Dieser Artikel soll informieren, anstatt Ängste zu schüren. Ein aufgeklärter Verbraucher ist die beste Kontrollinstanz für Industrie und Handel. Er richtet sich nicht nur an Mütter und Väter sondern an alle gesundheitsbewussten Verbraucher.

Sind Chemikalien in unserer Bekleidung überhaupt vorhanden?

In den meisten Fasern sind Chemikalien zumindest in geringen Mengen nachweisbar. Das gilt sowohl für Heimtextilien als auch für Bekleidung – Baby- und Kindermode ist davon nicht ausgenommen. Wie eine Greenpeace-Studie offenbart hat, beschränkt sich dieses Problem nicht nur auf preisgünstige Noname-Ware, sondern betrifft auch Markenmode.

-Anzeige-

Welche Stoffe sind das genau?

Der Textilhilfsmittelkatalog listet fast 6000 Wirkstoffkombinationen auf. Das ist eine einschüchternde Zahl, die einen guten Eindruck von der Komplexität des industriellen Herstellungsprozess vermittelt. Vorbehandlungs-, Veredelungs-, Färbe-, und Ausrüstungsmittel sind lediglich ein Auszug der Kategorien, in welche diese Wirkstoffe untergliedert werden.

Tatsächlich wird bei der Produktion regelmäßig ein umfangreicher Chemikalien-Cocktail eingesetzt, der eine sinnvolle Auflistung der verwendeten Wirkstoffe auf den Etiketten allein aus Platzgründen unmöglich macht. Im Unterschied zur Lebensmittelindustrie ist daher lediglich die Art der Faser kennzeichnungspflichtig.

Gibt es gesetzlichen Rahmenbedingungen?

Auf europäischer Ebene existieren bisher überwiegend unverbindliche Richtlinien. Allgemeinverbindliche Verordnungen und Gesetze sind demnach eine Angelegenheit der Nationalstaaten. In Deutschland gibt es keine allgemeine Zulassungspflicht für Bekleidung, bevor sie in den Handel gelangt. Eine solche Prüfung wäre angesichts der Größe des deutschen Textilmarktes auch völlig unrealistisch.

Es werden jedoch regelmäßig Stichproben durchgeführt, innerhalb derer die Einhaltung von Grenzwerten verschiedener Chemikalien überprüft werden. Die meisten Hersteller halten diese ein. Grenzwerte sind jedoch keine Zäsur zwischen harmlos und gefährlich. Es handelt sich dabei lediglich um eine Grenze, auf die sich Gesetzgeber und Lobbyisten der Textilwirtschaft geeinigt haben.

Wofür werden diese Wirkstoffe gebraucht?

Von der Herstellung der Fasern und Garne, dem Weben der Stoffe bis zur Konfektionierung, Lagerung und Transport spielen Hilfsstoffe eine bedeutende Rolle. Sie sind für diese Prozesse entweder notwendig oder steigern zumindest deren Effizienz. Die unter der Kategorie Ausrüstungsmittel zusammengefassten Stoffe haben direkte Auswirkungen auf die für den Verbraucher relevanten Produkteigenschaften: Weiche, knitterarme und bügelfreie Stoffe, Form- und Farbbeständigkeit, wasserabweisend und gleichzeitig atmungsaktiv, antibakterielle und geruchshemmende Wirkung.

Wie werden sie vom Körper aufgenommen?

Chemikalien gelangen über die Atemwege, vor allem aber über die Haut in den Organismus. Besonders betroffen sind Kleidungsstücke, die engen und anhaltenden Hautkontakt haben, weil sich durch Schweiß wasserlösliche Stoffe lösen können. Andere Stoffe wie Nanopartikel sind so klein, dass sie die Hautbarriere ohne weitere Voraussetzungen überwinden können.

Im Körper angekommen zirkulieren sie im Blutkreislauf. Was dann passiert ist sehr komplex und für viele Stoffe nicht hinreichend erforscht. Manche werden einfach wieder ausgeschieden, andere in Leber und Niere abgebaut und wieder andere reichern sich in bestimmten Organen oder Geweben an. Mancher Wirkstoff entwickelt auch erst durch seinen Abbau und den damit zusammenhängenden Aufspaltungsprozessen im Körper ein gesundheitsgefährdendes Potenzial.

Nicht nur im Körper, sondern auch auf der Haut kann es zu negativen Auswirkungen kommen. Hautreizungen, Ekzeme und Allergien stehen in Verdacht, unter anderem durch chemisch behandelte Bekleidung verursacht zu werden.

Welche gesundheitlichen Probleme können ausgelöst werden?

Das Spektrum an gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Krankheiten, die im Verdacht stehen, durch industriell hergestellte Textilien ausgelöst oder zumindest begünstigt zu werden, ist lang. Sie reichen von Allergien, Beeinträchtigung des Immun- und Hormonsystems bis zur Erhöhung des Krebsrisikos.

Die Erforschung gesundheitlicher Risiken hält dabei kaum mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt. So wurden die Auswirkungen von Nanopartikeln auf den Organismus beispielsweise bisher nicht ausreichend untersucht. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass jeder technische Fortschritt zu Kosten der Gesundheit gehen muss. Eine ganze Reihe von Hilfsstoffen, die unter Verdacht standen, haben sich im Nachhinein als völlig harmlos erwiesen.

Welche Probleme verursachen die Hilfsstoffe darüber hinaus?

Wer im Zusammenhang mit Chemikalien in Textilien lediglich auf die direkten Gefahren für den Körper hinweist, denkt zu kurz. Schadstoffe werden mit den Textilien importiert und gelangen beim Waschen in unsere Umwelt. Hier reichern sie sich in Lebewesen an, schädigen diese mitunter und gelangen schließlich wieder in die Nahrungskette.

Einige Wirkstoffe entfalten ihr Gefahrenpotenzial auch erst in freier Natur. Antibakterielle Substanzen beispielsweise, die bevorzugt in der Sport- und Outdoor-Bekleidung eingesetzt werden, können einmal in die Umwelt freigegeben, Resistenzbildungen bei Keimen und Erregern begünstigen.

Am stärksten betroffen sind die Herstellungsländer, da der Großteil der Chemikalien im Produktionsprozess verbraucht werden. Sowohl Mitarbeiter als auch die unmittelbare Umwelt sind toxischen Stoffen hoher Konzentration ausgesetzt, mit schlimmen folgen für Gesundheit und Ökosystem. Eine faire, nachhaltige Textilwirtschaft setzt also nicht erst in den Absatzländern, sondern in den Produktionsländern an. Es geht um die Einhaltung von Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialstandards.

Warum sind Babys und Kinder besonders gefährdet?

Eines vorab: Von Baby- und Kinderkleidung geht in Deutschland keine unmittelbare Gefahr für ihren Nachwuchs aus. Wer sich gut informiert und ein paar grundsätzliche Verhaltensregeln einhält, kann darüber hinaus mittel- bis langfristige Gesundheitsrisiken minimieren.

Babyhaut bzw. deren Oberhaut weist noch bis ins zweite Lebensjahr deutliche Unterschiede zu Erwachsenen auf. Sie ist wesentlich empfindlicher für äußere Einflüsse, weil die Hautbarriere erst noch reifen muss. Diese besteht im Wesentlichen aus der Hornschicht, welche durch Hornfette zwischen den Zellen zusammengehalten wird und dem Säureschutzmantel, einem leicht sauren Wasser-Fett-Film. Eine nicht voll entwickelte Hautbarriere kann schädliche Substanzen nicht so effektiv blockieren.

Hinzu kommt, dass Babys ihre Kleidung gerne mit dem Mund untersuchen – ihre Neugier kennt eben keine Grenzen.

Bei Kindern führt der größere Bewegungsdrang zu einem erhöhten Risiko. Viel Bewegung führt zwangsläufig zu vermehrter Schweißbildung und folglich zu einer größeren Wahrscheinlichkeit, dass wasserlösliche Stoffe in den kindlichen Organismus gelangen. Leider existieren für Babys und Kinder nicht für alle bedenklichen Stoffe separate Grenzwerte, um dem erhöhten Risiko Rechnung zu tragen.

Wie kann man seine Kinder und die Umwelt schützen?

Textil-Siegel bieten sich als erste Orientierungshilfe an, unbedenkliche von fragwürdiger Kleidung zu unterscheiden. Leider stellt die wachsende Anzahl unterschiedlicher Siegel diese Hilfestellung zunehmend in Frage gestellt. Einige dienen lediglich als Feigenblatt für viel zu Industrie-freundliche Standards.

Die folgenden Textil-Siegel können uneingeschränkt empfohlen werden: GOTS, IVN Best, Bluesign.

Schon beim Kauf sollte man zudem darauf achten, dass Produkte geruchsneutral sind. Stark riechende Produkte beinhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hohe Konzentrationen chemischer Hilfsstoffe. Bedauerlicherweise sind viele Chemikalien völlig geruchslos, fallen also durch dieses Raster. Daraus ergibt sich eine wichtige Grundregel: Neuware sollte vor dem ersten Tragen immer gewaschen werden – ausnahmslos.

In diesem Lichte betrachtet gewinnt Second Hand Mode an Attraktivität. Bereits mehrfach gewaschen bietet sie einen umfassenden Schutz. Auch jenseits gesundheitlicher Aspekte hat Second-Hand Vorteile. Wenn Kleidung von mehreren Kindern getragen wird, ergibt sich eine positive Umweltbilanz.

Das Second Hand Baby- und Kindermode enorm hochwertig sein kann, zeigt unter anderen der Online-Shop kombiniere.com.

-Anzeige-

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here