Brustkrebs mit 29: Wie Carolin mit ihrer Geschichte anderen Betroffenen Mut macht

Carolin Kotke_Brustkrebs mit 29 - ihre Geschichte

Bild: © privat


Ein Arztbesuch, der alles veränderte: 2017 erhielt Carolin mit nur 29 Jahren die Diagnose „Brustkrebs“. Die Nachricht stellte ihr Leben auf den Kopf. Es folgte ein sehr schweres Jahr mit Therapien, Tiefschlägen, vielen Tränen und Ängsten. Doch die herausfordernde Zeit hat Carolin gestärkt. Heute teilt sie ihre Erfahrungen und möchte auf das erhöhte Brustkrebsrisiko aufgrund einer BRCA-Mutation aufmerksam machen. Was das genau ist und wie die Krebsdiagnose ihr Leben verändert hat, erfährst Du im Interview.


Wie kam es zur Diagnose „Brustkrebs“?

Ich erhielt am 8. November 2017 die Diagnose Brustkrebs – diesen Tag werde ich nie vergessen. Ich war erst wenige Monate vorher, im Juli, zur Vorsorge bei meiner Frauenärztin, bei der nichts Auffälliges festgestellt worden ist. Im Oktober hatte ich dann durch Zufall einen Knubbel in meiner Brust ertastet, bei dem ich mir nicht viel dachte.

Nachdem dieser einen Monat später immer noch da war, bestand mein Freund darauf, dass ich diesen beim Arzt abchecken lassen sollte. Ein Glück! Denn damit rettete er mein Leben. Wie sich herausstellte, wuchs ein recht aggressiver und schnell wachsender Tumor in meiner Brust.

Wie bist Du mit der Diagnose umgegangen?

Dass ich wirklich an Brustkrebs erkrankt bin, war für mich damals ein absoluter Schock. Ich war gerade einmal 29 Jahre alt und hätte in dem Alter niemals mit einer Krebsdiagnose gerechnet. Ich hatte gerade erst einen neuen Job begonnen und wollte so richtig durchstarten. Die Diagnose hat mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt – so richtig realisiert habe ich das aber erst nach ein paar Wochen. Meiner Familie, meinen Freunden und Kollegen von meiner Erkrankung zu erzählen, war natürlich nochmal eine besondere Herausforderung und sehr emotional. Aber es war so erleichternd, offen darüber zu sprechen und auf so viel Verständnis und Unterstützung zu treffen.

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Wie lief die Therapie bei Dir ab?

Nach der Diagnose ging alles sehr schnell. Bei der Gewebeentnahme wurde der Tumor zerstochen, deshalb musste er zunächst operativ entfernt werden. Erst danach bekam ich sechs Monate Chemotherapie, die leider nicht vollständig angeschlagen hatte: Es blieben Krebszellen in der Brust, und aus Mikrometastasen in den Lymphknoten wurden Metastasen. Im Anschluss folgten daher Bestrahlungen und eine Antihormontherapie, um dem Tumor das Östrogen – seinen „Treibstoff“ – zu entziehen. Das hat mich von heute auf morgen in die Wechseljahre katapultiert, mit allen Begleiterscheinungen:

Hitzewallungen, Knochen- und Gelenkschmerzen und teils heftigen Stimmungsschwankungen – und das mit nicht mal 30 Jahren!

Bei Dir wurde während der Therapie die Brustkrebs-Genmutation „BRCA1“ festgestellt – was bedeutet das?

Genau: Eine Genanalyse hat gezeigt, dass ich eine BRCA1-Mutation (BReast-Cancer-Mutation) in mir trage. Das ist eine Veränderung im „Dann-Reparatur-Gen“, die das Krebsrisiko deutlich erhöht. Bei Trägerinnen dieser Mutation liegt das Brustkrebsrisiko bei bis zu 80 Prozent und das Risiko für Eierstockkrebs bei bis zu 60 Prozent. Aus diesem Grund habe ich mich relativ schnell dazu entschieden, mein Brustgewebe entfernen und mit Silikon rekonstruieren zu lassen, um mein persönliches Brustkrebsrisiko zu senken. Es war keine leichte Entscheidung, aber für mich die richtige Wahl. 2020 wurden mir die Eierstöcke entfernt – ein Schritt, der auch bedeutete, dass ich keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Beides war keine leichte Entscheidung, aber für mich die richtige Wahl.

BRCA-Gentest zur Bestimmung des Brustkrebsrisikos

„In Deutschland erkrankt etwa jede 8. Frau an einem Brustkrebs. Bei etwa 30 % der Frauen mit Brustkrebs liegt eine Häufung von Brustkrebs in der Familie vor. Zur Abklärung einer erblichen Form von Brustkrebs kann die Durchführung eines Gentests sinnvoll sein. Im Rahmen der genetischen Untersuchung werden aktuell mehrere Brust- und Eierstockkrebs-assoziierte Gene untersucht. Am häufigsten werden Genveränderungen in dem sogenannten Brustkrebsgen BRCA1 und BRCA2 (BRreast-CAncer-Gen) nachgewiesen. Wird bei einer gesunden Person oder einer bereits an Brustkrebs erkrankten Person eine Mutation in einer Brustkrebs-assoziierten Erbanlage festgestellt, wird die Durchführung eines intensivierten Früherkennungs- bzw. Nachsorgeprogramms auf Brustkrebs angeboten.“


Dr. med. Alma-Verena Müller-Rausch, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Leitung des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs, Hamburg)

Dr Alma Verena Müller-Rausch
Bild: © privat

Wie hat sich Dein Leben durch die Krebserkrankung verändert?

Das „neue Normal“ bedeutet für mich, dass mein Leben sich grundlegend verändert hat, aber nicht unbedingt schlechter geworden ist. Es ist eine Phase der Neuorientierung und des Wachstums. Ich habe gelernt, meine Prioritäten neu zu setzen, mehr auf meine Bedürfnisse zu achten und die kleinen Dinge im Leben wertzuschätzen. Es ist ein Leben mit der Erfahrung der Krebserkrankung, aber auch ein Leben voller neuer Stärke und Resilienz. Es ist ein bewussteres, oft auch intensiveres Leben, in dem ich mir selbst treu bleibe und mein Wohlbefinden in den Vordergrund stelle.

Was möchtest Du anderen Frauen, die die Diagnose Brustkrebs erhalten haben, mitgeben?

Meine wichtigste Botschaft ist: Gebt niemals auf! Euer Körper hat Unglaubliches geleistet und wird weiterhin für Euch da sein. Seid geduldig mit Euch selbst und Eurem Körper, hört auf Eure Bedürfnisse und gebt Euch die Zeit, die ihr braucht, um zu heilen – körperlich und seelisch. Sucht Euch Unterstützung, ob bei Freunden, Familie, Therapeuten oder in der Community. Und vor allem: Liebt Euch selbst, mit all Euren Narben und Veränderungen. Ihr seid stark, Ihr seid wunderschön, und Ihr habt das Recht auf ein glückliches und erfülltes Leben. Es gibt ein ‘Danach’, und es kann ein wunderbares sein.

Weitere Informationen zu erblich bedingtem Brustkrebs findest du auf www.brustkrebs.de/brca.


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