Wie sicher sind unsere Kinder im Internet?

Das Internet, mit all seinen Möglichkeiten und Facetten, spielt heute auch schon im Alltag von 10 jährigen eine gewisse Rolle. Vermeintlich geschütze, kindtaugliche Angebote werden dann schnell zur emotionalen Falle.

Spätestens seitdem das Internet auch in Schulen Einzug gehalten hat, kommt man auch zu Hause nicht gänzlich davon ab, seinem Kind, neben schulischen Recherchen für seine Hausaufgaben, auch ein wenig seiner Freizeit in den tiefen Weiten der digitalen Welt verbringen zu lassen. Es gibt unzählige Angebote, die speziell für Kinder eingerichtet wurden. Und man mag davon ausgehen, dass dort extrem viel Wert auf altersgerechte Kommunikation, Tranzparenz und allgemeine Sicherheit gelegt wird. Wahrscheinlich gibt man sich im Rahmen seiner Möglichkeiten Mühe – Aber es scheint erwiesen – Alle Mühe reicht nicht!

Kinder im Internet

Kinder und Jugendliche werden tagtäglich von vermeintlich gleichaltrigen in extreme Bedrängnis gebracht. Und damit ist es noch sehr weich ausgedrückt! Angefangen bei harmlosen Flirts, bishin zu schwerstem digitalen Kindesmissbrauch, findet man alles, was man sich als Elternteil garnicht erst vorstellen möchte.

Der liebe Onkel von nebenan, fragt dann ganz schnell nach anfänglichem Geplänkel, was „Mareen“ denn so an hat. Oder ob sie sich denn schon einmal selber gestreichelt hat. Erschreckenderweise gibt es in dieser Anonymität tatsächlich keine Grenzen. Und erschreckenderweise kommen die Betreiber der Onlinechats diesen Dingen nicht hinterher.

Gegenmaßnahmen weitgehend unwirksam

Dabei ist es kein neues Phänomen, dass sich Pädophile in Kinder- und Jugendchats nur so tummeln. Offizielle Moderatoren können (und dürfen) mittlerweile in diesen speziellen Chats mitlesen, und es gibt Alarmfunktionen, die man als Belästigte/r sofort und unkompliziert auslösen kann. Filtersoftware sexueller Begriffe, Altersverifizierungen, und Profilbewertungen sollen Tranzparenz und Sicherheit bieten.

Doch diese gut gemeinten Jugendschutzmaßnahmen sind leider immernoch recht einfach zu umgehen. Geburtsdaten lassen sich bei der Registrierung meist leicht fälschen. Und schon ist man drin! Entweder noch viel zu jung – oder schon lange in den welken Jahren. Aber man ist drin.

Kinder werden in eine falsche emotionale Verantwortung gedrängt

Nimmt ein Kind all seinen Mut zusammen, und drückt vollkommen entsetzt einen der erwähnten Notfallbuttons, ist die emotionale Belastung lange nicht vorbei. Eine emotional stabile 15 jährige wird wahrscheinlich in der Lage sein, auf Nachfrage zu schildern, was denn genau im vorangegangenen Chat passiert ist. Bei einer schüchternen 10 jährigen stelle ich mir das anders vor.

Die Kinder werden in die Beweispflicht genommen. Bedenkt man nun, dass angeblich alle Chatlogs abrufbar seien, versteht man den Sinn und die Umsetzung noch weniger. Chatpartner können nach erwiesenem Fehlverhalten gesperrt und den Behörden gemeldet werden. Das Melden besonders grober Schnitzer ist sogar eine gesetzliche Pflicht der Anbieter!

Für viele jüngere Kinder ist das ein Verrat an einem „Freund“. Chatpartner werden über Wochen und Monate, tatsächlich für einsame Kinderherzen, zu engen Vertrauten. Und dieses Vertrauen wird unserer Ansicht von gleich zwei Seiten heftig torpediert.

Verfolgung von Tätern unglaublich schwierig

Da Chatlogs gesetzlich nicht gespeichert werden dürfen (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung), ist es nahezu unmöglich eine ernstzunehmende Verfolgung einzuleiten. Wird ein Nutzer gesperrt, meldet er sich prompt mit einer neu generierten Emailadresse an. Und das Spiel beginnt von vorne.

Eine einzige realistische Chance hat man als Eltern, wenn man sein Kind darauf vorbereitet, dass man solche Chats inklusiver aller Logs ausdrucken kann, um damit umgehend zur Polizei zu gehen. Wenn auch diese nur begrenzte Möglichkeiten hat, intensiv zu ermitteln. Dank einer Gesetzeslücke beim Paragraphen 176 des Strafgesetzbuchs, welcher besagt, dass jedes Einwirken auf Kinder mit der Absicht einer sexuellen Handlung  in Deutschland strafbar ist, werden im Bereich der elektronischen Medien erhebliche Stopschilder verbaut. So darf ein verdeckt ermittelnder Beamter nicht als Zeuge fungieren, weil es eine Art der Beweisbeschaffung ist, welche dort nicht anerkannt wird.

Finger weg von Kinderchats

Unser eindringlicher Rat: Trotz aller gut gemeinter Bemühungen vieler Anbieter für Kinder- und Jugendchats, sind diese Seiten alles andere als sicher. Teils fehlt es an der Umsetzung technischer Möglichkeiten. Und sind diese gegeben, fällt das Gesetz den behördlichen Ermittlern mit einer Axt in den Rücken.

Packt euch also lieber eure Kinder (nachdem sie ihre Hausaufgaben brav mit Hilfe des Internets erledigt haben) und deren Freunde, und geht gemeinsam im nächstgelegenen Tierpark ein Eis essen. Wir sind uns sicher, dass auch dort jeglichem Drang nach Kommunikation genüge getan wird.

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