Missbrauch und Gewalt an Schulen
Bild: © Rido / Adobe Stock

Berlin (AFP) – Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Bundesländer dazu aufgefordert, Schutzkonzepte gegen sexuellen Missbrauch verpflichtend in die Schulgesetze aufzunehmen. „In die Schulgesetze sollte die Verpflichtung der Schulen aufgenommen werden, Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt einzuführen“, sagte Rörig am Mittwoch bei der Vorstellung eines Monitoringberichts zur Prävention sexueller Gewalt.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kündigte an, im Herbst mit Rörig einen nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen einzuberufen.

Für den Bericht untersuchte das Deutsche Jugendinstitut von 2015 bis 2018, welche Maßnahmen etwa in Kitas, Schulen, Heimen, Internaten, Kliniken, Praxen oder Sportvereinen zum Schutz vor sexueller Gewalt verwirklicht wurden. Laut dem Monitoringbericht gibt es beim Thema Prävention zwar grundsätzlich eine positive Entwicklung. So setze die große Mehrheit der befragten etwa 5000 Einrichtungen und Institutionen einzelne Elemente von Schutzkonzepten ein.

Umfassende Schutzkonzepte gebe es aber nach wie vor nur selten, weder in Kitas noch in Schulen oder Gesundheitseinrichtungen gebe es eine flächendeckende Umsetzung. Dem Bericht zufolge gab demnach zwar immerhin jedes dritte Heim an, ein Schutzkonzept entwickelt zu haben. Bei den Schulen sei es aber nur etwa jede zehnte Schule.

Rörig appellierte vor allem an die Bundesländer, konsequent zu handeln. Sie sollten sich gesetzlich verpflichten, ihren Schulen die für die Umsetzung umfassender Schutzkonzepte notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Dies könne etwa durch Fortbildungen, Zeitkapazität für das Personal oder externe fachliche Begleitung erfolgen.


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Rörig sagte, es sei „bedenklich, dass gerade in Schulen, in denen wir alle Kinder erreichen können, die Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten noch so wenig fortgeschritten ist“. Rein statistisch seien ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse in verschiedenen Kontexten von sexueller Gewalt betroffen. Deshalb müssten sensibilisierte Fachkräfte her, die ihre Signale erkennen.

Giffey erklärte, Deutschland sei zwar im Kampf gegen sexuelle Gewalt ein gutes Stück vorangekommen. Aber von flächendeckenden Strukturen sei es noch weit entfernt. „Wir brauchen starke Strukturen in Bund, Ländern und Kommunen, um einen größtmöglichen Schutz von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten.“

Sie werde gemeinsam mit Rörig den nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Herbst einberufen. Dort sollten zentrale Akteure und Experten zusammenkommen und Maßnahmen für bessere Prävention entwickeln.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz kündigte an, die Hinweise sollten in den überarbeiteten Fassungen der Leitlinien und Rahmenordnung zur Prävention berücksichtigt werden. Das Monitoring zeige, dass die Anstrengungen verstärkt werden müssten.


ran/cfm

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