Berlin (AFP) – Die Familien in Deutschland werden künftig partnerschaftlicher organisiert sein als heute. Das ist ein Ergebnis des „Zukunftsreports 2030“, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) warb dafür, den Anspruch von Eltern auf einen Kita-Platz durch einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung für Schulkinder zu ergänzen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

Dem Zukunftsreport zufolge, der von dem Beratungsunternehmen Prognos zusammen mit dem Allensbach-Institut erstellt wurde, dürften Mütter bis 2030 ihre durchschnittliche Erwerbstätigkeit von derzeit 26 auf 31 Wochenstunden ausweiten, Väter im Gegenzug ihre Arbeitszeiten von 41,5 auf 39 Wochenstunden verringern. Einhergehen dürfte dies mit einem höheren Wirtschaftswachstum, da „die Mehrarbeit der Mütter die Reduktion der Arbeitszeit der Väter überkompensieren wird“, sagte Prognos-Direktor Andreas Heimer.

Voraussetzung ist demnach allerdings eine aktive Familienpolitik, die diese Entwicklungen fördert. Mehr Unterstützung mahnen die Forscher zudem für Familien und Alleinerziehende in wirtschaftlich prekären Lagen an. Unterhaltsvorschuss sowie der Kinderzuschlag für Einkommensschwache sollten weiterentwickelt und zugleich Wege aus dem Transferbezug heraus gefördert werden.

„Familienpolitik muss zu den Lebenswirklichkeiten der Familien von heute passen“ und gute Rahmenbedingungen auch „für die Familien von morgen setzen“, sagte Schwesig auf dem Zukunftstag. „Die Familienwelt ist bunt und das ist gut so.“

Die Forderung nach einem Betreuungsanspruch auch für Schulkinder begründete sie damit, dass derzeit mit dem Schulbeginn häufig am Nachmittag eine Betreuungslücke entstehe.

Gleiches gelte in Randzeiten für Eltern mit Schicht- oder Abendarbeit – etwa in Gesundheitswesen, Gastronomie oder  Tourismus. Dafür hat Schwesig bereits das Programm Kita Plus aufgelegt. Die dort ausprobierten Angebote „gehören in den Regelbetrieb“, sagte die Ministerin mit Blick auf die große Nachfrage.

Schwesig sprach von drei Kernpunkten, denen die Familienpolitik gerecht werden müsse: Zeit für die Eltern, gute Betreuung und Bildung für die Kinder sowie staatliche Leistungen, „die sichern, dass Kinder nicht in Armut aufwachsen“.

Dem ersten Punkt solle die von ihr geforderte Familienarbeitszeit gerecht werden. Dabei könnten Eltern, gefördert durch ein Familiengeld, beide in Teilzeit „nahe an der Vollzeit“ arbeiten – etwa im Umfang von 80 Prozent. Dieser Vorschlag stößt allerdings bei der Union bislang auf Widerstand.

Zu dem zweiten Punkt sollen die Ausweitungen von Betreuungsangeboten Beiträge leisten. Bei der Armutsbekämpfung will sich Schwesig zielgenauer als bisher auf einkommensschwache Familien und Alleinerziehende konzentrieren. Nur „zwei Euro mit der Gießkanne“ beim Kindergeld reichten nicht aus, sagte sie zu entsprechenden Plänen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Schwesig dringt insbesondere auf die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses für Alleinerziehende bis zur Volljährigkeit der Kinder und ohne zeitliche Befristung. Zudem solle das Steuerrecht stärker auf Familien mit Kindern ausgerichtet werden statt wie bisher auf Verheiratete, etwa durch einen steuerlichen Kinderbonus auch für unverheiratete Paare. Auch Prognos-Direktor Heimer warb für den Abbau von „Erwerbshemmnissen im Steuersystem“.

bk/eha

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AFP

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