Die unsichtbare Gefahr: Beim Grillen in Innenräumen droht Kohlenmonoxidvergiftung (Von Andrea HENTSCHEL)

Gefahr von Kohlenmonoxid beim Indoor grillen
Bild: © mpessaris / Fotolia

Leipzig (AFP) – Das Gas ist farb- und geruchlos und kann im schlimmsten Fall zum Tod führen: Immer wieder kommt es zu Vergiftungen durch Kohlenmonoxid, unter anderem durch defekte Gasthermen, durch das Rauchen von Wasserpfeifen und das Grillen in geschlossenen Räumen. Zuletzt gab es innerhalb weniger Tage drei solcher Grillunfälle mit zahlreichen Verletzten. Warum ist das Grillen in Innenräumen so gefährlich? Fragen und Antworten:

WARUM IST KOHLENMONOXID SO TÜCKISCH?

Da das Atemgift so gut wie keine Reizungen hervorruft, wird es zunächst kaum wahrgenommen. Das Zeitfenster zwischen den ersten Symptomen und dem Verlust des Bewusstseins ist allerdings sehr kurz. Die frühen Anzeichen einer Vergiftung – Müdigkeit, Benommenheit, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome – führen Betroffene meist nicht auf das farb- und geruchlose Gas zurück. Besonders nach vorherigem Alkoholkonsum kann die Situation falsch eingeschätzt werden.

Kohlenmonoxid ist hochgiftig und verhindert im Körper die Bindung von Sauerstoff an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Dadurch kann das Blut den lebenswichtigen Sauerstoff nicht mehr transportieren. Bei mittelschweren und schweren Vergiftungen kommen Kurzatmigkeit und Bewusstlosigkeit mit flacher Atmung hinzu. Im schlimmsten Fall führt das zum Ersticken.

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WAS PASSIERT BEIM GRILLEN IN INNENRÄUMEN?

Brennt Holzkohle ab, bildet sich neben Brandgasen auch Kohlenmonoxid. Da der Grill keinen Kamin hat, können die Gase nicht abziehen und konzentrieren sich immer stärker in der Raumluft. Das Gas wird von den Betroffenen unbemerkt eingeatmet. Bei einem Versuch der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) im Jahr 2013 entstand bereits nach zwei Stunden offener Glut aus 800 Gramm Holzkohle eine so hohe Gaskonzentration, die beim Menschen bereits nach wenigen Minuten zur Bewusstlosigkeit führt. Keinesfalls sollte auch die Restwärme des Grills zum Heizen der Wohnung genutzt werden.

HELFEN GEÖFFNETE FENSTER?

Nein, selbst bei weit geöffneten Fenstern und Türen können Kohlenmonoxidkonzentrationen auftreten, die zum Tod führen. Die Vergiftungsgefahr besteht nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) übrigens auch bei geöffnetem Garagentor.

WAS IST ZU TUN BEI ANZEICHEN EINER VERGIFTUNG?

Beim Auftreten der genannten Symptome und beim Verdacht eines Kohlenmonoxidaustritts ist der Raum sofort zu verlassen. Fenster und Türen sollten weit geöffnet werden. Der Polizei zufolge sind andere Anwesende und Anwohner zu warnen und der Rettungsdienst oder die Feuerwehr zu alarmieren.

SIND SOGENANNTE INDOORGRILLS EINE ALTERNATIVE?

[blockquote align=“none“ author=““]Vergiftungsgefahr besteht den Experten zufolge auch bei Geräten, die als spezielle sogenannte Indoorgrills verkauft werden, obwohl auch sie glühende Holzkohle verwenden, oder bei holzkohlebefeuerten Kochtöpfen, sogenannten Hotpots. Schon nach relativ kurzer Zeit werden gefährliche Kohlenmonoxidkonzentrationen erreicht, wie BAM und BfR warnen.[/blockquote]

BIETEN RAUCHMELDER SCHUTZ?

Nein, herkömmliche Rauchmelder schlagen nicht an. Effektiv schützen hingegen spezielle Kohlenmonoxidmelder.

 

hex/cfm


 

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