Strompreis: Treibende EEG-Umlage und langfristiger Ausblick Was macht unseren Strom eigentlich so teuer? Und wann gibt es einen Hoffnungsschimmer?

Erneuerbare Enegie - EEG Umlage
Bild: © Benedikt / Fotolia

Strom wird immer teurer. Doch was sind die wesentlichen Preistreiber und welche Rolle spielen dabei erneuerbare Energien? Und ist ein Ende des Preisanstiegs in Sicht?

Wechselträgheit und Staatsabgaben

Im Wesentlichen treiben zwei Faktoren den Strompreis nach oben: Steigende Abgaben an den Staat und die Wechselträgheit der Verbraucher. Letzteres ist verwunderlich, schließlich wurde im Jahr 1998 der Strommarkt vollends liberalisiert. Die Stromanbieter waren also fortan frei wählbar, die Abhängigkeit vom regional tätigen Grundversorger hatte ein Ende. Doch die erwarteten Wechselstürme blieben aus, viele Haushalte nutzen nach wie vor die teuren Grundversorgungstarife. Folglich herrscht auf die Netzbetreiber und Energielieferanten wenig Wettbewerbsdruck, was hohe Anreize schafft, die Preise zu erhöhen.

Noch entscheidender für die Strompreisentwicklung sind die vom Staat eingeforderten Abgaben. Deren Anteil am Strompreis betrug im Oktober 2017 satte 55 %. Neben sonstigen Umlagen fallen darunter die Umsatz- und die Stromsteuer, die Konzessionsabgabe und vor allem die EEG-Umlage, die ein fester Bestandteil des Strompreises ist.



Aktuell macht die EEG-Umlage fast ein Viertel des Strompreises aus und funktioniert folgendermaßen: Betreiber von Anlagen, die aus Sonne, Wind, Wasser, Geothermie oder Biomasse Ökostrom gewinnen, dürfen diesen in das Stromnetz einspeisen. Die Netzbetreiber sind gesetzlich zur Abnahme verpflichtet und zahlen dafür einen auf 20 Jahre garantierten Preis. Nun verkaufen sie den Strom weiter, allerdings in der Regel mit Verlust, den sie aus dem EEG-Topf erstattet bekommen.

Das bedeutet: Je mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen entstehen, sprich je weiter die Energiewende voranschreitet, desto höher steigen die EEG-Umlage und damit die Stromkosten für die Konsumenten.


Ausblick für 2018 und die kommenden Jahre

Schon ein Blick auf die jüngere Vergangenheit lässt aus Verbrauchersicht nichts Gutes erahnen: Kurz vor der Jahrtausendwende kostete eine kWh (bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 kWh) etwa 17 Cent, zwei Jahrzehnte später bereits rund 29 Cent. Das ist ein Anstieg von 70 (!) %. Immerhin gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Aktuell sinkt die EEG-Umlage zum zweiten Mal, und zwar minimal von 6,88 auf 6,79 Cent. Entsprechend minimal dürfte der Einfluss auf den Strompreis ausfallen. Optimisten hoffen dennoch, dass er dadurch wenigstens konstant bleibt. Allerdings kündigen sich steigende Netzentgelte an, da es den Bau weiterer Stromtrassen bedarf.

Damit wäre die Hoffnung auf gleichbleibende oder gar sinkende Strompreise schnell wieder dahin – zumindest kurzfristig, langfristig könnte das durchaus eintreten. Die Produktions- und Einkaufskosten sinken nämlich bereits, was die Stromanbieter allerdings nicht an die Kunden weitergeben. Hier wäre die Politik gefordert, die ja auch beim Atomausstieg mehr als zögerlich agierte und erst den Super-GAU von Fukushima als letzten Anstoß benötigte, um ein klares Datum festzulegen. Spätestens am 31. Dezember 2022 sollen in Deutschland alle AKWs abgeschaltet sein.

In der Folge könnte sich auch der Strompreis entspannen, schließlich laufen danach die garantierten Einspeisevergütungen sukzessive aus, sodass die EEG-Umlage kontinuierlich sinken wird.


 

 


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