Berlin (AFP) – Eine Interessengemeinschaft für Jungen, Männer und Väter hat mehr Rechte für Väter nach einer Trennung gefordert. Bis heute gelte in Deutschland das Leitbild der 50er Jahre, wonach das Kind nach einer Trennung zur Mutter gehöre und der Vater zahlen müsse, erklärte der Sprecher der Gruppe, Gerd Riedmeier, am Freitag in Berlin. Während junge Familien ganz selbstverständlich ihren Alltag partnerschaftlich organisierten, gehe es nach einer Trennung zurück in alte Strukturen.

Der Sprecher der Initiative forderte für Kinder ein Recht auf Betreuung durch beide Elternteile. Außerdem forderte die Gruppe mehr Mitspracherechte. Bisher würden Männervertreter weder durch das Bundesfamilienministerium noch durch die Ausschüsse des Deutschen Bundestags gehört. „Die Bedürfnisse der Männer werden unsichtbar gemacht“, erklärte Riedmeier.

Die nach eigenen Angaben überparteilich agierende Interessengemeinschaft vereint bundesweit Männer- und Väterinitiativen mit nach eigenen Angaben über tausend Mitgliedern. Riedmeier forderte einen Neustart in der Geschlechter– und Familienpolitik. „Wir brauchen neue politische Strukturen und einen neu ausgerichteten geschlechterpolitischen Diskurs“, erklärte er.

Den Angaben der Gruppe zufolge gibt es in Deutschland 2,4 Millionen getrennt erziehende Väter. Für diese forderten die Männervertreter die sogenannte Doppelresidenz als Standard, damit Kinder gleichberechtigt nach einer Trennung betreut werden könnten. Dafür forderte die Gruppe eine entsprechende Gesetzesänderung und auch die Rechtsgrundlagen, damit solch eine Betreuung auch gegen den Willen von Elternteilen angeordnet werden kann. Die Gruppe verwies dazu unter anderem auf eine entsprechende Resolution des Europarats aus dem Vorjahr.

Außerdem müsse die bei Trennungen greifende Düsseldorfer Tabelle für den Unterhalt reformiert werden. Die Düsseldorfer Tabelle sei auf Trennungen ausgerichtet, bei denen ein Elternteil das Kind ausschließlich betreut, der andere Elternteil ausschließlich für den Barunterhalt aufkommt.

Nötig sei aber eine Tabelle, die die jeweilige Betreuungsleistung berücksichtige. Wenn etwa ein Vater das Kind zeitlich zu 30 Prozent betreue, werde er 70 Prozent Barunterhalt übernehmen müssen. Wenn die Mutter entsprechend zu 70 Prozent betreue, müsse sie analog dazu 30 Prozent des Barunterhalts übernehmen.

Außerdem forderte die Interessengemeinschaft das Bundesfamilienministerium auf, einen bisher fehlenden Bericht über die Lebensbedingungen getrennt erziehender Väter zu erstellen. Solch einen Bericht gebe es bisher nur für Mütter.

ran/cfm

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AFP

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