Neuer Unterhaltsvorschuss macht vielen Kindern das Leben leichter

In den meisten Fällen bleibt der Staat aber auf den Kosten sitzen (Von Jürgen PETZOLD)

Unterhaltsvorschuss Bericht
Bild: © Eigens / Adobe Stock

Berlin (AFP) – Alleinerziehende und ihre Kinder haben oft das Nachsehen: Denn das Elternteil, das nicht in der Familie lebt, kann oder will häufig keinen Unterhalt zahlen. Dafür gibt es den Unterhaltsvorschuss des Staates, der 2017 reformiert wurde. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat am Montag dargelegt, wie sich die Neuregelung auswirkt.

 Wer hat Anspruch auf den Unterhaltsvorschuss?

Anspruch haben Kinder unter 18, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben und keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt von dem anderen Elternteil erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, wieviel der alleinerziehende Elternteil – in 90 Prozent der Fälle ist es die Mutter – verdient. Das Geld kann bei den Jugendämtern beantragt werden. Ein Gerichtsurteil ist nicht erforderlich.

Wie viel wird gezahlt?

Für Kinder bis fünf Jahren sind es 150 Euro monatlich, für Kinder von sechs bis elf Jahren 202 Euro, bei den Zwölf- bis 17-Jährigen sind es 272 Euro. Die jährliche Gesamtsumme der Kosten für den Staat belief sich 2018 auf insgesamt 2,1 Milliarden Euro. Davon trägt der Bund 40 Prozent, die restlichen 60 Prozent müssen die Länder aufbringen.

Wieviel Bezieher gibt es?

Die Zahl der Bezieher ist Ende 2018 auf knapp 806.000 gestiegen. Im Juni 2017 waren es noch 414.000. Insgesamt leben 2,1 Millionen Kinder in einer Alleinerzieher-Familie. Die Steigerung geht auf die Reform von 2017 zurück. Seither kommen alle Minderjährigen in Alleinerzieher-Familien für die Leistung infrage, zuvor waren es nur Kinder bis zwölf Jahre. Und es galt damals eine maximale Bezugsdauer von sechs Jahren.

Unter welchen Umständen können sich die Ämter das Geld von den unterhaltsverpflichteten Elternteilen zurückholen?

Wer über das entsprechende Einkommen verfügt, kann für die Unterhaltspflicht in Regress genommen werden. Doch de facto wird nur eine Minderheit in die Pflicht genommen: Vollständig zurück zahlen nur 13 Prozent der Elternteile den Unterhaltsvorschuss, in 22 Prozent der Fälle geschieht dies bislang teilweise – etwa in Form von Ratenzahlungen.

In vier Prozent der Fälle hoffen die Ämter noch auf eine Rückzahlung. Somit ist bei insgesamt 39 Prozent der Kinder ein Rückgriff möglich. Bei den restlichen 61 Prozent gilt der Rückgriff nicht als möglich – etwa weil der Elternteil nicht genügend Einkommen hat, Sozialleistungen bezieht oder insolvent ist.


jp/bk

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