Saarländischer Arzt soll dutzende Kinder sexuell missbraucht haben

Mögliche Betroffene von Klinik über Verdacht nicht informiert

Kinder Krankenhaus
Bild: © Rawf8 / Adobe Stock

Homburg (AFP) – Ein Arzt aus dem saarländischen Homburg soll dutzende Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinkum des Saarlandes (UKS) in Homburg sei von 2010 bis 2014 ein Assistenzarzt angestellt gewesen, der unnötige medizinische Untersuchungen im Genitalbereich seiner Patienten vorgenommen haben soll, sagte der ärztliche Direktor des UKS, Wolfgang Reith, am Montag bei einer Pressekonferenz Homburg. Mindestens 34 Kinder seien betroffen.

Der Mann arbeitete den Angaben zufolge in der Ausscheidungsambulanz der Psychiatrie, einer Abteilung, die sich um bettnässende Kinder kümmert. Eine erste anonyme Beschwerde über den Mann erreichte die Klinik nach Angaben von Reith im Juli 2011. Nach dieser Beschwerde habe es körperliche Untersuchungen nur noch im Beisein einer dritten Person, wie zum Beispiel Eltern, gegeben.

Ende 2014 habe das UKS dem Arzt fristlos gekündigt, nachdem von Mitarbeitern erneut der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen ihn geäußert worden sei.

Im gleichen Jahr habe das UKS Strafanzeige gestellt. Die Ermittlungen hätten jedoch nie zu Ende geführt werden können, weil der Arzt 2016 überraschend starb. Es habe nicht festgestellt werden können, ob der „notwendige hinreichende Tatverdacht“ bestand, sagte Reith. 34 Patientenakten seien im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmt worden.

„In der damaligen Situation entschieden die Staatsanwaltschaft und das Universitätsklinikum, möglicherweise betroffene Patientinnen und Patienten über den Verdacht nicht zu informieren“, erklärte Reith. Patienten, die von dem Arzt erfolgreich behandelt worden seien, habe diese Information schaden können, da als normal empfundene Untersuchungen im Nachhinein in einem anderen Licht erscheinen würden.

Das UKS habe sich nun dafür entschieden, die Vorfälle öffentlich zu machen und die Betroffenen zu informieren. Die zum Teil bereits volljährigen Opfer und deren Familien seien bereits angeschrieben worden. Ihnen habe das UKS das Angebot gemacht, ein persönliches Gespräch mit Mitarbeitern der Rechtsaufsichtsbehörde zu führen.

Ob noch weitere Kinder und Jugendliche von dem Mann sexuell missbraucht worden sein könnten, sei bislang unklar. In seiner Freizeit war er Trainer bei einem Judoverein in Homburg, wie der Verein auf seiner Homepage mitteilte. Der Vorstand sei 2016 von einem Elternpaar auf die Vorwürfe aus der UKS angesprochen worden. Der Arzt habe die Vorwürfe zurückgewiesen, jedoch das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeräumt. Daraufhin habe der Verein ihn von seiner Funktion entbunden.

ald/ul


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