpocken (Varizellen) – von den Symptomen bis zur Behandlung

von Jacqueline Esser
Die Windpocken

Die Windpocken gelten als typische Kinderkrankheit, gegen die ein lebenslanger Schutz besteht, sobald die Erkrankung durchlaufen wurde. Seit 2004 empfiehlt die STIKO für alle Kinder im ersten Lebensjahr, die Impfung gegen Windpocken. Der Verlauf der Erkrankung im Kindes- und Jugendalter ist meist relativ harmlos. Im Erwachsenenalter kommt es jedoch auch noch heute zu Todesfällen in Folge einer Windpocken-Infektion.

Windpocken zählen zu den hochansteckenden Viruserkrankungen. Die durch die Virazellen (so werden die Viren der Windpocken genannt) entstehenden Bläschen rufen einen starken Juckreiz hervor. Charakteristisch sind die mit klarer Flüssigkeit gefüllten Bläschen, am gesamten Körper zu finden. Meist treten Windpocken in der Kindheit und Jugend auf. Dies ist der Grund, warum die Erkrankung als Kinderkrankheit bekannt wurde. Doch auch Erwachsene können sich mit den Windpocken infizieren, und erleben in den meisten Fällen einen schwereren und komplikationsreicheren Krankheitsverlauf.

Die Windpocken gehören mittlerweile zur klassischen Standardimpfung für Säuglinge

Im Jahr 2004 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen die Virazellen-Zoster-Viren, die für die Windpocken verantwortlich sind, empfohlen. Seitdem ist sie fest im STIKO-Impfplan enthalten und gehört für Kinderärzte zur Standart-Impfung.

Zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat wird hierbei die erste Impfdosis verabreicht. Eine zweite erfolgt im Alter zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat eines Kindes.

Oftmals findet die Windpocken-Impfung in Verbindung mit der Masern-Mumps-Röteln Impfung statt. Diese Impfung gibt es, als sogenannte 4 Fach-Impfung, bei der alle vier Impfstoffe gleichzeitig enthalten sind.
Nach der letzten Impfdosis, tritt eine lebenslange Immunisierung durch die Bildung von Antikörpern in Kraft.
Eine Impfung ist übrigens auch für Erwachsene, die nachweislich keine Antikörper gegen die Windpocken im Blut haben, möglich und ratsam.

Hochansteckende Schmier-und Tröpfcheninfektion

Die Windpocken gelten als eine der höchstansteckenden Virusinfektionen überhaupt. Man kann sich das Virus über eine Tröpfcheninfektion, als auch durch eine Schmierinfektion einfangen. Es genügt. wenn ein mit den Windpocken infizierter Mensch hustet oder niest, oder wenn sich beim Sprechen Speichel mit der Raumluft vermischt. Schon kann der Gesprächs- oder Sitzpartner bereits ebenfalls erkranken.

Bei der Schmierinfektion handelt es sich um virushaltige Flüssigkeiten, die aufgenommen werden. Dies geschieht beispielsweise, wenn man mit der Flüssigkeit aus den Bläschen in Berührung kommt, und sich danach an Augen, Mund oder Nase fasst. So gelangen die Erreger durch die Schleimhäute, in den Blutkreislauf und vermehren sich dort.

Lange Inkubationszeit sorgt für viele weitere Infektionen

Die Inkubationszeit (also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome), beträgt bei den Windpocken stolze 8 – 28 Tage. In dieser Phase ist der Erkrankte, ohne selbst von der Infektion zu wissen, bereits hoch ansteckend. So kommt es nicht selten vor, dass beispielsweise ganze Kindergartengruppen oder Schulklassen gleichzeitig an Windpocken erkranken. Erst wenn jedes einzelne Pocken-Bläschen ausgetrocknet und verkrustet ist, besteht endgültig kein Ansteckungsrisiko mehr.

Symptome

Gefüllte Bläschen und starker Juckreiz sind charakteristisch für Windpocken

Die Windpocken kündigen sich häufig bereits 1-2 Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags an. Dabei tritt Fieber, Schwäche und Abgeschlagenheit, sowie enorme Müdigkeit auf. Erst danach bilden sich am Körper kleine rote Flecken, die sich innerhalb von wenigen Stunden mit klarer Flüssigkeit, zu Bläschen füllen. Relativ schnell entwickelt sich auch der starke Juckreiz, der oft dazu führt, dass Kinder sich blutig kratzen. Etwa 5 Tage lang können immer weitere Bläschen entstehen, welche alle nach etwa 2-3 Tagen austrocknen und verkrusten. Das Fatale – der Juckreiz bleibt auch noch bei verkrusteten Blasen bestehen. Die Anzahl der Blasen auf dem Körper kann dabei zwischen 250 und 500 Stück liegen. Kleinere Kinder entwickeln häufig weniger Blasen, als Jugendliche oder Erwachsene.

Bilder der Windpocken-Symptome:

  • Mit Flüssigkeit gefüllte Windpocken (Bild: ©
  • Windpocken im Gesicht eines Mädchens
  • Mit Flüssigkeit gefüllte Windpocken
  • Windpocken treten auch an der Fußsohle auf

Die Verteilung der Blasen ist großflächig und von hohem Fieber begleitet

Der Ausschlag beginnt am Rumpf. Auf der Brust und dem Rücken zeigen sich zuerst rote Flecken, welche schnell zu den Bläschen werden. Danach wandert der Ausschlag auf die Arme und Beine. Das Gesicht und die Kopfhaut sind ebenfalls häufig betroffen. Sind Hände und Füße betroffen, können die Kinder diese oft nur unter Schmerzen bewegen und nutzen. Genitalien und Mundschleimhaut sind hingegen seltener befallen. Aber es kommt vor.

Begleitet wird der Hautausschlag von hohem Fieber bis zu 40° Celsius. Durch den starken Juckreiz kratzen sich leider gerade jüngere Kinder oft die Haut und die Blasen auf. Diese offenen Stellen können sich dann zusätzlich mit Bakterien infizieren. An diesem Punkt drohen ziemlich unangenehme Entzündungen. Da die Gefahr des Aufkratzens und von Entzündungen ziemlich groß ist, hinterlassen die Windpocken nach der Genesung leider häufig kleine Narben auf der Haut.

Diagnostik

Der Arzt erkennt eine Windpockeninfektion auf den ersten Blick

Um eine Windpockendiagnose zu stellen, wird der behandelnde Arzt zuerst eine Anamnese (Vorgeschichte des Patienten) durchführen. Dazu fragt er ab, welche Beschwerden bestehen und wann diese das erste Mal aufgetreten sind. Ebenfalls wird gefragt, ob Kontakt zu einer mit Windpocken infizierten Person bestand, und wann dieser stattfand. So kann der Arzt in etwa die jeweilige Inkubationszeit bestimmen. Danach findet die körperliche Untersuchung statt. Der Arzt untersucht dabei den gesamten Körper und sieht sich den Ausschlag und die Bläschen genau an. Es wird die Körpertemperatur bestimmt und die Lunge abgehört.

Eine Windpockeninfektion muss immer dem Gesundheitsamt gemeldet werden

Stellt der Arzt die Diagnose Windpockeninfektion, muss er dies zwingend dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Dort werden alle Fälle (mit Namen der Patienten) gesammelt und gespeichert. Sollte jemand in Folge seiner Windpocken-Erkrankung versterben, muss auch dies an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Amt speichert diese Daten, um bei einer möglichen Häufung der Infektionen, die Infektionsketten gut nachvollziehen zu können. So kann eine weitere Verbreitung der Windpocken schnell und konsequent unterbunden werden.

Zusätzliche Untersuchungen zur schnellen Diagnose bei Risikopatienten

Bei einer Infektion mit Windpocken, kann es für bestimmte Personengruppen zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Zu den sogenannten Risikopatienten zählen immunschwache Erwachsene, Schwangere und Neugeborene. In diesen Fällen sind weitere Untersuchungen möglich, um eine schnelle und aussagekräftige Diagnose über mögliche Komplikationen stellen zu können. Dabei stehen mehrere Untersuchungsvarianten zur Verfügung:

  • Der direkte Nachweis : Dabei wird nach dem Erbgut der Varizellen gesucht. Dies kann in der Flüssigkeit der Bläschen, dem Blut oder der Rückenmarksflüssigkeit ( Liquor) gefunden werden.
  • Der indirekte Nachweis: Dabei wird nach Antikörpern gegen das Virus, im Blut oder der Rückenmarksflüssigkeit gesucht.
  • Nachweis in der Schwangerschaft: Entnahme und Untersuchung des Fruchtwasser oder durch eine Nabelschnurpunktion.

Behandlung

Eine Behandlung von Windpocken erfolgt lediglich durch Linderung der Symptome

Ein Medikament, das die Windpocken schnell abheilen lässt, gibt es leider nicht. Es können lediglich die Symptome und Begleiterscheinungen gelindert werden. Zu diesen zählen der starke Juckreiz, das Fieber und mögliche Entzündungen der Bläschen.

Der Juckreiz kann mit Cremes gelindert werden. (Bild: © Halfpoint / Adobe Stock)

Um den Juckreiz zu lindern, können zinkhaltige Cremes und Lotionen auf die Bläschen aufgetragen werden. Auch Puder, der mit Zink oder Polidocanol versehen ist, mildert das Jucken und trocknet die Bläschen schneller aus. Tägliches Baden oder Duschen, und das vermeiden von Wärme (Schweiß erhöht den Juckreiz), kann ebenfalls helfen. Damit gerade kleinere Kinder sich Nachts nicht blutig kratzen, sollten die Fingernägel möglichst kurz gehalten werden und eventuell Handschuhe/Fäustlinge getragen werden. Bei hohem Fieber kann das Fiebermittel des Vertrauens gegeben werden.

Verlauf

Der Verlauf der Krankheit ist meistens schnell und komplikationslos

Bei Kindern und Jugendlichen verlaufen die Windpocken in der Regel harmlos und komplikationslos. Vom ersten Erscheinen des Hautausschlags, bis zum Abheilen aller Bläschen, dauert es in der Regel zwischen 7 und 10 Tage. Durch eventuelle Entzündungen einzelner Bläschen mit Bakterien, kann sich die Heilung um wenige Tage verlängern. Jedoch verheilen auch diese Entzündungen in der Regel ohne Komplikationen.

Mögliche Komplikationen

Bei Erwachsenen können Windpocken schwere Komplikationen hervorrufen

  • Wie bei vielen anderen als typische Kinderkrankheit bekannten Infektionen, haben auch die Windpocken im Erwachsenenalter wesentlich schwerwiegendere Verläufe. Die häufigste Komplikation ist die Varizellenpneumonie. Eine durch die Varizellen ausgelöste Lungenentzündung bleibt lange unbemerkt und äußert sich durch Atemnot und Sauerstoffmangel im Blut. Die Lungenentzündung ist die häufigste Todesursache im Zusammenhang mit einer Winpockenerkrankung im Erwachsenenalter.
  • Aber auch das Nervensystem kann durch die Windpocken-Erreger angegriffen werden. Dies äußert sich durch Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnislücken und Verwirrtheit. Ebenfalls kann es zu Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) und der Hirnhaut (Meningitis) kommen.
  • Weitere mögliche Komplikationen sind Herzmuskel – Nieren – und Gelenkentzündungen. Auch die Hornhaut am Auge kann Schäden durch die Windpocken zurückbehalten.

Besonders gefährlich sind Windpocken für Schwangere und ihr ungeborenes Kind

Infizieren sich schwangere Frauen mit Windpocken, kann über die Plazenta auch das ungeborene Kind infiziert werden. Geschieht dies in den frühen Schwangerschaftswochen, endet die Schwangerschaft ledier häufig in einer Fehlgeburt. Doch auch wenn die Schwangerschaft bestehen bleibt, kann das ungeborene Kind schwerwiegende Folgen davon tragen. Das fetale Varizellen Syndrom ( FVS) kann zu Fehl- und Missbildungen im Skelett und Nervensystem führen. So können Krampfanfälle, Spastiken und Entwicklungsverzögerungen, aber auch Fehlbildungen an den Extremitäten die Folge sein. Auch Hautveränderungen in Form von Geschwüren und Narben können auftreten.


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