Kinder Schönheitsoperationen
Bild: © angiolina

Der Markt für kosmetische Chirurgie ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Jedes Jahr legen sich rund 250.000 Menschen in Deutschland für die Schönheit unters Messer, wobei die Nachfrage weiter ansteigt und gleichzeitig die Altersgrenze sinkt.

Zwar beträgt der Anteil an minderjährigen Patienten nach Angaben von Ärzten bisher nur rund 1 %, allerdings sind durch die mediale Beeinflussung des gesellschaftlichen Schönheitsideals sowie den schnellen Zugang zu Informationen und Bildern im Internet immer mehr Kinder und Jugendliche bereits unzufrieden mit ihrem Körper, obwohl er noch gar nicht fertig ausgebildet ist. Kylie Jenner gilt, als Jüngste der Kardashian Schwestern, als Vorbild für Millionen von Jugendlichen. Sie ließ sich bereits mit 17 Jahren Lippen und Brüste operieren und veränderte ihr Aussehen damit radikal.

Je unzufriedener das Kind, desto größer der Wunsch nach einer Beauty-OP

Im Jahr 2013 veröffentlichte die LBS eine Studie, bei der bundesweit 10.000 Kinder zwischen 9 und 14 Jahren zur Zufriedenheit mit ihrem Körper befragt wurden. Dieser Umfrage zufolge denkt jedes siebte Kind bereits über einen chirurgischen Eingriff nach. Etwas über die Hälfte der Befragten (52 %) würden eine Fettabsaugung in Betracht ziehen, während 31 % Hautunreinheiten behandeln lassen würden. Ein chirurgischer Eingriff an der Nase kommt für 23 % der Kinder in Frage und eine Veränderung der Brüste würden 22 % vornehmen lassen. Bei dieser Studie ergab sich auch, dass, je unwohler sich ein Kind in seinem sozialen Umfeld (Familie, Schule, Lebensverhältnisse) fühle, desto eher bestehe der Wunsch nach einer Schönheitsoperation.

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Zustimmung der Eltern oder generelles Verbot, wenn ein Eingriff medizinisch nicht notwendig ist?

Bisher bedarf es der Zustimmung der Eltern zu einer chirurgischen Veränderung des Körpers eines Kindes oder Jugendlichen unter 18 Jahren. Union und SPD diskutieren aber schon länger über ein generelles Verbot von nicht medizinisch notwendigen kosmetischen Eingriffen bei Minderjährigen, um diese noch konsequenter vor den Folgen des Schönheitswahns zu schützen.

Nun gibt es verschiedene Gründe für den Wunsch einer Schönheitsoperation. Heranwachsende vergleichen sich mit anderen Gleichaltrigen auf der Suche nach der eigenen Identität und entdecken dabei Unzulänglichkeiten, die bei einigen einen enormen Leidensdruck auslösen können. Nicht selten werden Kinder und Jugendliche wegen ihren abstehenden Ohren gehänselt (das Anlegen der Ohren macht bis heute 80 % der kosmetischen Eingriffe bei Minderjährigen aus) oder entwickeln wegen einem Höcker auf der Nase so große Minderwertigkeitskomplexe, dass psychische Schäden zu befürchten sind.

In solchen Fällen stimmen Chirurgen häufig einem Eingriff zu. Im Vorfeld führen sie aber immer Gespräche mit den Betroffenen und deren Eltern.

Ein absolutes Verbot von Schönheitsoperationen als Lösung?

Ein generelles Verbot von rein ästhetischen Eingriffen würde den Weg zur Verbesserung des Lebensgefühls des Kindes bzw. Jugendlichen erschweren, da im Vorfeld immer medizinische Gutachten zur Beurteilung der Notwendigkeit erstellt werden müssten. Des Weiteren ist es bereits heute so, dass seriöse Ärzte Minderjährige ohnehin nur operieren, wenn massive seelische oder körperliche Probleme mit dem betroffenen Körperteil vorhanden sind. Zudem entscheiden sich viele Kinder und Jugendliche nach dem Aufklärungsgespräch, in dem auch Risiken und Komplikationen erklärt werden, meist gegen einen Eingriff.

Für das Wohl der Jugendlichen

Es ist schwer absehbar, wie sich die Folgen einer Operation (oder sogar eventuelle Komplikationen) auf die Entwicklung des Kindes auswirken können – denn nicht nur der Körper, sondern auch die Seele befindet sich in einem Entwicklungsprozess und eine Veränderung des Aussehens geht immer auch mit einer Veränderung des Geistes einher. Jugendliche können noch sehr wankelmütig sein und, z. B. durch Casting Shows im Fernsehen, einer Modeerscheinung nacheifern, die ihnen nach kurzer Zeit wieder weniger wichtig erscheint. Seriöse Chirurgen müssen auch solche Ideen hinterfragen und abwägen, ob sie durch den Eingriff das Patientenwohl, in dem Falle das Wohl des Jugendlichen, verbessern oder gefährden.

Vater und Tochter spielen glücklich.
Glück ist, wenn das Aussehen nicht das Wichtigste im Leben ist. (Bild: © Vasyl / Adobe Stock)

Insgesamt bedarf es zur gesunden Entwicklung der Heranwachsenden vor allem einer sicheren Umgebung sowie eines konsequenten Rückhalts im Elternhaus, wodurch das Selbstbewusstsein gestärkt wird, Selbstliebe entwickelt werden kann und der Wunsch nach unnötigen Operationen erst gar nicht entsteht. Denn was Jugendliche durch den großen Einfluss der Medienwelt, in der alles glitzert und blinkt, womöglich vergessen: niemand ist perfekt.

Dr. med. Svenja Giessler


Im Video: Mutter flüchtet aus Babyzimmer!

(Video startet eventuell nach einer kurzen Werbung)


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