Vater und Kind: So stärkt Handwerk die Beziehung

Vater und Kind - Bindung durch Handwerk
Bild: © Halfpoint / Fotolia

Leise quietschend verkantet sich der Bohrer im Holz und bleibt stecken. „Nur Geduld,  Martin“, rät der Vater und korrigiert die Kinderhände in die richtige Position. Die Schraube befreit, dreht sie sich in das Pappel-Holzstück. Der Lautsprecher sitzt nun fest. Erfolg und Stolz sind Klein-Martin ins Gesicht geschrieben als er das Ergebnis sieht und zu seinem Vater blickt. Er hat seinen ersten eigenen MP3-Player montiert.

Viele Sonntage hat Papa Rainer mit seinen Söhnen Martin und Fabian verbracht. Dabei waren sie meistens in der hauseigenen Werkstatt. „Als die Jungs kleiner waren, haben wir als Starterübung Nagelbretter gebastelt – das bekommen selbst die Kleinsten hin“, erinnert sich der Nürtinger. Sobald die Jungs und Papa zusammen basteln und spielen, vergeht die Zeit wie im Flug. „Ich komme dann in eine Art Flow“, schwärmt der 42-Jährige und lacht.

Neurobiologe Gerald Hüther forscht an der Universität Göttingen und weiß, warum Begeisterung glücklich macht. So sei es wichtig, die Freuden mit einer Tätigkeit zu verbinden. Gemeinsames Backen, Basteln oder Malen wirken dann wie Doping für Geist und Hirn. Genau darauf zielen gemeinsame Abenteuer ab. Mädchen haben dabei mindestens genauso viel Spaß am Werken wie Jungs.

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„Leben lehrt. Nur wenn es auf spürbaren Erfahrungen basiert, bleibt es im Kopf“, sagt Hüther. Dürfen Kinder also selbstständig sägen, feilen, mit Kleber hantieren und  Schrauben setzen, werden Hirn und Körper gefördert und gefordert. „Dabei entwickelt sich das Hirn am besten, wenn wir es mit Begeisterung nutzen“, versichert der Hirnforscher. Deshalb werden Menschen bei Tätigkeiten, die sie mit Leidenschaft ausüben, schnell besser.

Aus anfangs dünnen Nervenbahnen formen sich mehrspurige Straßen mit Kreuzungen und Abzweigungen. Je durchwebter diese Netze, desto besser können Kinder Probleme lösen. Die Mädels und Jungs nehmen ihr Umfeld achtsamer wahr und können Erlebtes miteinander verknüpfen. Natürlich begeistert auch ein Zoobesuch mit der Familie. Doch wird mehr Glück empfunden, wenn zusammen etwas erschaffen wird, bestätigt der Neurobiologe.

[blockquote align=“none“ author=““]Pädagoge und Autor Jesper Juuls bestätigt in seinem Buch „Leitwölfe sein“ die Gleichwertigkeit von Eltern und Kindern. Diese entsteht, wenn Väter mit ihren Söhnen oder Töchtern Zeit verbringen und auf einer Ebene miteinander agieren.[/blockquote]

Das gemeinsame Basteln am MP3-Player oder ein Besuch auf dem Hofgut Hopfenburg in Münsingen, sind bei Familie Brang beliebt. Dort können Kinder und Eltern im Indianerzelt wohnen oder sich einen Zirkuswagen mieten. Natur zum Anfassen: Äste schnitzen, am Lagerfeuer sitzen oder Hühner, Pferde und Ziegen füttern.

Solche Natur-Ausflüge oder ein „Werkauftrag“ in Opas Kellerwerkstatt wirken sich positiv auf Psyche und Verhalten der Kinder aus. Gehirnforscher Manfred Spitzer redet offen über eine Generation, die mittlerweile digital verseucht werde: Siebeneinhalb Stunden verbringen junge Menschen heute täglich mit Smartphones, Tablets oder anderen digitalen Medien. Die Folgen sind Verdummung, Verfettung und erhöhte Gewaltbereitschaft, bilanziert der Ulmer Psychiater.

Dagegen hilft nur Handeln. Denn praktische Übungen wie basteln, schrauben, klettern oder malen sind feinmotorische Fertigkeiten, die erlernt werden müssen. Wird dies nicht getan, verkümmert das Gehirn. „Väter sind für diese Jobs perfekt geeignet“, freut sich der Tüftler. Als Fabian vor kurzem ein Motorboot auf Papier malte, haben sie die Vorlage mit einem Laserschneider aus Holz geschnitten und mit einem alten PC-Lüfter-Propeller ausgestattet. „Seitdem düst das Speedboat durchs Kinderzimmer“, erzählt Brang.

Rainer Brang schraubt mit seinem Sohn Martin einen Hörbert zusammen.
Rainer Brang schraubt mit seinem Sohn Martin einen Hörbert zusammen. (FOTO: WINZKI)

[blockquote align=“none“ author=““]Ob er damit auch in Serienproduktion gehen kann, ist ungewiss. Aus der Bastelidee „Holzkiste mit eingebautem MP3-Player“ hat der zweifache Vater eine Geschäftsidee kreiert. Vom MP3-Player „Hörbert“ gibt es inzwischen mehr als 15.000 Exemplare. Davon viele der Marke Eigenbau aus dem Hörbert-Bastelset.[/blockquote]


 

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