Kinderarmut
Bild: © Philip Steury / Adobe Stock

Berlin (AFP) – Kinder in Deutschland sind einer Studie zufolge deutlich häufiger von Armut betroffen als Erwachsene. In allen 16 Bundesländern übersteige die Armutsquote bei Kindern jene der Erwachsenen, heißt es in einer am Montag vorgelegten aktuellen Auswertung des Deutschen Kinderhilfswerks.

Dabei gebe es große regionale Unterschiede: In der Hälfte der Länder stieg die Kinderarmut in den vergangenen zehn Jahren stärker als die der Erwachsenen, in der anderen Hälfte war die Entwicklung genau andersherum.

„Natürlich ist Kinderarmut eng mit der Armut der Eltern verknüpft, aber die unterschiedliche Entwicklung der Armutsquoten von Kindern und Erwachsenen zeigt, dass das Problem einer eigenständigen Lösung bedarf“, erklärte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger. Als Beispiel nannte er eine eigene Kindergrundsicherung.

Das kürzlich in Kraft getretene Starke-Familien-Gesetz und die Änderungen beim Bildungs- und Teilhabepaket seien wichtige Schritte zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland, denen nun „möglichst zügig eine Kindergrundsicherung, die ihren Namen verdient, folgen“ müsse, erklärte Krüger. „Die Förderung armer Kinder und ihrer Familien sowie unbürokratische Zugänge zu armutsvermeidenden Leistungen gehören auf der Prioritätenliste ganz nach oben.“

Vergleichsweise gut steht das Bundesland Bayern in dem Ranking da. So beträgt die Differenz zwischen Kinder- und Erwachsenenarmut hier den Angaben zufolge lediglich 1,5 Prozentpunkte – die Armutsgefährdungsquote lag 2018 für Kinder und Jugendliche bei 12,9 Prozent und für Erwachsene bei 11,4 Prozent.

In Baden-Württemberg beträgt die Differenz 3,3 Punkte und im Saarland 5,1 Punkte. In Bremen hingegen beträgt die Differenz 15,6 Prozentpunkte, in Sachsen-Anhalt 9,1 Punkte und in Mecklenburg-Vorpommern 8,0 Punkte.

In acht der 16 Bundesländer entwickelte sich die Kinderarmutsgefährdungsquote 2018 im Vergleich zu 2008 positiver als die der Erwachsenen. Besonders positive Werte weisen hier Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf. Einen negativen Trend gibt es hingegen insbesondere in Bremen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz.

Krüger appellierte an die Bundesregierung, den Vorschlag der Familienministerkonferenz zur Einrichtung von Familienservicezentren aufzugreifen, in denen Familien qualifiziert beraten werden und möglichst auch Leistungen beantragen könnten.


rh/pw

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