fbpx
Startseite » Hebamme wegen neunfachen versuchten Mordes in München vor Gericht

Hebamme wegen neunfachen versuchten Mordes in München vor Gericht

von AFP
Hebamme in Handschellen
München (AFP) – Eine Hebamme muss sich seit Dienstag wegen neunfachen versuchten Mordes an werdenden Müttern vor dem Landgericht München verantworten. Die 34 Jahre alte Frau soll wegen eines unterentwickelten Selbstwertgefühls und aus Unzufriedenheit im Job Frauen vor dem Kaiserschnitt durch das gezielte Spritzen von Blutverdünnern in Lebensgefahr gebracht haben, hieß es in der zum Prozessauftakt verlesene Anklage der Staatsanwaltschaft.

Mehrere Frauen konnten nur durch Notoperationen gerettet werden.

Alle Frauen überlebten den Angriff, mehrere von ihnen mussten sich aber wegen der dramatischen Erlebnisse rund um die Entbindung einer Traumatherapie unterziehen. Für die Neugeborenen bestand keine Gefahr, da die von der Hebamme eingesetzten Medikamente nicht auf die Kinder übertragen wurden.

Die Tatserie begann im hessischen Bad Soden und ging bis zum Auffliegen der Hebamme im Klinikum Großhadern in München weiter. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entschloss sich die Angeklagte “zur Aufwertung ihres Selbstwertgefühls und zur insgeheimen Demonstration ihrer Überlegenheit” spätestens im September 2011, bei den Kaiserschnitt-Geburten zu manipulieren.

Später soll Jobfrust als Motiv dazu gekommen sein.

Dazu soll sie in mindestens acht Fällen eine hohe Dosis des bei Kaiserschnittgeburten in keinem Fall zu gebenden Mittels Heparin vorbereitet haben. Zum Teil soll sie die Arznei selbst verabreicht haben, zum Teil ließ sie die Infusionen der Staatsanwaltschaft zufolge von ahnungslosen Ärzten oder anderen Pflegern verabreichen. Das Medikament führte während oder unmittelbar nach den Kaiserschnitten zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust bei den Müttern; diese konnten zum Teil nur durch Notoperationen gerettet werden und bekamen zum Teil in sehr großen Mengen Bluttransfusionen. Die Hebamme bestreitet die Vorwürfe.

Ins Rollen gekommen war der Fall durch eine Anzeige des Klinikums Großhadern. Dieses war von der Klinik in Bad Soden, in der sich fünf der neun Fälle ereignet haben sollen, bereits vor der Hebamme gewarnt worden. Die Klinik in Hessen wies in einem Brief auf eine Häufung auffälliger Geburtsverläufe während des Einsatzes der Angeklagten hin. In Bad Soden war der Hebamme deshalb gekündigt worden, es war aber nur zu einem Zivilprozess um die Kündigung der Frau gekommen. Dieser endete mit einem Vergleich.

In München soll die Angeklagte zunächst unauffällig gearbeitet haben, nach einer Stundenreduzierung durch die Klinik im April 2014 dann aber wieder mit der Gabe von Blutverdünnern begonnen haben. Die Ärzte dort hatten nach drei Fällen einen konkreten Verdacht gegen die Frau und sicherten nach einer vierten, komplizierten Geburt Beweismittel, die schließlich zur Anzeige und Festnahme der Hebamme führten.

Die Anklageschrift umfasst 247 Seiten. In dem Prozess sollen rund hundert Zeugen und Sachverständige aussagen, das Gericht hat bis Ende September Verhandlungstage angesetzt.

ran/pw

Das könnte dich auch interessieren