Eine Impfung gegen Krebs – und das bereits ab neun Jahren? Genau das macht die HPV-Impfung möglich. Sie schützt Mädchen und Jungen vor bestimmten Humanen Papillomviren. Diese Viren können viele Jahre nach einer Ansteckung unterschiedliche Krebsarten verursachen. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Das frühe Impfalter bedeutet nicht, dass Eltern davon ausgehen müssen, ihr Kind werde bald sexuell aktiv. Der Schutz soll bereits aufgebaut sein, bevor es irgendwann zum ersten engen intimen Kontakt kommt. Außerdem reagiert das Immunsystem in diesem Alter besonders gut auf die Impfung.
HPV-Impfung auf einen Blick
- HPV steht für Humane Papillomviren.
- Die Viren werden vor allem bei engen sexuellen Kontakten übertragen.
- Meist bleibt eine Infektion unbemerkt und heilt von selbst aus.
- Einige HPV-Typen können Genitalwarzen verursachen.
- Andere Typen können langfristig zu Krebs führen.
- Die STIKO empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren.
- In diesem Alter sind normalerweise zwei Impfungen notwendig.
- Versäumte Impfungen sollen vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden.
- Beginnt die Impfserie ab 15 Jahren, sind drei Impfungen erforderlich.
- Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten im empfohlenen Alter.
Was sind Humane Papillomviren?
Humane Papillomviren bilden eine große Gruppe unterschiedlicher Viren. Mittlerweile sind mehr als 230 HPV-Typen bekannt. Rund 40 davon können den Genital- und Analbereich befallen.
Unterschieden wird vor allem zwischen Niedrigrisiko- und Hochrisiko-Typen. Einige Niedrigrisiko-Typen können Genitalwarzen hervorrufen. Bestimmte Hochrisiko-Typen können dagegen über Jahre hinweg Zellveränderungen verursachen, aus denen sich Krebs entwickeln kann.
Eine Person kann sich im Laufe ihres Lebens mit mehreren HPV-Typen anstecken. Auch eine bereits überstandene Infektion schützt nicht zuverlässig vor einer erneuten Ansteckung.
Wie wird HPV übertragen?
HPV wird hauptsächlich durch engen Kontakt mit infizierter Haut oder Schleimhaut übertragen. Dafür ist nicht zwingend Geschlechtsverkehr notwendig. Eine Ansteckung kann bereits bei ersten intimen Berührungen und beim Petting stattfinden.
Mögliche Übertragungswege sind:
- enger Hautkontakt im Genital- und Analbereich
- vaginaler Geschlechtsverkehr
- Analverkehr
- Oralverkehr
- gemeinsame Benutzung von Sexspielzeug
Die Viren gelangen über kleinste Verletzungen der Haut oder über die Schleimhäute in den Körper. Körperflüssigkeiten müssen dabei nicht ausgetauscht werden.
Kondome können das Ansteckungsrisiko senken. Sie bedecken jedoch nicht die gesamte Haut im Genitalbereich und bieten deshalb keinen vollständigen Schutz vor HPV.
Neben HPV kann auch Hepatitis B durch sexuelle Kontakte übertragen werden. Gegen beide Infektionen gibt es Impfungen. Sie sind allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Impfkalender vorgesehen.
Wie häufig sind HPV-Infektionen?
HPV gehört zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. Die meisten Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal damit an.
Das hat nichts mit einem besonders riskanten Sexualverhalten oder häufig wechselnden Partnerinnen und Partnern zu tun. Schon der erste intime Kontakt kann für eine Übertragung ausreichen. Häufig wissen beide Beteiligten nicht, dass eine HPV-Infektion besteht. Eine Infektion lässt deshalb auch keine sicheren Rückschlüsse darauf zu, wann oder bei wem sich jemand angesteckt hat.
Welche Symptome verursacht HPV?
Die meisten HPV-Infektionen verursachen keine sichtbaren Beschwerden. Das Immunsystem beseitigt die Viren häufig innerhalb einiger Monate oder Jahre von selbst.
Bestimmte Niedrigrisiko-Typen können Genitalwarzen auslösen. Diese werden auch Feigwarzen oder Kondylome genannt. Sie zeigen sich als kleine, flache oder spitze Hautveränderungen im Genital- beziehungsweise Analbereich.
Genitalwarzen sind normalerweise gutartig. Sie können jedoch als unangenehm empfunden werden, jucken oder sich ausbreiten. Die hauptsächlich für Genitalwarzen verantwortlichen Virustypen gehören nicht zu den Hochrisiko-Typen, die den größten Teil der HPV-bedingten Krebserkrankungen verursachen.
Hochrisiko-Infektionen bleiben meist lange unbemerkt. Sie verursachen häufig erst dann Beschwerden, wenn bereits stärkere Zellveränderungen oder eine Krebserkrankung entstanden sind.
Welche Krebsarten können durch HPV entstehen?
Bleibt eine Infektion mit einem Hochrisiko-Typ über längere Zeit bestehen, können sich Zellen verändern. Aus solchen Veränderungen können sich zunächst Krebsvorstufen und später Krebserkrankungen entwickeln.
HPV kann unter anderem an folgenden Krebsarten beteiligt sein:
- Gebärmutterhalskrebs
- Scheidenkrebs
- Krebs an den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen
- Peniskrebs
- Analkrebs
- Krebs im Mund- und Rachenraum
Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit erkranken in Deutschland jährlich etwa 10.000 Menschen an HPV-bedingtem Krebs. Rund 7.000 Erkrankungen betreffen Frauen und etwa 3.000 Männer. Die meisten dieser Erkrankungen könnten durch eine frühzeitige HPV-Impfung verhindert werden.
Warum wird bereits ab neun Jahren geimpft?
Die HPV-Impfung wirkt am besten, wenn das Immunsystem noch keinen Kontakt mit den im Impfstoff enthaltenen Virustypen hatte. Der Schutz sollte deshalb vor den ersten intimen Kontakten aufgebaut werden.
Dabei geht es nicht darum, das zukünftige Sexualverhalten eines Kindes vorherzusagen. Niemand weiß genau, wann eine erste Beziehung oder körperliche Nähe für einen jungen Menschen wichtig wird. Eine frühzeitige Impfung verhindert, dass der Schutz ausgerechnet dann noch fehlt.
Kinder und jüngere Jugendliche bilden nach der Impfung außerdem besonders zuverlässig Antikörper. Nach dem derzeitigen Wissensstand ist von einem lang anhaltenden Schutz auszugehen. Eine routinemäßige Auffrischung wird aktuell nicht empfohlen.
Warum sollen auch Jungen gegen HPV geimpft werden?
HPV ist keine reine „Mädchenkrankheit“. Jungen können sich genauso anstecken, die Viren übertragen und später selbst erkranken.
Bei Jungen und Männern können HPV-Infektionen insbesondere Krebs am Penis, im Analbereich sowie im Mund- und Rachenraum verursachen. Die Impfung schützt sie deshalb nicht nur indirekt über andere Geimpfte. Sie erhalten einen eigenen Schutz vor bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen.
Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung seit 2018 gleichermaßen für Mädchen und Jungen.
Wie viele HPV-Impfungen sind notwendig?
Die Zahl der Impfungen hängt davon ab, wie alt das Kind beim Beginn der Impfserie ist.
Beginn zwischen 9 und 14 Jahren
In diesem Alter sind normalerweise zwei Impfungen notwendig. Zwischen beiden Terminen müssen mindestens fünf Monate liegen. Wird die zweite Dosis früher als fünf Monate nach der ersten gegeben, ist eine dritte Impfung erforderlich.
Beginn ab 15 Jahren
Beginnt die Impfserie erst ab dem 15. Geburtstag, werden drei Impfungen benötigt. Die genauen Abstände hängen vom verwendeten Impfstoff ab und werden von der Arztpraxis festgelegt. Bei bestimmten Erkrankungen oder einer starken Schwächung des Immunsystems kann ein abweichendes Vorgehen notwendig sein.
Bis wann kann die HPV-Impfung nachgeholt werden?
Versäumte HPV-Impfungen sollen möglichst bald und vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden. Dabei muss eine bereits begonnene Impfserie normalerweise nicht wieder von vorn gestartet werden.
Auch wenn ein Jugendlicher bereits erste sexuelle Erfahrungen gesammelt hat, kann die Impfung noch sinnvoll sein. Eine Ansteckung mit sämtlichen HPV-Typen, gegen die der Impfstoff schützt, ist unwahrscheinlich. Bereits bestehende Infektionen werden durch die Impfung allerdings nicht behandelt.
Nach dem 18. Geburtstag besteht keine allgemeine STIKO-Empfehlung mehr. Einige Krankenkassen übernehmen die HPV-Impfung trotzdem freiwillig über diese Altersgrenze hinaus. Eine Nachfrage bei der eigenen Kasse kann sich deshalb lohnen.
Muss vor der Impfung ein HPV-Test gemacht werden?
Nein. Bei Kindern und Jugendlichen ist vor der HPV-Impfung normalerweise kein HPV-Test vorgesehen.
Ein solcher Test könnte ohnehin nicht zuverlässig beantworten, ob bereits Kontakt mit allen Virustypen bestand, gegen die der Impfstoff schützt. Auch bei einer früheren Infektion kann die Impfung noch Schutz vor anderen enthaltenen HPV-Typen aufbauen.
Wo kann mein Kind gegen HPV geimpft werden?
Die Impfung kann unter anderem in folgenden Praxen durchgeführt werden:
- Kinder- und Jugendmedizin
- Allgemeinmedizin
- Innere Medizin
- Gynäkologie
- Urologie
Ein guter Anlass ist ein ohnehin geplanter Vorsorge- oder Impftermin. Die J1 findet im Alter von 12 bis 14 Jahren statt und liegt damit noch innerhalb des empfohlenen Impfzeitraums. Die Impfung kann aber bereits ab dem neunten Geburtstag begonnen werden.
Auch bei der neu beschlossenen bundesweiten U10 soll die HPV-Impfberatung eine wichtige Rolle spielen. Wann diese Untersuchung regulär startet und wie sie sich von bisherigen Zusatzangeboten unterscheidet, erklären wir in unserem Beitrag über die neue Vorsorgeuntersuchung für 9- bis 10-Jährige.
Wie gut schützt die HPV-Impfung?
Die Impfung schützt sehr wirksam vor den HPV-Typen, die im verwendeten Impfstoff enthalten sind. Große Untersuchungen zeigen inzwischen, dass bei früh geimpften Frauen deutlich weniger Krebsvorstufen und Fälle von Gebärmutterhalskrebs auftreten.
Die verfügbaren Impfstoffe decken besonders wichtige Hochrisiko-Typen ab. Einer der Impfstoffe schützt zusätzlich vor weiteren krebsauslösenden Typen und vor zwei Virustypen, die einen Großteil der Genitalwarzen verursachen.
Einen vollständigen Schutz vor jeder HPV-Infektion bietet die Impfung nicht. Auch andere Ursachen von Krebs werden dadurch natürlich nicht verhindert.
Kann die HPV-Impfung eine Infektion verursachen?
Nein. Die HPV-Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren. Sie können deshalb weder eine HPV-Infektion noch Genitalwarzen oder Krebs verursachen.
Der Impfstoff zeigt dem Immunsystem lediglich bestimmte äußere Merkmale des Virus. Der Körper kann daraufhin Antikörper bilden, ohne mit dem tatsächlichen Erreger infiziert zu werden.
Welche Impfreaktionen können auftreten?
Die HPV-Impfung gilt nach den aktuellen Auswertungen des Robert Koch-Instituts als sehr sicher.
Häufige vorübergehende Reaktionen sind:
- Schmerzen an der Einstichstelle
- Rötung oder Schwellung
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
- Muskel- oder Gelenkschmerzen
- leichtes Fieber
- Schwindel
- Magen-Darm-Beschwerden
Jugendliche reagieren beim Impfen manchmal mit Kreislaufproblemen. Dahinter stecken häufig Angst, Aufregung oder Stress durch die Spritze. Deshalb sollte die Impfung im Sitzen oder Liegen erfolgen.
Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten. Bei bekannten schweren Allergien oder einer starken Reaktion auf eine frühere Dosis muss die Arztpraxis vor dem nächsten Termin informiert werden.
Verursacht die HPV-Impfung Unfruchtbarkeit?
Für die Behauptung, die HPV-Impfung könne Mädchen oder Jungen unfruchtbar machen, gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
Große Untersuchungen haben keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und einer vorzeitigen Einschränkung der Eierstockfunktion gefunden. Eine unbehandelte HPV-bedingte Krebsvorstufe oder Krebserkrankung kann dagegen Behandlungen notwendig machen, die später die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Ersetzt die Impfung die Krebsvorsorge?
Nein. Die Impfstoffe schützen nicht vor allen HPV-Typen, die Zellveränderungen verursachen können.
Geimpfte Mädchen sollten deshalb später ebenfalls die empfohlenen Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs wahrnehmen. Impfung und Früherkennung ergänzen sich, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.
Wie erklärt man einem Kind die HPV-Impfung?
Eltern müssen einem neunjährigen Kind nicht alle Einzelheiten über sexuell übertragbare Infektionen erklären. Die Information sollte aber ehrlich und dem Alter angemessen sein.
Ihr könnt beispielsweise sagen:
„Diese Impfung schützt dich vor Viren, die später bestimmte Krebsarten verursachen können. Sie funktioniert am besten, wenn man sie schon als Kind bekommt.“
Ältere Kinder und Jugendliche dürfen genauer erfahren, wie HPV übertragen wird. Ein ruhiges Gespräch ohne Scham oder Drohungen erleichtert es ihnen, eigene Fragen zu stellen.
Auch das Kind sollte in die Entscheidung und den Ablauf des Termins einbezogen werden. Dazu gehört, vorher zu erklären, warum die Impfung empfohlen wird und was beim Termin passiert.
Quellen
- Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren
- Robert Koch-Institut: Impfempfehlung zur HPV-Impfung
- Robert Koch-Institut: Sicherheit und Wirksamkeit der HPV-Impfung
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: HPV-Impfung bei Kindern
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: HPV-Impfung bei Jugendlichen
- Robert Koch-Institut: STIKO-Empfehlungen 2026
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