Wenn sich ein neuer Erdenbürger bei seinen Eltern ankündigt, kommen auch irgendwann Fragen auf, wie man mit dem Baby im Alltag mobil bleiben kann. Reicht ein Kinderwagen aus, oder möchte man auch unterwegs die Nähe zum Säugling so eng wie möglich halten? Zur Wahl stehen beim Tragen das Tragetuch und die Babytrage. Wir haben beide Möglichkeiten genauer unter die Lupe genommen und  (auch aus eigener Erfahrung) die Vor- und Nachteile zusammengefasst.

Das Tragen bietet Nähe und Geborgenheit

Zuallererst möchten wir auf die Vorteile des Tragens im Allgemeinen eingehen. Von Geburt an haben alle Säuglinge (in unserem Fall die Traglinge) ein Grundbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit zu ihren Eltern. Auch Eltern genießen das enge Zusammensein und Kuscheln mit ihrem Schützling. Die Beziehung zueinander wird dadurch nachhaltig auf beiden Seiten gestärkt. So kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und auch im Haushalt und Garten die Bindung zum Baby intensivieren, während man beide Hände frei hat, um anfallende Aufgaben zu erledigen. Durch das angenehme Schaukeln schlafen die Kleinen (meistens) schnell und ruhig ein.

Auch für Väter ist das Tragen eine wundervolle Gelegenheit eine ganz besondere Bindung zum Sprössling aufzubauen. Hatte doch die Mutter schon 40 Wochen körperliche Nähe während der Schwangerschaft zum Säugling, so bietet sich das Tragen nach der Geburt auch für alle Väter an, um diesen Kontakt zumindest ein kleines Bisschen nachzuempfinden.

Große Vorteile ergeben sich, bei korrekter Anwendung, für die Gesundheit und die Entwicklung des Traglings. Wie schon beschrieben wird die Eltern-Kind Beziehung vertieft und durch die face-to-face Haltung lernt das Baby, anhand der Mimik und Sprache seiner Eltern, verschiedenste Gefühle zu identifizieren, um sie später selbst anzuwenden. Es ist wichtig, die face-to-face Haltung anzuwenden. Das heißt, dass das Baby immer mit dem Gesicht zur Mutter getragen wird, also Bauch an Bauch.

Eine Haltung, bei welcher das Baby mit dem Rücken zum Elternteil getragen wird, empfiehlt sich nicht! Zum einen, weil die Sehweite bei den ganz kleinen nur 20-30 Zentimeter beträgt und es zu vielen Reizen ausgesetzt ist und zum anderen, weil die Hüfte irreversible Schäden davontragen kann. Dagegen beugt die face-to-face Haltung Hüftschäden vor, vorausgesetzt, dass das Tuch richtig gebunden ist, oder eine gute Trage ordentlich anliegt.

Bei der richtigen Anwendung, ergibt sich bei den Traglingen die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung, auch M-Position genannt. Die Beine sind dabei bis auf die Höhe des Nabels angewinkelt und nach außen gerichtet, sodass die Hüfte nach vorne gelagert ist und der Rücken rund ist. Dadurch entstehen keine Belastungen für den kleinen Tragling.

 Und nun zur alles entscheidenden Frage: Tragetuch oder Babytrage?

Eines vorweg: Welche Variante es am Ende sein wird, ist reine Geschmackssache! Die Einen bevorzugen das Tragetuch, während andere Eltern lieber auf die Babytrage zurückgreifen. Viele benutzen auch beide Varianten, je nach Laune oder „Einsatzgebiet“.

Um eine Entscheidung zu treffen empfiehlt es sich, sich nach der Geburt bei einer Trageberaterin, der Hebamme oder im Fachgeschäft ausführlich beraten zu lassen und verschiedene Tragen und Tücher zu testen, um so die beste Variante für sich persönlich zu finden.


Das Tragetuch:

Baby bei Papa in Tragetuch

Neugierig und entspannt die Welt entdecken. Das Tragetuch macht es möglich. (Bild: © Andrey Bandurenko / Adobe Stock)

Es ist die älteste Form des Tragens. Das Tragetuch kann von Geburt an verwendet werden und lässt sich auf die verschiedensten Weisen binden. So können die Traglinge vor den Bauch (face-to-face), in Wiegeposition, auf der Hüfte und auf dem Rücken der Eltern einen wohligen Platz finden. Bei Frühchen eignen sich Tragetücher am besten. Es lässt sich für jeden eine Trage- oder Bindevariante finden. Allerdings möchte das richtige Binden gelernt sein! Doch bekannterweise macht Übung den Meister und eine Trageberaterin, oder die Hebamme, sind gerne dabei behilflich.

Auch auf diversen Videoplattformen finden sich Anleitungen zum richtigen Binden. Tragetücher sind in zwei verschiedenen Stoffarten erhältlich. Jerseystoffe sind sehr weich und elastisch, es gibt weniger Bindemöglichkeiten und bei Kindern, die etwas schwerer sind, gibt der Stoff leicht nach. Beliebter sind hier gewebte Tücher, welche durch eine spezielle Webtechnik elastisch sind und dennoch einen sicheren Halt geben. Das Baby wird darin gut gestützt.

Tragetücher, ob nun aus Jersey oder gewebtem Stoff, gibt es in allen möglichen Farben und Mustern, jedoch sollte es beiden Eltern gefallen. Väter, die ihr Kind im pinken Tuch umhertragen (wollen), sind eher rar gesät. Zudem kommt es auf die richtige Größe des Tuchs an. Diese sollte sich an der Körpergröße des Tragenden und an der Tragevariante orientieren. Auf den Internetseiten der verschiedenen Hersteller finden sich Tabellen, an welchen man ablesen kann, welche Größe zum Tragenden passt. Bei Zwillingen ist es möglich, zwei Tücher zu benutzen und so beide Kinder zu tragen.

Bei den Tragetüchern sind die von Hoppediz, Didymos, Amazonas und Moby Wrap die absoluten Spitzenreiter.


Die Babytrage:

Babytrage mit Mama unterwegs

So schön kann es sein Mama im Haushalt zu helfen! In der Babytrage ist man immer dabei. (Bild: © Halfpoint / Adobe Stock)

Das Angebot an Babytragen scheint schier endlos zu sein. Schwer, da die richtige zu finden. Leider sind nicht alle auf dem Markt erhältlichen Tragen auch gleichzeitig gut, oder gar gesund, für das Baby. Diese „schwarzen Schafe“ unter den Tragen lassen sich für Neulinge auf dem Gebiet auf den ersten Blick nicht von Babytragen unterscheiden, die eine richtige Anhock-Spreiz-Haltung ermöglichen.

Fragen die man sich beim Kauf einer Babytrage stellen sollte sind:

  • Kann das Baby gesund sitzen?
  • Wächst die Trage mit?
  • Ist der Kopf gut gestützt?
  • Passt sich die Trage dem Rücken des Kleinen an?
  • Ist die Trage auch für beide Eltern bequem, wo liegt der Schwerpunkt beim Tragen?
  • Wie sicher ist die Trage?

Eine Trage bietet den Vorteil, dass man sie nicht immer erst binden muss. Gute Babytragen lassen sich mit nur wenigen Handgriffen auf die eigene Größe einstellen und sind ab dann immer einsatzbereit. Die Kleinen sind vor dem Bauch, auf dem Rücken und auf der Hüfte tragbar, allerdings nicht bei allen Modellen. Auch für Zwillinge gibt es geeignete Babytragen.

Besonders durchgesetzt haben sich die Babytragen von manduca, Ergobaby und Mei Tai. Sie garantieren die korrekte Haltung des kleinen Sprösslings und werden von Hebammen und Kinderärzten gleichermaßen empfohlen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut in Ordnung.

Häufig gewarnt wird vor Tragen der Marke Baby Björn, da diese in keiner Position eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung ermöglichen, da der Steg, auf dem das Baby sitzt zu schmal ist.


Es ist also gar nicht so leicht, die passende Tragevariante zu finden. Es ist und bleibt Geschmackssache. Womit die einen Eltern sehr zufrieden sind, können sich die anderen nicht anfreunden. Trotzdem kann es auf keinen Fall schaden, sich auch einmal im Familien- und Bekanntenkreis umzuhören und die dort genutzten Varianten auszuprobieren. Vielleicht findet sich schon spontan die passende Lösung.


Über den Autor

Susanne Vonden

Susanne ist eine junge zweifache Mutter. Sie hat ein quirliges und buntes Wesen, mit der Tendenz zur "Super-Mami". Mit Neugierde und Köpfchen breitet sie ihre Fühler als Autorin für unser Magazin aus.

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