Berichte: Bistümer vernichteten laut Studie Akten zu sexuellem Missbrauch Fast 1700 Priester Täter - Bischöfe nennen Ergebnisse "bedrückend und beschämend"

Priester in Handschellen -Missbrauch in der Kirche
Symbolbild: © Gina Sanders / Adobe Stock

Hamburg (AFP) – Die katholische Kirche in Deutschland hat offenbar Akten über sexuellen Kindesmissbrauch vernichtet. Dies gehe aus einer von der Deutschen Bischofskonferenz zum Missbrauchsskandal in Auftrag gegebenen Studie hervor, berichteten die „Zeit“ und der „Spiegel“ am Mittwoch vorab. Der Studie zufolge machten sich mindestens 1670 Priester des sexuellen Missbrauchs schuldig. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann nannte das Ausmaß „bedrückend und beschämend“, kritisierte aber gleichzeitig scharf die Vorabveröffentlichung der Studienergebnisse.

Die 2013 begonnene Studie soll offiziell auf der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz am 25. September vorgestellt werden. Laut „Zeit“ wurden von den Forschern in einigen Fällen „eindeutige Hinweise auf Aktenmanipulation“ gefunden.

Der „Spiegel“ berichtete unter Berufung auf die Studie, Personalakten seien von möglichen Tätern „vernichtet oder manipuliert“ worden. Laut „Zeit“ soll es aus zwei Bistümern „explizit die Information“ gegeben haben, „dass Akten- oder Aktenbestandteile mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet wurden“.



[blockquote align=“none“ author=““]Die Forscher, welche die Studie verantworten, dokumentieren nach Angaben der „Zeit“ zudem, dass sie selber niemals in die Archive der Bistümer durften: „Das Forschungsprojekt hatte keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche.“[/blockquote]

Der „Zeit“ zufolge belegt die Studie zudem erstmals großflächig, dass die Kirche Missbrauch vertuschte. Nur in jedem dritten Fall eines mutmaßlichen Missbrauchs durch einen Priester, Diakon oder Mönch hätten deutsche Bistümer reagiert und zumindest ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet: Bei 1670 aktenkundigen Beschuldigten wurde demnach nur gegen 566 ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet.

Davon endeten dem Bericht zufolge wiederum 154 Verfahren ohne Strafe oder Sanktion. In 103 Fällen habe es lediglich eine Ermahnung gegeben. Nur gegen knapp 38 Prozent der Beschuldigten sei Strafanzeige gestellt worden – dann aber meist von den Betroffenen selbst oder ihrer Familie. Repräsentanten der Kirche hätten nur in 122 Fällen die weltliche Justiz eingeschaltet, das betrifft 7,3 Prozent aller Beschuldigten.

Wie der „Spiegel“ berichtete, zählt die Studie für den Zeitraum von 1946 bis 2014 insgesamt 3677 überwiegend männliche Minderjährige als Opfer sexueller Vergehen auf. Mehr als die Hälfte der Opfer war demnach zum Tatzeitpunkt maximal 13 Jahre alt. In etwa jedem sechsten Fall kam es zu unterschiedlichen Formen der Vergewaltigung.

Die Verfasser der Studie betonen nach Angaben des Magazins, dass lediglich das sogenannte Hellfeld betrachtet wurde. „Damit unterschätzen alle Häufigkeitsangaben die tatsächlichen Verhältnisse.“ Es bestehe Grund zu der Annahme, dass der Missbrauch weiter andauere. Auch der „Spiegel“ berichtete unter Berufung auf die Studie, Personalakten seien von möglichen Tätern „vernichtet oder manipuliert“ worden.

Der Beauftragte der Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich, Bischof Ackermann, bedauerte die Veröffentlichung der Ergebnisse vor der Herbstkonferenz. Gerade mit Blick auf die Betroffenen sexuellen Missbrauchs sei „die verantwortungslose Vorabbekanntmachung der Studie ein schwerer Schlag“.

[blockquote align=“none“ author=““]Derweil lud Papst Franziskus die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus der ganzen Welt für den Februar zu einer Konferenz zum Thema Kinderschutz ein. Der Papst werde mit ihnen über den „Schutz von Minderjährigen“ sprechen, teilte der Vatikan mit. Die katholische Kirche ist weltweit von Missbrauchskandalen betroffen.[/blockquote]

rh/ran/cfm


Lesepause-Video: autistische Kaylee singt sich in die Herzen von Millionen Menschen!

 


 


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here