Kinderbetreuung: Ein Wald mit lauter Bäumen? Vom Babysitter zur Tagesmutter - so finde ich zuverlässige Betreuung für mein Kind

Vor lauter Portalen und Angeboten sieht man auf der Suche nach Babysittern manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Vor lauter Portalen und Angeboten sieht man auf der Suche nach Babysittern manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. (Bild: © Maria Sbytova)

Jemanden zu finden, der kurzfristig oder auch von langer Hand geplant auf die Kids aufpasst, kann oftmals viel anstrengender sein, als man glaubt. Da muss man wissen, an welchen Baum man in diesem großen Wald klopfen muss.

In der Theorie klingt es ja so einfach: „Ich suche für dann und dann einen Babysitter“ – schreibt man (natürlich mit einigen Tagen Vorlaufzeit) an seine Facebook-Pinnwand und hofft, dass sich entweder direkt jemand aus der Freundesliste darauf meldet oder diese durch fleißiges Teilen den Multiplikator spielen. Ja, und wenn das nicht funktioniert? Wohin schaut man dann? Das Problem ist nämlich, dass das Web nicht ganz unschuldig daran ist, dass man heute etwas suchen muss: weil es so viele Anbieter gibt. Doch keine Panik, wir zeigen, wo man praktisch immer fündig wird – auch bei Facebook.

1. Die richtige Facebook-Ecke

Die oben skizzierte Vorgehensweise ist zwar ziemlich naheliegend. Aber sofern man nicht gerade mit einem umfangreichen Freundeskreis gesegnet ist, wird einen das mitunter keinen Schritt weiterbringen. Nein, nicht weil keiner mehr auf Facebook aktiv ist, weil das Leben „ohne“ einen zufriedener macht – sondern tatsächlich, weil die klassische Babysitter-Klientel, also jugendliche Mädels, viel weniger auf dieser sozialen Plattform aktiv ist, als landläufig angenommen wird – Teens haben mittlerweile andere Anlaufstellen, auf Facebook halten sie sich viel weniger auf, als eine zwar ebenfalls junge, aber schon rein statistisch mindestens zehn Jahre ältere Elterngeneration.

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Das bedeutet, man muss schon wirklich dorthin gehen, wo sich diejenigen, die Betreuerdienste offerieren, anbieten. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Facebook-Gruppen, die sich mit dem Schwerpunkt Babysitting befassen. Da aber muss man, ebenfalls weil es so viele Gruppen gibt, filtern. Hohe Mitgliederzahlen sind praktisch Pflicht – noch vor einer regionalen Ausrichtung der entsprechenden Gruppe. Nur so wird man wirklich fündig. Die kleinen Gruppen wurden oft genug schon vor langer Zeit gegründet; die Kinder sind schon selbst Teens, die letzten Posts uralt.

[blockquote align=“none“ author=““]Falls man eher weitab vom (urbanen) Schuss lebt, empfiehlt es sich zudem, auf den typischen „Spotted: (Ortsname)“-Gruppen Facebooks nach einer in seiner Nähe zu suchen und dort eine Anfrage zu posten – die Seiten haben den Vorteil, dass sie von sehr vielen Menschen abonniert werden und die Anfrage deshalb im Newsfeed vieler auftaucht und sich so rasch multipliziert.[/blockquote]

2. Die direkte Variante

Natürlich könnte man an dieser Stelle versuchen, sich in die Lebensrealität von Jugendlichen hineinzuversetzen und auf die Seiten zu gehen, die von diesen hauptsächlich frequentiert werden. Für das Finden einer Kinderbetreuung wäre das jedoch wieder kontraproduktiv – auf den typischen Jugendlichen-Sites finden sich eben auch nur Jugendliche. Im Sinne der guten Regeln des Babysitter-Findens sollte man sich jedoch nicht auf ein Alter festlegen, sondern nur Fähigkeiten.

Ergo ist es besser, vollkommen die Schiene der sozialen Netze mit ihren Einschränkungen zu verlassen und sich gleich dorthin zu begeben, wo es nur um „den Job“ geht. Und hier ist der bedeutendste Ansprechpartner im deutschsprachigen Netz das mit dem Deutschen Kinderhilfswerk zusammenarbeitende Portal yoopies.de. Die Anmeldung ist kostenlos. Danach muss man nur noch seine Postleitzahl eingeben – und findet sofort auf Anhieb eine große Zahl potenzieller Betreuer in alt wie jung. Der Rest ist Anschreiben, kommunizieren, Vorstellungstermin ausmachen.

Als Deutschlands Jobvermittler ist die Arbeitsagentur natürlich auch für Kinderbetreuer zuständig – wobei es hier eher um feste Arbeitsplätze und nicht schnelle Aushilfen geht.
Als Deutschlands Jobvermittler ist die Arbeitsagentur natürlich auch für Kinderbetreuer zuständig – wobei es hier eher um feste Arbeitsplätze und nicht schnelle Aushilfen geht. (Bild: © Mattoff / Adobe Stock)

3. Hü auf dem Amtsschimmel

Viele Eltern vergessen bei der Suche nach einem Babysitter, dass sie dadurch ja auch so eine Art Arbeitgeber werden. Deshalb gleich ein kurzer Exkurs: Rein rechtlich wird auch beim privaten Babysitting eine Dienstleistung gegen Bezahlung durchgeführt. Wer seinen Babysitter nicht anmeldet, entzieht ihm im Schadensfall nicht nur den Versicherungsschutz, sondern fördert strenggenommen auch Schwarzarbeit – und macht sich dadurch natürlich strafbar.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist es jedoch natürlich auch probat, die Hilfe des deutschen Amtsschimmels für seine Probleme als „Arbeitgeber“ in Anspruch zu nehmen. Im Klartext: Eine Suchanfrage bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit oder gleich das Schalten einer Stellenanzeige. Das ist vielleicht nicht die ideale Wahl, um „schnell noch für heute“ einen Betreuer zu finden. Definitiv aber eine, um eine langfristige Geschäftsbeziehung anzubahnen.

[blockquote align=“none“ author=““]Tipp: Falls es nicht nur um reines Sitten geht, sondern echte Tagesmutter-Tätigkeiten kann auch ein Anruf beim Jugendamt weiterbringen – dort sitzt man schließlich an der Quelle.[/blockquote]

4. Aufs Brett gebracht

Für diesen Punkt dürfen Eltern sich mal selbst in ihre, vermutlich ziemlich analoge Kindheit zurückversetzen. Wenn man damals schnell (und vor allem kostenlos) etwas einer großen Menschenmenge beibringen wollte, wohin ging man da? Natürlich zum schwarzen Brett im nächstgelegenen Geschäft.

Und natürlich funktioniert die Sache auch heute noch. Ob dörflicher Post-Shop, Schreibwarenladen oder Supermarkt, überall, wo täglich viele unterschiedliche Menschen sich tummeln, gibt es nach wie vor das schwarze Brett, an das man sein Ersuchen pinnen kann – in aller Regel völlig kostenlos. Und weil heute wirklich fast jeder ein Handy mit Kamera dabeihat, muss man sich nicht mal mehr die Mühe machen, unten viele Abreißzettelchen mit seiner Telefonnummer zu inkludieren. Ja, man könnte sogar, wenn man den Zettel eh am PC schreibt, einen QR-Code mit der Telefonnummer inkludieren…

5. Die andere Altersrichtung

Viele Eltern denken bei den Begriffen Babysitting bzw. Kinderbetreuung meist nur an Personen, die maximal in ihrem Alter sind, höchstens ein paar Jahre mehr. Nur bei unseren eigenen Verwandten, namentlich den Eltern, da machen wir die Ausnahme und geben die Kids gern in deren Obhut.

Stellt sich natürlich die Frage: Warum nur bei diesem Personenkreis? Andere Senioren, insbesondere wenn sie selbst Eltern sind oder gar Großeltern, sind kein Stück weniger qualifiziert für diese Aufgabe – und mit Sicherheit durch ihre Erfahrung und eine gewisse „Altersgelassenheit“ eher noch besser geeignet, als eine jugendliche Babysitterin.

Wer sowieso Senioren in seinem direkten Umfeld wohnen hat, kann daher diese einfach mal ansprechen. Vor allem auch, weil es eine mehrfache Win-Win-Situation wäre: Man selbst bekommt eine routinierte Kinderbetreuung durch jemanden, den kaum noch eine „Kindersituation“ überraschen kann. Umgekehrt gibt man einem Menschen, der nach dem Ende seiner Lebensarbeitszeit sich vielleicht unnütz vorkommt, eine wirklich gehaltvolle Aufgabe (nebst einigen rentenaufbessernden Euros). Und davon profitieren durchaus auch die eigenen Kinder. Das gilt ganz besonders dann, wenn die leiblichen Großeltern weit weg leben. Intergenerationelles Lernen ist für Kids jeden Alters etwas Gutes.

Fazit

Es gibt so viele Wege, eine Kinderbetreuung zu finden. In der Praxis benötigt man aber, wenn man schon den „Busch“ in der Kita, der Nachbarschaft und den Freunden abgeklopft hat, nur wenige Schritte in den „Wald“ hinein. Die Methoden, die am wenigsten Arbeit machen, sind auch hierbei meistens die besten.

[blockquote align=“none“ author=““]LESETIPP: Wenn es übrigens um den Unfallschutz eures Kindes geht, kommt man an einem angemeldeten Babysitter oder einer Tagesmutter nicht vorbei. Denn nur so greift die Unfallversicherung im Schadensfall.[/blockquote]

 


 

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Jacqueline Esser
Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Zurzeit arbeitet sie als Gruppenleitung einer Krippen-Gruppe einer Kindertagesstätte. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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