Zuteilung könnte sozial gerechter erfolgen – Kriterien allerdings entscheidend

Gütersloh (AFP) – Experten der Bertelsmann-Stiftung sehen unter bestimmten Voraussetzungen großes Potenzial in einer automatisierten Kitaplatzvergabe per Algorithmus. Die Zuteilung von Betreuungsplätzen, könne durch den Einsatz von Computersoftware effizienter und bei entsprechender Kriterienauswahl, auch sozial gerechter erfolgen, hieß es in einem am Mittwoch von der Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Diskussionspapier. Darin werden Erfahrungen mit Pilotprojekten in deutschen Kommunen bewertet.

Insbesondere Kinder aus „benachteiligten Familien“ könnten nach Einschätzung der Bertelsmann-Digitalexperten von automatisierten Vergabeverfahren profitieren. Bisherige Anmeldeverfahren seien für deren Eltern „oft eine große Hürde“. Die Abläufe seien aber auch für alle anderen kompliziert und zeitaufwändig, dazu kämen oft „Planungsunsicherheit und emotionale Belastung“ bei der Suche nach Betreuungsplätzen. Für Kitaleitungen sei die Verwaltung der Anmeldungen ebenfalls arbeitsintensiv und häufig unbefriedigend.

Algorithmen sorgen nicht automatisch für mehr Fairness

Nach Meinung der Autoren ist es für einen erfolgreichen Einsatz aber entscheidend, dass die Programme transparent und gerecht gestaltet werden. „Algorithmen sorgen nicht automatisch für mehr Fairness – die Empfehlungen einer Software sind nur so gerecht, wie die Kriterien, nach denen diese programmiert ist“, erklärte die Bertelsmann-Expertin Julia Gundlach. Diese müssten von Kitas, Kitaträgern, Jugendämtern und Eltern daher gemeinsam verhandelt und „offen kommuniziert“ werden. Dies sorge am Ende für Akzeptanz.

Keinesfalls dürfe die Einführung algorithmischer Systeme durch die Behörden „von oben herab“ erfolgen, betonten die Autoren des Diskussionspapiers. Sie verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage durch das Institut Allensbach, die in ihre Analyse einflossen. Demnach betonten fast zwei Drittel der Eltern mit Kindern im Kitalter, dass es für sie wichtig zu wissen sei, wie die Software funktioniere.

Zusätzlich bräuchten insbesondere auch Anwender in Kitaleitungen und Jugendämtern ein „Grundverständnis“ für die Arbeitsweise der Systeme, hieß es in dem Papier weiter. Entsprechende Verfahren müssten sich „immer an den jeweiligen sozialen Kontext und die Bedürfnisse der Betroffenen“ anpassen. Software sei zudem auch nie ein Wunder- oder Allheilmittel. „Auch der beste Algorithmus kann keine neuen Betreuungsplätze schaffen“, resümierte Gundlach.


bro/cfm

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AFP

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