Renter - leeres Portemonnaie
Bild: © perfectlab / Adobe Stock

Berlin (AFP) – Jede zweite Rente in Deutschland beträgt weniger als 900 Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die AFP am Freitag vorlag. Demnach erhielten im vergangenen Jahr 51,4 Prozent der Altersrentner weniger als 900 Euro – das sind rund 9,4 Millionen Menschen. Bundesregierung und Unionspolitiker wiesen allerdings darauf hin, dass viele Betroffene neben der Rente über weitere Einnahmen verfügten.

Die Daten beziehen sich auf die Rentenzahlbeträge, also den Betrag der Rente nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und vor Abzug von Steuern.

„Die Mehrheit der Rentnerinnen und Rentner erhält gesetzliche Renten unterhalb der Armutsschwelle“, erklärte Zimmermann. Viele kämen nur deshalb über die Runden, weil sie sich gezwungenermaßen zur Rente etwas hinzuverdienten. „Im Alter noch schuften zu müssen ist auch eine Form von Armut“, kritisierte die Linken-Politikerin.

Der Regierungsantwort zufolge, über die zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet hatte, bekamen 58,6 Prozent der Rentner weniger als 1000 Euro. Zimmermann nannte als „Wurzel des Übels die niedrigen Löhne in Deutschland, vor allem im unteren Lohnbereich“. Das gesetzliche Rentenniveau müsse wieder auf 53 Prozent steigen, forderte sie.

Zimmermann bekräftigte die Forderungen ihrer Partei nach einer Hochwertung kleiner Rentenansprüche aus Niedriglöhnen, einer solidarischen Mindestrente von 1050 Euro und einem „altersarmutsfesten Mindestlohn“.

Das Rentenniveau müsse wieder angehoben werden, verlangte auch IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Vor allem Frauen, die aufgrund von unterbrochenen Erwerbsbiografien zu geringe Renten erwarten, müssen vor Armut geschützt werden“, sagte er. Urban drängte auch auf „eine Erwerbstätigenversicherung, in der alle Erwerbstätigen versichert sind“.

Die Bundesregierung verwies in ihrer Antwort allerdings auch darauf, „dass allein aus der Höhe einer Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung grundsätzlich nicht auf Bedürftigkeit in der Grundsicherung im Alter geschlossen werden kann“, da mögliche zusätzliche Einkommensquellen und die konkrete Haushaltssituation nicht berücksichtigt seien.

Von einer „Fehlinterpretation“ der Daten durch Zimmermann sprach deswegen der CDU-Rentenexperte Peter Weiß. Er verwies auf den Altersicherungsbericht der Regierung, wonach gerade Ehepaare mit einer sehr geringen Rente von unter 250 Euro gemeinsam über ein überdurchschnittliches Bruttoeinkommen von mehr als 4000 Euro verfügen würden.

Auch Weiß nannte dabei Einkünfte Betroffener aus anderen Quellen wie Betriebsrenten oder Mieteinnahmen. Zudem erhielten Beamte im Ruhestand neben ihrer Pension häufig eine geringe Rente aus der Zeit vor ihrer Verbeamtung.

Weiß wies zudem darauf hin, dass vor einem Jahr noch die Hälfte der Renten geringer als 800 Euro gewesen sei. Aufgrund von Rentenerhöhungen und weiteren „zahlreichen Verbesserungen, die die Koalition auf den Weg gebracht hat“, sei dieser Wert inzwischen gestiegen. Auch der Anteil derjenigen mit einer Rente unter 900 Euro sei kleiner geworden. Die Lage der Rentner sei also „besser geworden und nicht schlechter“.


bk/pw

-Anzeige-


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here