Berlin (AFP) – Angesichts der steigenden Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen hat der Berufsverband vor der Schließung weiterer Kreißsäle gewarnt.

Immer mehr Hebammen stiegen aus der freiberuflichen Geburtshilfe aus oder hängten ihren Beruf sogar an den Nagel, erklärte der Deutsche Hebammenverband (DHV) am Donnerstag in Berlin. Das habe mittlerweile Folgen bei der Betreuung von Geburten, der Schwangerenvorsorge und der Wochenbettbetreuung.

Nicht mehr jede Frau findet demnach eine Hebamme für eine außerklinische Geburt oder eine Wochenbettbetreuung. Zudem mussten in den vergangenen Monaten immer wieder Kliniken ihre Kreißsäle schließen, weil sie keine sogenannten Beleghebammen finden konnten, zum Beispiel in Niebüll und Schmalkalden. „Wenn wir nicht endlich eine tragbare Lösung bekommen, steigen die Haftpflichtprämien jährlich weiter und immer mehr Hebammen steigen aus dem Beruf aus“, warnte DHV-Präsidentin Martina Klenk.

Derzeit gibt es noch rund 2600 freiberufliche Geburtshelferinnen, die 21 Prozent aller Geburten in Kliniken, Geburtshäusern und zu Hause begleiten. Für sie steigt die Haftpflichtprämie nach Verbandsangaben zum Juli erneut um neun Prozent auf 6843 Euro.

Die seit Jahren steigenden Versicherungsprämien sind ein Dauerstreitpunkt zwischen den Hebammenverbänden und den gesetzlichen Krankenkassen. Entlastung soll ein dauerhafter Zuschlag für Geburtshelferinnen bringen, die nur wenige Geburten begleiten. Wegen des Streits war allerdings die Schiedsstelle angerufen worden.

Der Hebammenverband zeigte sich mit der im September getroffenen Entscheidung der Schiedsstelle nicht zufrieden. Aus Sicht der Hebammen gleicht der sogenannte Sicherstellungszuschlag die Prämie nicht vollständig aus. Trotz des Zuschlags müssten Hebammen ab Juli mindestens 1954 Euro der Haftpflichtprämie selbst bezahlen, kritisierte der Verband. Zudem erhalte nur ein Teil der betroffenen Hebammen diesen Zuschlag.

Der Deutsche Hebammenverband klagt aktuell vor dem Berliner Sozialgericht gegen den Schiedsbeschluss. Der Hebammenverband fordert eine „echte Lösung“ der Haftpflichtproblematik, beispielsweise durch einen Haftungsfonds.

Die Gesundheitsexpertin der grünen Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg, forderte, die „Haftpflicht-Spirale“ endlich zu stoppen. Es müsse eine nachhaltige Lösung gefunden werden, „bevor noch mehr Hebammen ihren Beruf aufgeben“.

Mit dem steuerfinanzierten Haftungsfonds liege seit Jahren „ein guter, umsetzungsfähiger Vorschlag“ auf dem Tisch“, erklärte die Gesundheitsexpertin der Linksfraktion, Birgit Wöllert. Das Bundesgesundheitsministerium müsse den Hebammen endlich „den Rettungsring zuwerfen“.

hex/cha

Über den Autor

AFP

Die AFP ist eine internationale Nachrichtenagentur. Auf unserer Seite veröffentlichen wir relevante Nachrichten der AFP in Bezug auf Familie, Eltern und Kinder.

Alle Beiträge ansehen