Der 6. Januar ist auch heute noch für viele Deutsche mehr, als nur ein weiterer Tag im noch neuen Jahr. Während die einen bereits wieder im Arbeitsalltag angekommen sind, feiern andere noch immer. Denn der Dreikönigstag markiert einen der ältesten christlichen Feiertage überhaupt. Doch was steckt eigentlich hinter diesem besonderen Tag? Und warum klingelt es am 6. Januar an so vielen Haustüren, während Kinder in bunten Gewändern, zu Ehren der “Heiligen drei Könige”, von Haus zu Haus ziehen?
Was ist der Dreikönigstag?
Die Sache mit den freien Tagen ist in Deutschland bekanntlich kompliziert – und der 6. Januar macht da keine Ausnahme. Während Menschen in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt an diesem Tag entspannt ausschlafen können, müssen alle anderen ganz normal zur Arbeit. Der Dreikönigstag, auch als “Heilige Drei Könige” oder im kirchlichen Sprachgebrauch als “Erscheinung des Herrn” (Epiphanias) bekannt, spaltet Deutschland geografisch.
Das Herzstück dieses besonderen Tages bildet eine Geschichte aus dem Matthäusevangelium: Drei Weise aus dem Morgenland folgen einem besonderen Stern, um das neugeborene Jesuskind zu finden. Diese Sterndeuter – die später die Namen Caspar, Melchior und Balthasar erhielten – brachten kostbare Gaben mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Interessant dabei: Die Bibel nennt sie nie explizit “Könige”. Diese Vorstellung entstand vermutlich erst durch ihre wertvollen Geschenke.
Eine Sache, die ich beim Einlesen für diesen Beitrag besonders spannend fand, war folgendes: Epiphanias gehört zu den ältesten christlichen Festen überhaupt. Schon zu Beginn des dritten Jahrhunderts finden sich erste Belege für dieses Hochfest in Ägypten. Der Dreikönigstag ist damit sogar ein gutes Stück älter, als unser heutiges Weihnachtsfest. Das zeigt, welche Bedeutung die frühen Christen diesem Tag schon damals beimaßen.
Der Name “Epiphanias” kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet “Erscheinung” – gemeint ist das Sichtbarwerden Gottes in der Welt. Die christliche Tradition verbindet mit diesem Tag gleich mehrere bedeutsame Ereignisse: den Besuch der Weisen, die Taufe Jesu im Jordan – und sein erstes Wunder bei der Hochzeit zu Kana. All diese Situationen betonen im Blick der Christen die göttliche Natur und Mission Jesu.
Mit dem 6. Januar endet offiziell die Weihnachtszeit und die zwölf geheimnisvollen Rauhnächte, die am 25. Dezember beginnen. In vielen Familien wird der Weihnachtsbaum an diesem Tag zum letzten Mal angezündet, bevor der Schmuck wieder für fast ein Jahr lang in die Kartons wandert.
Regional gibt es durchaus Unterschiede: Im süddeutschen und alpinen Raum spricht man vom “Hochneujahr” oder vom “Großen Neujahr”. Unsere Nachbarn in Italien und Spanien handhaben es nochmal ganz anders. Dort findet die Bescherung tatsächlich erst am Dreikönigstag statt. Deutschland liegt also gewissermaßen zwischen den weihnachtlichen Welten.
Welche Bräuche gibt es am Dreikönigstag?
Am 6. Januar erwachen in deutschen Städten und Dörfern jahrhundertealte Traditionen zum Leben. Besonders in katholischen Regionen gehören diese Bräuche noch heute fest zum Jahresrhythmus. Manch einer wartet gespannt darauf, ob die Sternsinger auch wieder vor der eigenen Haustür stehen werden.
Sternsinger und Haussegen
Auch wenn diese Tradition vielerorts mangels freiwilliger Helfer ein wenig einschläft, kennen die meisten von uns diese kleinen Gestalten in “königlichen Gewändern”, die an diesem Tag durch die Straßen ziehen.
Das Sternsingen reicht bis ins Mittelalter zurück und ist heute einer der bekanntesten Bräuche dieses besonderen Tages. Ausgestattet mit Kreide, einem Stern und oft selbst gebastelten Kronen, ziehen Kinder und Jugendliche als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet, von Haus zu Haus.
Über jede Haustür schreiben sie mit Kreide die Jahreszahl und das Kürzel “C+M+B” – das steht für “Christus Mansionem Benedicat”, zu Deutsch “Christus segne dieses Haus”. Viele Menschen deuten die Buchstaben aber auch als die Anfangsbuchstaben der drei Könige.
Seit 1959 gibt es die “Aktion Dreikönigssingen”, die sich zur größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt hat. Jahr für Jahr beteiligen sich rund 330.000 Mädchen und Jungen sowie etwa 90.000 erwachsene Begleiter daran. Durch ihren Einsatz können jährlich gut 2.000 Kinderhilfsprojekte weltweit unterstützt werden. Da wird aus einem alten Brauch plötzlich moderne Hilfe, die Kontinente überwindet.
Dreikönigswasserweihe
Manche Traditionen sind so alt, dass sie schon die ersten Christen kannten. Die Dreikönigswasserweihe gehört dazu. Sie reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück. An diesem Tag werden im Gottesdienst Wasser, Salz, Weihrauch und Kreide geweiht. Dem geweihten Wasser schreibt der Volksglaube besondere Kräfte zu. Es soll vor Unheil schützen und böse Mächte fernhalten.
Johannes Chrysostomos beschrieb diesen Brauch schon in der Antike: “Die Leute bringen um Mitternacht dieses Festes Wasser in Krügen, das sie geschöpft haben, nach Hause und bewahren es das ganze Jahr auf, weil heute dieses Wasser geheiligt ist“. Nach alter Überlieferung war man davon überzeugt, dass ein Schluck dieses Wassers vor Krankheiten schützt.
Ende der Rauhnächte
Der Dreikönigstag ist das Ende der Rauhnächte. Zwölf Nächte lang sollen nach uraltem Glauben, die “höllischen Mächte” gegen die Geburt des Heilands rebellieren. Eine Vorstellung, die bis heute viele Menschen beschäftigt.
Besonders am Vorabend des 6. Januar greifen viele Familien zu einem besonderen Ritual: dem Räuchern. Kräuter, Weihrauch und Myrrhe werden dabei verräuchert, um Schutz und Segen für Haus und Hof zu erbitten. Und während der Duft durch die Räume zieht, wird in vielen Häusern der Weihnachtsbaum ein letztes Mal angezündet und anschließend abgeschmückt.
Was bedeuten die Gaben der Heiligen Drei Könige?
Die drei Geschenke, die Caspar, Melchior und Balthasar dem neugeborenen Jesus mitbrachten, waren alles andere als willkürlich gewählt. Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Gold – Symbol für Königtum
Gold fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden. Als edelstes aller Metalle verkörpert es Reichtum, Macht und Unvergänglichkeit. Was Gold so besonders macht? Es rostet niemals, läuft nicht an und behält seinen strahlenden Glanz selbst nach tausend Jahren im Boden. Genau deshalb galt es in der antiken Welt als das einzig angemessene Geschenk für einen König. Und für die Weisen aus dem Morgenland war Jesus nichts Geringeres, als der “König der Könige”.
Der Überlieferung nach war es Melchior, der älteste der drei Weisen, der das Gold überbrachte. Einer Legende zufolge formte er es zu einem goldenen Apfel, der wohl die Vollkommenheit der gesamten Welt symbolisieren sollte.
Weihrauch – Zeichen für Göttlichkeit
Weihrauch stammt aus den Wüstenregionen der arabischen Halbinsel und Nordostafrikas. Das kostbare Harz wird aus der Rinde von Bäumen der Familie Burseraceae gewonnen. Caspar, der jüngste der drei Reisenden, soll dieses Geschenk überreicht haben.
Der aufsteigende Rauch des Weihrauchs galt in der Antike als “Brücke zwischen Himmel und Erde”. Er trug die Gebete und Bitten der Menschen direkt zu den Göttern. Als Gabe für das Jesuskind symbolisierte Weihrauch sozusagen die göttliche Natur.
Interessant: Moderne Forschung bestätigt offenbar heilende Eigenschaften von Weihrauch. Seine stark entzündungshemmenden, antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften erklären, warum er auch in der antiken Medizin schon sehr geschätzt wurde.
Myrrhe – Hinweis auf das Leiden
Das dritte Geschenk brachte eine düstere Prophezeiung mit sich. Myrrhe, ein Harz verwandt dem Weihrauch, wurde der Überlieferung nach von Balthasar mitgebracht.
Myrrhe fand in der Antike vielfältige Verwendung. Zur Einbalsamierung der Toten, in der Kosmetik und als Heilmittel. Das Harz wirkt desinfizierend, blutstillend und leicht betäubend.
LESETIPP: Der Dreikönigstag ist nur einer von vielen besonderen Tagen im Jahr. Findet hier eine riesige Aufstellung aller möglicher Feiertage, Welttage, Gedenktage und Aktionstage.
FAQs zum Dreikönigstag:
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