Coronavirus Familie
Bild: © watcartoon / Adobe Stock

+++ AFP-Gespräch +++


Berlin (AFP) – Angesichts der landesweiten Schließung von Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie raten Experten, in der Krisensituation eine gewisse Normalität beizubehalten. „Wichtig ist es, die Tagesstruktur beizubehalten und nicht den Rhythmus zu verlieren“, sagt Erziehungsberaterin und Buchautorin Nicola Schmidt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. So sollten die Kinder trotz Unterrichtsausfall nicht erst um elf ins Bett gehen, wenn sie sonst um acht schlafen.

Tagesstruktur möglichst beibehalten

„Am besten ist es, sich vormittags intensiv mit den Kindern zu beschäftigen, zu spielen und zu lernen, dann sind sie nachmittags zufriedener, weil sie schon was von Mama oder Papa hatten“, rät Schmidt. Ab dem Schulalter könnten Eltern Absprachen mit den Kindern treffen. Kinder in Aufgaben einzubinden, gemeinsam mit ihnen den Keller auszumisten oder zu putzen, sei besser, als zum 85. Mal Memory zu spielen.

In vielen Familien werde es sich nicht vermeiden lassen, „die Kinder vor dem Bildschirm zu parken„. Eltern müssten dann aber auch die Verantwortung dafür übernehmen, wenn ihre Kinder sauer seien, wenn man ihnen nach zwei Stunden das Tablet wieder wegnimmt.

Gesunde Mischung aus Lernen und Freizeit finden

Das Lernen zu Hause solle ohne Druck und Stress geschehen. „Wenn am Ende nicht alle 35 Arbeitsblätter geschafft sind, ist das auch kein Drama“, sagt Schmidt. „Englisch kann man nachholen, fünf Wochen Streit hingegen sind schwer wieder gut zu machen.“

Hilfreich sei, sich auch in einem Ausnahmezustand den Blick für das Schöne zu bewahren. „Das haben Studien mit Schiffbrüchigen gezeigt“, sagt Schmidt. Wer auch in einer Extremsituation noch den Sonnenuntergang genießen könne, komme besser zurecht.

Keine panische Kommunikation gegenüber Kindern

Hinsichtlich der Kommunikation mit den Kindern über die Pandemie betont Schmidt: „Kinder können die Nachrichten zur Corona-Krise nicht einordnen.“ Eltern müssten daher „kommunizieren, dass wir Erwachsene uns darum kümmern, dann können Kinder auch besser damit umgehen“. Eltern müssten den Kindern auch nicht von den Corona-Todesopfern erzählen. „Sie sollen sich über die zusätzlichen Schulferien freuen dürfen.“


Impfstoff bis Herbst möglich?


Erziehungsberater Mathias Voelchert, Gründer und Leiter von familylab.de, wünscht Eltern vor allem Gelassenheit für die kommenden Wochen. „Wir müssen die Situation annehmen ohne inneren Widerstand“, sagt er. „Wir haben so viel Zeit wie nie, als Familie etwas zu machen, und das tut Kindern und Eltern gut – wenn wir nicht denken, Familie müsse immer harmonisch sein, das ist sie noch nie gewesen.“ Auch Schmidt sieht den Ausnahmezustand als Chance: „Wir können einen Tagesablauf lernen, der uns gut tut: Vier Stunden konzentriert arbeiten und uns um die Kinder kümmern.“


sp/yb

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