Fall Staufen: Missbrauchsbeauftragter fordert Fortbildungspflicht für Familienrichter Rörig: Versäumnisse schonungslos aufarbeiten

Fortbildungen für Familienrichter gefordert
Bild: © ArTo / Adobe Stock

Baden-Baden (AFP) – Im Fall des von seiner Mutter und deren Lebensgefährten für Vergewaltigungen im Darknet verkauften Jungen hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nach der juristischen auch eine politische Aufarbeitung gefordert. Die Versäumnisse und Entscheidungen, die dazu geführt hätten, dass dem Kindeswohl so schwer geschadet wurde, müssten jetzt „schonungslos ausgeleuchtet werden“, sagte Rörig am Dienstag im Südwestrundfunk.

Er regte eine Bundesratsinitiative Baden-Württembergs an, um eine gesetzliche Fortbildungspflicht für Familienrichter auf den Weg zu bringen. Der Fall Staufen habe gezeigt, „dass auch Familiengerichte nicht frei von Fehlern sind“. Bis heute sei es unerklärlich, dass der Junge nicht angehört worden sei.

Der Fall zeige, dass viele Informationen aufgenommen worden seien, „aber nicht richtig ausgetauscht und bewertet wurden“. Deshalb sei das Kindeswohl in diesem Fall „so unter die Räder gekommen“, sagte Rörig. Nötig sei auch eine personelle und finanzielle Stärkung der Jugendämter und Familiengerichte.

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Das Landgericht Freiburg verkündet am Dienstag das Urteil gegen die Mutter des missbrauchten und vergewaltigten Kinds und deren Lebensgefährten. Den beiden Hauptangeklagten in dem Tatkomplex drohen lange Haftstrafen.

Der zu Jahresbeginn bekannt gewordene Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Die Mutter und der Stiefvater hatten das Kind Freiern über das Darknet für Vergewaltigungen verkauft. Das Freiburger Landgericht verurteilte vier Männer deshalb in den vergangenen Wochen zu mehrjährigen Haftstrafen. Außerdem sollen sich Mutter und Stiefvater selbst an dem Kind vergangen haben. Der gerade zehn Jahre alt gewordene Junge lebt inzwischen unter Obhut der Behörden.

 

hex/cfm


 

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