Mädchen chattet im Internet
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Kinder spielen auf dem Schulhof und verabreden sich für den Nachmittag. So kennen das sicher noch viele Generationen. Doch durch WhatsApp und soziale Medien, tauschen sich bereits Grundschüler online aus. Wie das Freundschaften verändert. Tipps für Eltern.

Zahlreiche Familien haben einen eigenen Chat, in dem auch die Großeltern involviert sind. Messenger überbrücken Entfernungen. Bilder vom Familienausflug an den See sind schnell an Oma und Opa geschickt. So weit, so gut. Doch durch die Digitalisierung beklagen immer mehr Menschen, dass sie sich einfach fühlen. Kinder geraten bereits früh unter Druck, ein neues iPhone zu besitzen, weil sie ansonsten als Außenseiter gelten. Wer als Teenie keine coolen TikTok-Clips dreht und alles googlen kann, ist out. Technologie hat unseren Alltag erleichtert, doch sie isoliert uns auch. Eltern sollten daher auf die Online-Zeit der Kinder achten und beobachten, ob das reale Leben nicht zu kurz kommt. „Freundschaft ist nicht gleich Freundschaft“, weiß auch Psychologin Anna Schneider von der Hochschule Fresenius in Köln.

Online-Zeit für Kinder vereinbaren

Feste Medienzeiten geben Kindern Struktur. Wer nur noch vor dem Bildschirm hängt, verpasst das echte Leben. Eltern erziehen zu einem gesunden Umgang mit den Medien.

Unsere Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf. Neue Möglichkeiten zu lernen, spielen und sich auszutauschen sind entstanden. Es gibt genügend Lernplattformen mit Inhalten für Schüler und entsprechende Foren zum Austausch. Doch das analoge Leben darf nicht leiden. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass Freundschaften im echten Leben stattfinden und nicht ausschließlich bei WhatsApp. Wenn das Handy aus ist, kann die Leere kommen – und das gilt es zu verhindern.

Folgende Richtlinien helfen bei der Mediennutzung

  • Kinder bis 5 Jahre: maximal 30 Minuten Bidschirmzeit am Tag
  • Kinder zwischen 6 und 9 Jahre: maximal eine Stunde Bildschirmzeit am Tag
  • Kinder ab 10 Jahre: Hier empfiehlt es sich, ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. Kinder können so eigene Erfahrungen sammeln.

Lesen Sie auch: Wie Sie die Aktivitäten Ihrer Kinder im Netz besser nachverfolgen können.

Soziale Netzwerke helfen, Freundschaften zu pflegen

Früher griff man zum Hörer und telefonierte zwei Stunden – oder versteckte Zettelchen im Schulrucksack. „Treffpunkt um 15 Uhr am See“. Heutige Kids texten sich das bei WhatsApp oder im Facebook Messenger. Das ist an für sich auch kein Problem, denn es hilft sogar, Kontakte zu pflegen, betont die Psychologin Anna Schneider. Sie hat zu Freundschaften im digitalen Zeitalter geforscht. Kontakte über größere Entfernungen können so gehalten werden. Bestes Beispiel ist die Urlaubsbekanntschaft. Sind sich die Kinder sympathisch, ist es völlig in Ordnung, die Nummern auszutauschen und später zu skypen. Wenn die Kinder noch kleiner sind, sollten die Eltern den Medienkontakt steuern und feste Sitzungen zum Austausch einberufen.

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Likes reichen nicht für eine feste Freundschaft

Vor allem Jugendliche freuen sich, wenn ihr Bild auf Instagram viele Likes bekommt. Diese Form der Bestätigung zeigt: „Ich bin anerkannt.“ Doch für ernste Freundschaften sind digitale Zeichen in Form von Emojis zu wenig. Zwar suggeriert es, ein Teil der Gemeinschaft zu sein – mehr aber auch nicht. „Spätestens dann, wenn die Beziehung belastet wird – zum Beispiel bei einem Umzug –, kann man auf diese Menschen meist nicht zählen“, sagt die Psychologin. Der Titel „Freund“ sei online ganz anders zu verstehen als im realen Leben. Das müssen Eltern ihren Kindern unbedingt klar machen – allerdings sollten Kinder auch hierhingehend ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Zeigen Sie Ihrem Kind doch mal Ihr altes Poesiealbum und schlagen vor, sich selbst auch eins anzulegen. Dafür ist man nie zu alt.

Freundschaft lebt von Nähe

Am 30. Juli ist Tag der Freundschaft – und auch für Eltern ein toller Anlass, um die besten Freunde mal wieder zu treffen. Nicht nur für angehende Erwachsene ist das Thema „Freundschaft“ ein wichtiger Punkt im Leben, sondern auch für die Eltern von starker Bedeutung. Eltern brauchen Zuwendung und Nähe, auch außerhalb der Partnerschaft. Das sind neben den eigenen Eltern auch die guten Freunde. Per WhatsApp das neue Treffen ausmachen, ist also eine gute Idee.  „Skype-Anrufe können also niemals dauerhafter Ersatz für persönliche Treffen sein“, erklärt der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger.

Normalerweise habe jeder rund drei enge „Herzensfreunde“ und zwölf weitere Durchschnittsfreunde. „Mehr kriegen wir nicht hin. Schließlich muss man Freundschaften aufbauen und pflegen. Das ist eine Lebensaufgabe“, sagt er.

Wann bilden sich die ersten Kinderfreundschaften?

Kinder lieben den Kontakt zu anderen Kindern. Bereits im Kleinkindealter juchzen sie, wenn sie das Gesicht eines anderen Kindes sehen. Spontane Umarmungen im Sandkasten sind keine Seltenheit. Die ersten echten Kinderfreundschaften entstehen ab dem dritten Lebensjahr. In dieser Zeit beginnt die Zeit der Kita. Kinder suchen aktiv nach Gleichgesinnten. Die Kleinen fragen gezielt, ob das andere Kind mitspielen möchte. Erste Sympathien bilden sich aus. Fehlt der Freund oder die Freundin im Kindergarten, kann das schon ein kleiner Weltuntergang sein.

Obwohl es Freundschaften gibt, die bereits seit dem Kindergarten bestehen, sind sie eher selten. Denn Kinderfreundschaften sind sehr brüchig. Die Freunde wechseln schnell, vor allem, wenn sich die Interessen und Vorlieben wechseln. Das ist also nichts Ungewöhnliches. Mit diesen Enttäuschungen muss jedes Kind lernen umzugehen, vor allem auch, um im späteren Leben resistent zu sein.


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