Gütersloh (AFP) – Knapp die Hälfte der Eltern würde für eine bessere Kita-Betreuung ihrer Kinder auch mehr zahlen. Für mehr Personal oder gesünderes Essen in den Kindertageseinrichtungen würden 48 Prozent tiefer in die Tasche greifen, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. 52 Prozent wären dazu nicht bereit. Die Mehrheit der Eltern befürwortet bundesweite Qualitätsstandards.

Fast alle Eltern (95 Prozent) fordern laut der Studie vom Bund, sich stärker an der Finanzierung der Kinderbetreuung zu beteiligen. Die Vereinbarkeit mit dem Beruf sehen Familien durch das derzeitige Kita-System nicht ausreichend unterstützt: Drei von vier Müttern und Vätern sind der Meinung, es gebe nicht genügend Betreuungsplätze, vor allem für unter Dreijährige. 63 Prozent sind der Überzeugung, die Öffnungszeiten der Kitas orientierten sich nicht am Bedarf der Eltern.

Eine große Mehrheit spricht sich zudem dafür aus, Personalschlüssel, Kita-Verpflegung und Ausbildung der Fachkräfte für ganz Deutschland einheitlich zu regeln. 86 Prozent der Eltern fordern einheitliche Regelungen, für wie viele Kinder eine Erzieherin zuständig sein darf. Derzeit gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Nach Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollte eine Erzieherin höchstens drei Kinder unter drei Jahren oder 7,5 Kinder ab drei Jahren betreuen. 

Kindgerechte Personalschlüssel gewährleisteten lediglich Baden-Württemberg und Bremen. In den ostdeutschen Bundesländern sei die Personalausstattung hingegen zum Teil nicht einmal halb so gut wie erforderlich.

Für eine einheitlich geregelte Ausbildung des pädagogischen Personals sprechen sich 85 Prozent der Eltern aus. Derzeit folgt die Ausbildung keinem bundesweit gültigen Lehrplan. 90 Prozent der Eltern sähen es zudem gern, wenn sich die Verpflegung der Kinder überall an anerkannten Ernährungsstandards orientierte. Das macht derzeit nur jede dritte Kita.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht sich nach eigenen Worten durch die Studie in ihren Bemühungen bestärkt, „gemeinsam mit den Ländern die Qualität in der Kindertagesbetreuung zu verbessern“. Denn Kitas seien „genauso wichtig wie Schulen und Unis“. Der kinderpolitische Sprecher der Linksfraktion, Norbert Müller, sprach sich für bundesweit gültige Mindeststandards aus, wofür der Bund die Finanzierung sichern müsse.

Auch der Bundesvorsitzende der Arbeitswohlfahrt (AWO), Wolfgang Stadler, forderte ein „Bundesqualitätsgesetz“. In den vergangenen Jahren seien viele neue Betreuungsplätze geschaffen worden, doch die Qualität sei dabei „mancherorts ins Hintertreffen“ geraten. Die AWO ist nach eigenen Angaben Trägerin von mehr als 2300 Kitas.

Wie teuer ein Kita-Platz für die Eltern ist, hängt derzeit vom Wohnort ab. Die Elternbeiträge legt die jeweilige Kommune fest – ihre Höhe schwankt laut der Stiftung zwischen Null und mehr als 600 Euro pro Monat. 14 Prozent der Familien zahlen momentan keine Kita-Beiträge, weil sie in einem Bundesland oder einer Stadt mit genereller Beitragsfreiheit leben oder von Sonderregelungen profitieren. Weitere fünf Prozent zahlen keine Elternbeiträge, weil ihr Einkommen unterhalb einer bestimmten Grenze liegt.

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap befragte für die Studie zwischen dem 26. September und 14. Oktober deutschlandweit mehr als 4400 Eltern.

cax/cha


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AFP

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