Facebook will Libra zum globalen Zahlungsmittel machen

Eine Digitalwährung, so einfach wie eine SMS

Kryptowährungen
Bild: © Zerbor / Adobe Stock

Berlin (AFP) – Facebook will die neue Macht im Sektor der digitalen Zahlungsmittel werden. Im Juni stellte der US-Onlineriese das Konzept für sein eigenes Facebook-Geld Libra vor, das ab nächstem Jahr als neue „globale“ Währung verfügbar sein soll. Das Einkaufen und Geldüberweisen im Internet soll dadurch so simpel werden wie das Versenden einer Textnachricht.

Bislang werden Kryptowährungen wie der Bitcoin nur von einer kleinen Minderheit der Internetnutzer als Zahlungsmittel genutzt. Häufig werden die virtuellen Münzen vor allem als Spekulationsobjekt eingekauft. Durch den Einstieg von Facebook, auf dessen Plattformen weltweit mehr als zwei Milliarden Nutzer unterwegs sind, könnte sich dies ändern und Krypto-Geld zu einem geläufigen Zahlungsmittel werden.

WAS SIND KRYPTOWÄHRUNGEN?

Anders als klassische Währungen wird das digitale Geld nicht von einer staatlichen Zentralbank ausgegeben. Die Transaktionen erfolgen ohne die Beteiligung von Banken. Auch die bislang bekannteste Kryptowährung Bitcoin wurde 2009 aus der Taufe gehoben, um eine von Staaten, Zentralbanken und der Geldpolitik unabhängige Währung zu erschaffen.

Bei Kryptowährungen wie dem Bitcoin werden Buchungsvorgänge dabei kryptografisch verschlüsselt in einer dezentralen Datenbank aneinandergekettet – der sogenannten Blockchain. Diese fungiert quasi als gigantisches Kontenbuch, das alle jemals getätigten Transaktionen enthält.

Die Datenbanktechnologie, die die Beteiligten einer Transaktion direkt miteinander verknüpft und durch die Dezentralität der Daten weitgehend gefeit gegen Manipulationen ist, könnte dabei künftig auch abseits der Digitalwährungen eine große Rolle spielen und etwa die Verwaltung von Lieferketten oder Verträgen vereinfachen.

Auch Libra basiert nach Unternehmensangaben auf einer „sicheren, skalierbaren und zuverlässigen Blockchain“. Diese sei entwickelt worden, „um allen Menschen weltweit den gleichen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu gewähren“.

WAS UNTERSCHEIDET LIBRA VOM BISHERIGEN KRYPTO-GELD?

Bitcoin und andere bisherige Kryptowährungen sind durch Spekulationen starken Wertschwankungen ausgesetzt. Facebook will hingegen eine stabile Kryptowährung schaffen, indem es den Wert an einen Korb staatlicher Währungen – darunter Euro und US-Dollar – und Staatsanleihen bindet.

Auch soll das Facebook-Geld zentraler kontrolliert werden als die bisherigen Kryptowährungen. Die Aufsicht wird eine gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Genf führen, zu deren 28 Gründungsmitgliedern unter anderem die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa, der Online-Bezahldienst PayPal und die Fahrtenvermittler Lyft und Uber zählen.

Allein dieser Gesellschaft soll es erlaubt sein, neues Digitalgeld auszustellen. Dadurch soll der Nachschub von Libra im Einklang mit der Nachfrage und den vorhandenen Reserven gehalten werden.

WIE SOLL LIBRA FUNKTIONIEREN?

Sobald Libra verfügbar ist, sollen sich Nutzer mit einem amtlichen Ausweis für ein Konto registrieren können, ein Facebook-Konto ist dafür nicht nötig. Die App der Facebook-Tochter Calibra als digitale Geldbörse soll sich auch etwa direkt in den Messenger WhatsApp einbinden lassen. Die Gebühren sollen nach Unternehmensangaben „gering“ gehalten werden.

WIE LAUTET DIE KRITIK?

Vorbehalte gibt es bei Zentralbanken und Regierungen. Die Herausgabe einer Währung gehöre nicht in die Hände eines Privatunternehmens, da sie ist ein Kernelement staatlicher Souveränität sei, lautet die Kritik. Auch müssten Einfallstore für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verhindert werden, fordern sie.

Datenschützer verweisen zudem auf die Risiken dadurch, dass Angaben über das Zahlungsverhalten von Verbrauchern in den Händen von Konzernen wie Facebook landen, die wiederholt wegen Datenschutzskandalen ins Kreuzfeuer gerieten.

Calibra betont, alle Transaktionsaktivitäten blieben privat und würden „niemals öffentlich gepostet“. Nach Angaben von Facebook teilt Calibra „mit wenigen Ausnahmen“ ohne Zustimmung keine Kontoinformationen oder Finanzdaten mit Facebook oder anderen Drittparteien.


jm/hcy

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