Adoptionsfamilie
Bild: © Africa Studio / Adobe Stock

Berlin (AFP) – Adoptionen sollen künftig eine fundierte Begleitung durch spezialisierte Fachkräfte erhalten: Der Bundestag verabschiedete am Donnerstag mit den Stimmen der großen Koalition das neue Adoptionshilfegesetz, mit dem der Rechtsanspruch auf Beratung bei Adoptionen eingeführt wird. Ziel der Neuregelung ist es auch, einen offenen Umgang mit der Adoption zu fördern. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte in der Debatte, das neue Gesetz solle die Adoptionsverfahren besser machen.

Die Opposition enthielt sich bei der Abstimmung geschlossen. Das Gesetz sieht vor, dass die Vermittlungsstellen die Adoptiveltern künftig animieren sollen, von Anfang an offen mit dem Kind über die Adoption zu sprechen. Außerdem sollen die Stellen von Beginn an mit den Herkunftseltern, den Adoptiveltern und altersgerecht auch mit dem Kind erörtern, ob und wie ein Informationsaustausch und Kontakt gestaltet werden kann.

Stärkung der Herkunftseltern

Um die Position der Herkunftseltern zu stärken, erhalten diese gegenüber der Vermittlungsstelle einen Rechtsanspruch auf allgemeine Information über das Kind. Allerdings entscheidet die Adoptivfamilie, ob und welche Informationen zur Verfügung gestellt werden. Informationen, deren Weitergabe nicht gewünscht ist, bleiben geschützt.

Kampf gegen den Kinderhandel

Adoptivkinder, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, sollen künftig stets durch eine Fachstelle vermittelt werden. Damit soll verhindert werden, dass sie ohne Begleitung in die Bundesrepublik kommen. Zudem soll ein verpflichtendes Anerkennungsverfahren für ausländische Adoptionsbeschlüsse im Inland eingeführt werden. Dies soll Kinderhandel entgegenwirken.

„Eine Adoption ist eine Lebensentscheidung, die die abgebenden Eltern, die Adoptivfamilien, vor allem aber die Kinder betrifft“, sagte Giffey. Deren Wohl stehe bei dem neuen Gesetz im Mittelpunkt.

Kritik von Grünen und Linken

Grüne und Linke kritisierten, dass die neu eingeführte Beratungspflicht bei so genannten Stiefkindadoptionen zu einer Diskriminierung lesbischer Paare führe. Dies sei „entwürdigend“, sagte die Grünen-Frauenpolitikerin Ulle Schauws in der Debatte. Die Betroffenen würden als „Familien zweiter Klasse“ behandelt. Wenn ein Kind in eine solche Familie hineingeboren werde, solle es eine automatische Anerkennung geben, sagte Schauws. Dies könnte im Rahmen einer „Mit-Mutterschaft“ geschehen. Auch Giffey äußerte sich kritisch zu der Beratungspflicht bei lesbischen Paaren, die Union verteidigte die Regelung.

Nach Giffeys Worten gab es 2018 in Deutschland 3733 Adoptionen, in 95 Prozent handelte es sich um deutsche Kinder.


jp/cha

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