Hauptprozess in Staufener Missbrauchsserie verrät Abgründe Die verstörende Rohheit der Mutter Berrin T. (Von Ralf ISERMANN)

Missbrauch Kinder
Bild: © vkara / Adobe Stock

Freiburg (AFP) – Berrin T. betritt verschüchtert Saal IV des Freiburger Landgerichts – eine korpulente 48 Jahre alte Frau, das dünne Haar trägt sie zum Zopf gebunden. T. ist die Mutter, die ihren Sohn für eine beispiellose Vergewaltigungsserie gegen Geld bereit gestellt haben soll. Ihr zurückhaltender Auftritt vor Gericht steht im Gegensatz zu der aktiven Rolle, die sie bei den Verbrechen gehabt haben soll.


Es dauert deutlich länger als drei Stunden, bis die Staatsanwältinnen Nikola Novak und Sabrina Haberstroh ihre Anklage gegen T. und deren Lebensgefährten Christian L. verlesen haben. Die gesamten Ermittlungen seien „sehr belastend“ gewesen, sagt Novak. 58 Taten listet sie auf, darunter sadistische Vergewaltigungshandlungen. Immer wieder geht es dabei auch um die Rolle der Mutter, die demnach ihr eigenes Kind missbrauchte und als „Hure“ beleidigte.

Im Vorfeld des Hauptprozesses der vor fünf Monaten öffentlich gewordenen Tatserie war nur von dem pädophilen Stiefvater das Ausmaß seiner Taten bekannt. L. bekräftigt zum Prozessauftakt emotionslos frühere Geständnisse – „bis auf ein paar Kleinigkeiten“ sei die Anklage zutreffend.

Auch die Mutter kündigt eine Aussage an. Sie will aber nicht öffentlich sprechen. Eine Entscheidung über den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit stand zunächst noch aus.

Zwar sagt L., dass er die treibende Kraft war und mit der Drohung, sie zu verlassen, die Frau zur Mittäterschaft bewegt habe. Aber was die beiden Staatsanwältinnen auf über hundert Seiten gegen die arbeitslose Frau zusammengetragen haben, ist an Rohheit aber kaum zu übertreffen.

Von ihrem Partner wusste sie demnach schon unmittelbar nach dem Kennenlernen, dass er wegen Kindesmissbrauchs keinen Kontakt zu Kindern pflegen durfte. Das Unfassbare: T. stimmte in diesem Wissen nicht nur einer Beziehung zu. Sie organisierte ihrem Partner auch ein geistig behindertes dreijähriges Mädchen als Missbrauchsopfer. Auch Berrin T. verging sich für pädophile Videofilme an ihr. Als sich das Mädchen zunehmend auffällig verhielt, beendete dessen Mutter den Kontakt zu Berrin T..

Doch zu dieser Zeit hatte schon längst das Martyrium ihres eigenen Sohns begonnen. Zuerst verging sich der Stiefvater an ihm, dann auch die Mutter, dann begann das Paar mit Verkauf des Kinds im Darknet an Freier für Vergewaltigungen.

Den insgesamt vier ermittelten Kunden wurden laut Anklage dabei keine Grenzen gesetzt. Analverkehr, Oralverkehr, auch Fesselungen oder Schläge – gegen Bezahlung ermöglichte das Paar den Kunden perverseste Handlungen.

Am zahlungsfreudigsten war ein Spanier, der für Missbrauchstaten mit der Familie in Ferienhäuser fuhr und sich dort tagelang an dem Kind verging. Dem Kind gab der Mann Geld, den Eltern etwa einen Fernseher, ein Smartphone und tausende Euro.

Die Rolle der Mutter war dabei laut Anklage vielschichtig. Sie war oft an Tatorten anwesend, um beruhigend auf das Kind einzuwirken. Sie legte den Vergewaltigern Fesseln bereit oder verging sich selbst an ihrem Kind. Dazu baute sie Druck auf ihren Sohn auf – wenn er nicht mitmache, komme er ins Heim.

Ihre mütterlichen Schutzinstinkte scheint T. verloren zu haben. Anders ihr Sohn, der sein Urvertrauen offenbar lange behielt. Staatsanwältin Novak zitiert dazu Äußerungen aus einem der Vergewaltigungsvideos. „Sie weiß Bescheid, sie hat aber eigentlich nichts damit zu tun“, sagt der Junge da zu einem der Täter über seine Mutter. Tatsächlich brachte Berrin T. ihren Jungen aber bis zum Schluss persönlich zu Vergewaltigungen – bis sie im September nach einem anonymen Tipp festgenommen werden konnte.    Ihr Sohn befindet sich seitdem in Betreuung. Er versuche, sein Trauma zu verarbeiten, heißt es von den Ermittlern.

 

ran/cfm


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