Deutsche halten wenig vom Betreuungsgeld

Ifo Bildungsbarometer: Mehrheit plädiert für gebührenfreie Kitas


Deutsche halten wenig vom BetreuungsgeldBerlin Die Deutschen halten wenig vom Betreuungsgeld und sind mit großer Mehrheit für gebührenfreie Kita-Plätze:

In dem am Dienstag veröffentlichten ifo Bildungsbarometer lehnten 57 Prozent die vom Bundesverfassungsgericht im Juli gekippte Leistung ab. 77 Prozent sprachen sich dafür aus, dass alle Kinder ab vier Jahren kostenfrei in die Kindergärten gehen können und dass diese aus Steuergeldern bezahlt werden.

Der Umfrage sprachen sich die Deutschen zudem mit der großen Mehrheit von 79 Prozent für höhere Gehälter für Erzieherinnen und Erzieher aus. 86 Prozent der Befragten plädierten für bundesweite Qualitätsstandards in den Kitas bei der Gruppengröße und bei der Ausbildung der Erzieher. Allerdings sprachen sich 55 Prozent dagegen aus, dass Erzieher ein Hochschulstudium absolvieren müssen.

„Das ifo Bildungsbarometer 2015 belegt, dass die deutsche Bevölkerung eine hohe Bereitschaft zu Reformen in der Bildung aufweist“, erklärte der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. Reformbedarf sehen die Deutschen zum Beispiel in der Grundschule: 64 Prozent plädieren dafür, dass die Eltern die Schule frei wählen können und nicht auf eine bestimmte Einrichtung festgelegt sind wie bislang in den meisten Bundesländern.

Ebenfalls 64 Prozent setzen sich demnach dafür ein, dass allein die Noten bestimmen, auf welchen Schultyp ein Kind nach der Grundschule wechselt. Bislang gilt in vielen Bundesländern, dass diese Entscheidung bei den Eltern liegt. 68 Prozent sprechen sich darüber hinaus dafür aus, bundesweite Vergleichstests in Deutsch und Mathematik einzuführen, die auch in die Schulnoten einfließen sollen.

Ganztagsschulen bis 15.00 Uhr befürworten die Deutschen mit 61 zu 29 Prozent, bis 16 Uhr mit 56 zu 36 Prozent und bis 17 Uhr noch mit 47 zu 43 Prozent. Mehr als 80 Prozent sind jeweils für die Einführung deutschlandweit einheitlicher Abschlussprüfungen im Abitur und beim Haupt- oder Realschulabschluss. 78 Prozent möchten, dass die staatlichen Ausgaben für Schulen steigen.

Schließlich sprechen sich 59 Prozent für die Einführung von nachgelagerten Studiengebühren aus. Sie sollen nach dem Studium und erst ab einem gewissen Jahreseinkommen gezahlt werden müssen. Für das Bildungsbarometer befragte TNS Infratest Sozialforschung im Mai dieses Jahres 4203 Bürger im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe.

Die SPD wertete die Umfrage als Handlungsauftrag für umfassende Reformen.

„Die Menschen wollen in der Bildung kein weiter so“, erklärte SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil. „Sie wollen die Ganztagsschule, sie wollen die gebührenfreie Kita und sie wollen mehr Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse.“

Es gebe eine breite Unterstützung für Qualitätsstandards, damit bessere Kitas garantiert werden könnten, erklärte die Grünen-Familien-Expertin Franziska Brantner. „Wir müssen endlich bundesweit festschreiben, wie viele Erzieherinnen und Erzieher eine Gruppe von Kindern mindestens betreuen.“ Sie verlangte, die durch den Wegfall des Betreuungsgeldes künftig jährlich frei werdenden Mittel müssten für die Kitas eingesetzt werden.

jp/bk

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