Kind alleine in Quarantäne
Bild: © JenkoAtaman /Adobe Stock

Die Infektionszahlen durch das Coronavirus steigen in Deutschland teils wieder stark an. So kam es leider auch wieder zu Fällen in Kitas. Einige Eltern bekamen in diesem Zusammenhang recht unangenehme Post von deutschen Gesundheitsämtern. Die dort eingeforderte Anordnung ist geradezu unglaublich.

Ende Juli musste in einer Kita im Ort Dreireich (im Kreis Offenbach), aufgrund einer Coronainfektion eines Kindes, der Betrieb eingestellt werden. Das berichtete die op-online.de. Es folgte eine übliche 14-tägige Quarantäne der betroffenen Familien.

Isolierung von Kindern innerhalb der Familie?

Für Verwunderung und Entrüstung sorgte dann ein Schreiben des örtlichen Gesundheitsamtes, welches die Eltern der Kinder dazu aufforderte, ihre Kinder auch im eigenen Haushalt vom Rest der Familie zu trennen. Laut Beitrag hieß es dort: „Ihr Kind muss im Haushalt Kontakte zu anderen Haushaltsmitgliedern vermeiden, indem Sie für zeitliche und räumliche Trennung sorgen (keine gemeinsamen Mahlzeiten. Ihr Kind sollte sich möglichst allein in einem Raum getrennt von den anderen Haushaltsmitgliedern aufhalten).“.

Erstaunlicherweise stellte sich heraus, dass es sich bei dem Vorgehen des Gesundheitsamtes offenbar nicht um einen übermotivierten Einzelfall handelt. Die „Neue Westfälische“ berichtet, dass inzwischen Gesundheitsämter aus mindestens drei Bundesländern, Eltern dazu aufgefordert haben, ihre Kinder im eigenen Haushalt isoliert von der Familie zu halten. Und das über den gesamten Zeitraum der angeordneten Quarantäne. Die Anordnung betrifft dabei auch sehr junge Kinder.

Aufgrund des maßlosen Vorgehens der Behörden, bei dem jegliche Kinderrechte schlicht ignoriert werden, hat sich der Kinderschutzbund eingeschaltet. „In mindestens einem Fall, der uns vorliegt, wird der Familie bei Weigerung (Zuwiderhandlung) mit der Herausnahme aus der Familie des 8-jährigen Kindes gedroht“, hieß es von Seiten des Kinderschutzbundes.

Die Umstände rund um Quarantäne sind für Familien mit Kindern ganz besonders belastend. Hierzu der Kinderschutzbund: „Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt. Der Kinderschutzbund empfindet diese Maßnahmen als unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar.“

Stellungnahme des Gesundheitsamts Offenbach

Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme des Gesundheitsamtes Offenbach. Dort heißt es: „Für die Arbeit des Gesundheitsamtes ist in diesem Zusammenhang das Infektionsschutzgesetz maßgebend. Es enthält als Kernaufgabe, die Ausbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern.“ Der Schutz aller sei in Ebene eins der Umsetzung besonders wichtig.

Für die Umsetzung würde dann in individuellen Gesprächen nach Möglichkeiten gesucht, die Maßnahmen umzusetzen. „Sie ist auf der zweiten Ebene allerdings mit der Lebenswirklichkeit der Betroffenen in Einklang zu bringen.“ Darin würden die Wohnsituation, das Alter der Kinder und entwicklungsgerechte Umstände, betrachtet.

Übersetzt hieße das, dass Eltern sich in diesen Fällen weiterhin voll-umfänglich und altersgerecht um ihre Kinder kümmern. So soll es um vertretbare Alternativen im täglichen Umgang miteinander gehen. Beispielsweise kein zu enger Körperkontakt zu Geschwistern.

Bleibt die Frage bestehen, warum man in solchen Schreiben nicht auf destruktive Standartformulierungen verzichtet. Und warum der Kinderschutzbund obigen Fall hervorhebt. Wenn es sich bei all diesen Fällen rein um missverstandene Klausulierungen handelt, wäre auch der Kinderschutzbund vorschnell mit einer Stellungsnahme nach vorne geprescht. Die weiteren Entwicklungen werden sicherlich Licht ins Dunkel bringen.

UPDATE: Es gibt aktuelle Reaktionen und Stellungnahmen (08.08.2020)


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